mini|Das Standbild des Großherzogs Karl Friedrich von Baden vor dem Karlsruher Schloss mini|Das Schloss liegt im Zentrum des strahlenförmigen Innenstadtgrundrisses. mini|Luftbild von Osten (vorne links Durlach, hinten rechts der Rheinhafen)

Karlsruhe (Aussprache , , lokal südfränkisch Kallsruh, ) ist mit Einwohnern () die drittgrößte Stadt des Landes Baden-Württemberg. Sie ist Verwaltungssitz des Regierungsbezirks Karlsruhe und des Landkreises Karlsruhe und bildet selbst einen Stadtkreis (kreisfreie Stadt). Die Stadt ist Oberzentrum für den nach ihr benannten Regionalverband und länderübergreifend für Teile der Südpfalz und Gemeinden des nördlichen Elsass in Frankreich.

Das 1715 vom heutigen Stadtteil Durlach aus als barocke Planstadt gegründete Karlsruhe war Haupt- und Residenzstadt des ehemaligen Landes Baden. Charakteristisch für den ursprünglichen Stadtplan sind die 32 ringsum vom Schloss in die Parkanlagen und den Hardtwald der Oberrheinebene ausstrahlenden Straßen. Nur das südliche Viertel wurde zentrumsnah bebaut; seinem fächerförmigen Grundriss verdankt Karlsruhe den Beinamen „Fächerstadt“. Friedrich Weinbrenners klassizistische Bauten prägen das Bild der Stadterweiterung aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Seit 1950 ist Karlsruhe Sitz des Bundesgerichtshofs und des Generalbundesanwalts beim Bundesgerichtshof und seit 1951 des Bundesverfassungsgerichts, weshalb die Stadt auch „Residenz des Rechts“ genannt wird. Zahlreiche Behörden und Forschungseinrichtungen mit überregionaler Bedeutung sind in Karlsruhe angesiedelt. Unter den neun Hochschulen der Stadt ist das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) die älteste und größte, darüber hinaus seit 2019 erneut eine Exzellenzuniversität. Großen Infrastruktureinrichtungen wie den beiden Rheinhäfen und der größten Raffinerie DeutschlandsDie größten Raffinerien in Deutschland In: Technik+Einkauf vom 25. August 2023. sowie Großkonzernen wie dm und EnBW steht eine ansonsten vorwiegend mittelständisch geprägte Wirtschaft gegenüber. Karlsruhe ist einer der bedeutendsten europäischen Standorte der Informations- und Kommunikationstechnik. In: Stadtzeitung Karlsruhe vom 23. Mai 2014. Daran knüpft mit dem Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) auch eine der wichtigsten Kulturinstitutionen in der Stadt an. Andere, wie das Badische Landesmuseum oder die Staatliche Kunsthalle, gehören zum Erbe der Residenzzeit. 2019 nahm die UNESCO Karlsruhe als „Stadt der Medienkunst“ in ihr Netzwerk der Kreativstädte auf.

Geographie mini|links|hochkant|Markierung des 49. Breitengrads im Stadtgarten mini|Der 144 m hohe Fernmeldeturm Grünwettersbach steht nahe beim höchsten Punkt der Stadt. Die Antennenspitze erreicht . mini|Blick vom Turmberg über Durlach und Karlsruhe bis zum Pfälzerwald am Westrand der Oberrheinischen Tiefebene

Lage Das Karlsruher Stadtgebiet liegt vollständig rechtsrheinisch und überwiegend in der Oberrheinischen Tiefebene. Es umfasst im Osten mit dem Turmberg und den angrenzenden Höhen aber auch den Rand des Hügellands am Übergang vom südlichen Kraichgau zum Nordschwarzwald. Die Stadtteile Durlach, Wolfartsweier, Hohenwettersbach, Grünwettersbach, Palmbach und Stupferich gehören seit Januar 2021 zum Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord.

Der Rhein, eine der weltweit wichtigsten Wasserstraßen, bildet die westliche Stadtgrenze, an die sich das Land Rheinland-Pfalz anschließt. Die Innenstadt ist gemessen vom Marktplatz 7,5 km vom Fluss entfernt. Die kleinen Rheinnebenflüsse Alb und Pfinz durchfließen im Stadtgebiet vom Schwarzwald bzw. Kraichgau kommend die Ebene nordwestwärts. Die Stadt Karlsruhe wurde abseits von den Überschwemmungszonen der Flüsse auf der Niederterrasse des Oberrheins (Hochgestade) gegründet, die das Tiefgestade der Rheinauen im Westen und die den Hügeln vorgelagerte Kinzig-Murg-Rinne im Südosten und Osten um mehrere Meter überragt. In den Rheinauen liegen mehrere Rheinaltgewässer und Baggerseen wie der Knielinger See, der mit 80,5 ha Fläche größte Karlsruher See.

