Eine Schicksalsgemeinschaft ist eine Gruppe von Personen, die einem gemeinsamen Schicksal ausgesetzt ist, z. B. einer risikobehafteten oder gefährlichen Situation.
Beispiele hierfür sind Schiffbrüchige, Geiseln oder in einem Bergwerk oder einer Ehe bzw. einem Konkubinat eingeschlossene Personen. Teilweise entsteht zwischen Geiseln und deren Geiselnehmern eine besondere Schicksalsgemeinschaft, die zu einem Stockholm-Syndrom führen kann.
In der rechtswissenschaftlichen Literatur
Familienrecht In der Schweiz ist die „Schicksalsgemeinschaft“ eine erforderliche Eigenschaft einer Ehe oder eines rechtlich anerkannten Konkubinates.
Darunter versteht man, eine auf längere Zeit oder auf Dauer angelegte umfassende Lebensgemeinschaft, die sowohl eine geistig-seelische als auch eine wirtschaftliche Komponente aufweist. Verkürzt wird diese etwa auch als Wohn-, Tisch- und Bettgemeinschaft bezeichnet, in der die Lebenspartner einander Treue und Beistand schulden.
Grundpfandrecht Nach der schweizerischen Rechtsprechung:
In politischen Kontexten „Volk“ als „Schicksalsgemeinschaft“ Der Begriff wird in völkischen Kontexten gebraucht. Zum Beispiel wird das jüdische Volk häufig als Schicksalsgemeinschaft dargestellt.Theodor Much: Kein Konsens in Sicht: Kann „Judentum“ definiert werden?, haGalil.com, abgerufen am 10. August 2020.
In Deutschland
Zeit des Nationalsozialismus Der Begriff des „Volkes“ wurde häufig als Schicksalsgemeinschaft beschrieben. Der Begriff ist – wie die Ausdrücke „Blutgemeinschaft“, „Volksgemeinschaft“ und „Blut- und Schicksalsgemeinschaft“ – ein in der Ideologie und Sprache des Nationalsozialismus oft gebrauchtes Schlagwort.
Nach der Wiedervereinigung Der CDU-Politiker Volker Kauder forderte kurz nach dem Berliner „Integrationsgipfel“ der deutschen Bundesregierung im Juli 2006 von Einwanderern in Deutschland: „Wer Deutscher werden will, muss sich auch zur deutschen Schicksalsgemeinschaft und damit zur deutschen Geschichte bekennen.“Zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Juli 2006.
In der Schweiz Seit dem 19. Jahrhundert verkörpert der Begriff „Schicksalsgemeinschaft“ die Idee, dass sich Menschen trotz kultureller Unterschiede als Willensnation zusammenfinden, um Naturkatastrophen oder äußeren Gefahren zu begegnen.
Der Schweizer Dichter und spätere Nobelpreisträger Carl Spitteler ist eine der Hauptfiguren dieser Konzeption:
Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs bestand die Gefahr einer internen Spaltung (le fossé; der Graben) zwischen den verschiedenen Sprachregionen des Landes. Am 14. Dezember 1914 forderte er in seiner berühmten Rede „Unser Schweizer Standpunkt“ die nationale Einheit und die strikte Neutralität der Schweiz. Dieser Aufruf, dem auf eidgenössisch-bundespolitischer Ebene gefolgt wurde, repräsentiert den Geist der nationalen Schicksalsgemeinschaft in der Schweiz:
Bei Carl Spitteler sind durch die furchtbare Schicksalsgemeinschaft Menschen aber auch Tiere verbunden.
Euro-Krise Im Zusammenhang mit der Eurokrise wurde die Euro-Währungsunion wiederholt von verschiedenen Politikern, unter anderem Angela Merkel, als „Schicksalsgemeinschaft“ bezeichnet.«Die Währungsunion ist eine Schicksalsgemeinschaft», Dossier Griechenland in der Krise im Tages-Anzeiger, 19. Mai 2010.
Weblinks
www.dhm.de www.dradio.de: „Vormittags die ersten Amerikaner. Stimmen und Bilder vom Kriegsende 1945“ Spiegel Online: Schicksalsgemeinschaft. Attentatserfahrung macht Schäuble und Lafontaine milde. René Pérennec, « Philologie, histoire culturelle et lexicologie bilingue. Deux études de cas : « ausländische Mitbürger », « Schicksalsgemeinschaft » / « communauté de destin » », Revue germanique internationale, 10 | 1998, 26. September 2011. DOI:10.4000/rgi.686
Einzelnachweise
Kategorie:Sprache des Nationalsozialismus Kategorie:Personengruppenbezeichnung Kategorie:Politischer Mythos Kategorie:Form der sozialen Beziehung