Der tiefste Punkt des Stadtgebiets liegt beim Ölhafen am Rhein auf , der höchste im ehemaligen Wildschweingehege außerhalb des Stadtteiles Grünwettersbach auf . Der am höchsten gelegene Karlsruher Wohnort ist der Stadtteil Palmbach. Der Marktplatz im Stadtzentrum liegt auf .

Die Gesamtfläche der Stadt beträgt 173,46 Quadratkilometer. Sie steht flächenmäßig auf Platz 30 der deutschen Großstädte (siehe hierzu: Liste der Großstädte in Deutschland). Die größte Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung beträgt 16,8 km, in Ost-West-Richtung 19,3 km.

Der 49. Breitengrad verläuft durch Karlsruhe. Die Stadt liegt damit auf der gleichen geographischen Breite wie ein Großteil der Staatsgrenze zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada und (annähernd; in West-Ost-Richtung betrachtet) die Städte Vancouver (Kanada), Paris (Frankreich), Regensburg, Prešov (Slowakei) und Hulun Buir (China).

Die Stadt ist Teil des Verdichtungsraums Karlsruhe/Pforzheim, zu dem auch einige Gemeinden des Landkreises Karlsruhe (vor allem die Großen Kreisstädte Bruchsal, Ettlingen, Stutensee und Rheinstetten), die Stadt Pforzheim, der nordwestliche Teil des Enzkreises sowie die Stadt Mühlacker und die Gemeinde Niefern-Öschelbronn im nordöstlichen Enzkreis gehören. Innerhalb der Region Mittlerer Oberrhein bildet Karlsruhe eines der 14 Oberzentren Baden-Württembergs, die nach dem Landesentwicklungsplan 2002 ausgewiesen sind. Länderübergreifend ist Karlsruhe Teil der Trinationalen Metropolregion Oberrhein. Zudem gibt es im Eurodistrikt Pamina (Palatinat, Mittlerer Oberrhein und Nord-Alsace) Verflechtungen mit Gemeinden in der Südpfalz und im Unterelsass.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Karlsruhe. Sie werden im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden, genannt:

Eggenstein-Leopoldshafen, Stutensee, Weingarten (Baden), Pfinztal, Karlsbad, Waldbronn, Ettlingen und Rheinstetten (alle Landkreis Karlsruhe) sowie auf der gegenüberliegenden Rheinseite Hagenbach und Wörth am Rhein (beide Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz)

Klima Karlsruhe ist mit einer Jahresmitteltemperatur von 11,0 Grad CelsiusTemperatur: vieljährige Mittelwerte 1981–2010. Deutscher Wetterdienst, 22. Februar 2019. eine der wärmsten Städte Deutschlands und mit einer durchschnittlichen jährlichen Sonnenscheindauer von 1805 StundenSonnenscheindauer: vieljährige Mittelwerte 1981–2010. Deutscher Wetterdienst, 22. Februar 2019. auch eine der sonnigsten. Mit 21,4 Hitzetagen und 68,0 Sommertagen pro Jahr (Durchschnitte der Referenzperiode 1981–2010) weist Karlsruhe in beiden Kategorien den jeweils höchsten Wert aller deutschen Wetterstationen aus.http://pflanzenklima.ch/klima_de_hitzetage_1981-2010.html https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/begriffe/S/Sommertage_anzahl_bild.jpg?__blob=poster&v=4 Die gemittelte jährliche Niederschlagssumme von 783 Millimetern (Referenzperiode 1981 bis 2010) liegt hingegen nah am deutschen Durchschnitt von 789 Millimetern.

Auch für die jüngere Vergleichsperiode 2006–2025 lag Karlsruhe in einem Vergleich von 80 ausgewählten deutschen Großstädten bei der mittleren täglichen Höchsttemperatur im Sommer mit 26,3 °C sowie bei den Sommertagen mit 74,5 und den heißen Tagen mit 22,6 Tagen pro Jahr jeweils an erster Stelle. Das Klima ist damit nach Cfa ein feucht-subtropisches Klima mit heißem Sommer und ganzjährigem Niederschlag.

Die geschützte Lage im Oberrheingraben hat zur Folge, dass in Karlsruhe im Sommer oft eine drückende Schwüle herrscht. Die Winter sind dagegen meist mild und oft durch den für das Rheintal typischen Hochnebel geprägt. Im langjährigen Mittel hat Karlsruhe 60,7 Frosttage und 11,1 Eistage pro Jahr.https://www.dwd.de/DE/leistungen/klimadatendeutschland/mittelwerte/frosttage_8110_fest_html.html?view=nasPublication&nn=16102 https://www.dwd.de/DE/leistungen/klimadatendeutschland/mittelwerte/eistage_8110_fest_html.html?view=nasPublication&nn=16102

Am 9. und 13. August 2003 wurde in Karlsruhe mit einer absoluten Höchsttemperatur von 40,2 Grad Celsius der damalige, seit 1983 bestehende amtliche deutsche Hitzerekord eingestellt, welcher allerdings nur bis zum Sommer 2015 Bestand hatte. Die tiefste jemals in Karlsruhe registrierte Temperatur betrug −25,4 Grad Celsius und wurde am 18. Januar 1940 gemessen.wetterdienst.de

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet von Karlsruhe ist in 27 Stadtteile unterteilt, die sich weiter in Stadtviertel, früher zum Teil auch als Stadtbezirke bezeichnet, gliedern. Die acht inneren Stadtteile sind in der folgenden Karte in Rottönen markiert, die 19 äußeren Stadtteile in Grün- und Gelbtönen. Abgesehen von Oberreut, der Waldstadt und Weiherfeld-Dammerstock, drei Neubausiedlungen des 20. Jahrhunderts, gehen die äußeren Stadtteile auf ehemals selbständige Städte und Dörfer zurück, die deutlich älter als Karlsruhe selbst sind.

mini|Der Knielinger See, ein Baggersee in den Naturschutzgebieten Burgau und Altrhein Maxau

Schutzgebiete

Im Stadtgebiet Karlsruhe bestehen folgende acht Naturschutzgebiete.Schutzgebietsstatistik der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) Damit stehen 728,74 Hektar des Stadtgebiets unter Naturschutz, das sind 4,2 Prozent.

Alter Flugplatz Karlsruhe: 69,1 Hektar Altrhein Kleiner Bodensee: 216,8 Hektar (davon 87,8 Hektar im Stadtgebiet Karlsruhe) Altrhein Maxau: 34,6 Hektar Burgau: 291,1 Hektar Erlachsee: 16,4 Hektar Fritschlach: 86,8 Hektar Kälberklamm und Hasenklamm: 21,1 Hektar (davon 0,1 Hektar im Stadtgebiet Karlsruhe) Weingartener Moor-Bruchwald Grötzingen: 255,6 Hektar (davon 142,8 Hektar im Stadtgebiet Karlsruhe)

Die 17 Landschaftsschutzgebiete in Karlsruhe nehmen etwa 5760 Hektar ein und damit ein Drittel des Stadtgebiets. Sie erstrecken sich über alle Naturräume Karlsruhes. Unmittelbar ans Schloss im Stadtzentrum schließt mit den Parkanlagen des Schlossgartens und dem nördlichen Hardtwald ein 15 km langes, bis in den benachbarten Landkreis Karlsruhe reichendes und als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesenes Waldgebiet an. Südöstlich des Hauptbahnhofs liegt mit dem Oberwald ein 583 ha großes Landschaftsschutzgebiet nahe bei der dicht besiedelten Südstadt.

Geschichte

mini|Die mittelalterliche Altstadt von Durlach mini|hochkant|Markgraf Karl Wilhelm, Gründer der Stadt Karlsruhe, Gemälde von Johann Rudolf Huber, 1710

Vor der Stadtgründung In der näheren Umgebung der erst 1715 im Hardtwald gegründeten Planstadt Karlsruhe lagen mehrere Dörfer sowie die Städte Durlach und Mühlburg. Diese inzwischen nach Karlsruhe als Stadtteile eingemeindeten Orte haben eine wesentlich längere Geschichte als die heutige Kernstadt.

In Knielingen, Rüppurr und Durlach sind Funde von Beilen und Bronzebarren aus der Bronzezeit belegt. 1911 fand man ein Gräberfeld mit zehn Bestattungen aus der jüngeren Eisenzeit.Bürgerverein Grünwinkel: Grünwinkel. Info Verlag, 2009, ISBN 978-3-88190-539-8. Am Rand einer römischen Siedlung im Stadtteil Grünwinkel wurden 1922 bis 1927 drei Ziegelöfen und ein Töpferofen freigelegt, die vermutlich vom Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. bis zum Ende des 2. Jahrhunderts betrieben wurden. Ein Gräberfeld mit 44 Bestattungen und viele weitere Spuren wie einzelne Gräber, Ziegelbrennereien oder Münzen weisen auf eine römische Besiedlung hin.

786 wurde der älteste Stadtteil Knielingen erstmals urkundlich erwähnt. Die Grafen von Hohenberg erbauten im 11. Jahrhundert die Burganlage auf dem Turmberg bei Durlach. 1094 stifteten sie das Benediktinerkloster Gottesaue, auf dessen Gelände seit dem späten 16. Jahrhundert das Schloss Gottesaue steht. Das Kloster begünstigte das Wachstum nahegelegener Siedlungen wie Mühlburg, Knielingen oder Neureut. In das Jahr 1196 fällt die erste urkundliche Erwähnung Durlachs als Stadt.