Hedwig von Haza-Radlitz, auch Hedwig Haza-Radlitz, Hedwig von Haza und Hedwig Haza, vollständiger Name Hedwig Clara Maria Angela von Haza-Radlitz,Biographische Angaben weitgehend nach P. Haas, Von Pegasus und der Nächstenliebe beflügelt usw., 2000. (* 1. September 1881 in Erwitte, getauft 6. September; † 15. September 1945 in Troisdorf), war eine Autorin von Jugendschriften und die erste Fürsorgerin in Troisdorf.

Leben Familie Hedwig war das jüngste von drei Kindern des Stephan Bernhard Johannes Franziscus Silvester von Haza-Radlitz (* 30. Dezember 1835 in Wien; † 24. Februar 1911Todesnachricht in Militär-Wochenblatt, 96. Jg., vom 15. Juni 1911, Titelblatt.) und seiner Ehefrau Wilhelmine Marianne geb. von Wangenheim (* 13. August 1848 in Kassel; † 8. September 1914).GGT d. Freih. H. 1912, S. 889; Gen. Hb. d. Adels Bd. 60, 1975, S. 222 und 224. Seit der Konversion von Stephans Vater Albert (1798–1872) war dieser Zweig der (ursprünglich protestantischen) Familie Haza ausgeprägt katholisch. So war Stephans Schwester Hedwig (* 1848; † 1872 in Paris) Ordensschwester der Congrégation de Notre-Dame, und drei seiner Brüder waren Jesuiten. Von Stephans Tochter Elisabeth ist nur bekannt, dass sie im Kloster gestorben ist.Von ihr stammt vermutlich das Krippenspiel Die Heilige Nacht (Höfling, München 1911, Bibliotheksnachweis). Stephans Sohn Albert Maria Bernhard Franz Joseph (1874–1919) studierte Jura in Berlin und MarburgVgl. Academia. Monatsschrift des C. V. der katholischen deutschen Studenten-Verbindungen. 9. Jg. 1896, S. 6, 17, 159 und 172. und übernahm etwa 1903 die Leitung des Familienguts in Lewitz (Südpreußen).

Hedwigs Vater Stephan nahm als Königlich Preußischer Hauptmann an den Kriegen von 1866 und 1870 teil; später wurde er preußischer Postdirektor: 1882 bis 1891 in Eupen und 1892 bis 1896 in Gütersloh. Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1882/83, S. 588, 2. Spalte, bis 1891, S. 660, 1. Spalte; dann für 1892, S. 562, bis 1896, S. 571, 2. Spalte. Nach seiner Pensionierung 1896 zog die Familie nach Paderborn; 1903 zogen sie in Stephans Heimat nach Lewitz.

Autorin Hedwig besuchte Schulen in Eupen und Gütersloh und anschließend die Ursulinenschule in Werl. Dort fand sie, 18-jährig, die erste Anerkennung als Schriftstellerin. Ihre Lehrerin Hedwig Dransfeld übernahm 1899 die Leitung der Heftreihe Erzählungen für Schulkinder, die der Verein katholischer deutscher Lehrerinnen herausgab;Die Leitung der Reihe ging später auf Helene Pagés über. sie nahm im selben Jahr Hedwigs Stück Die Strandhexe in die Reihe auf, wo es bis in die 1920er Jahre wiederholt neu aufgelegt wurde.

Nach dem Schulabschluss lebte Hedwig bei den Eltern; sie pflegte sie bis zum Tod des Vaters (1911) und der Mutter (1914). 1910/1911 baute sie Kontakte zu vier Verlagen auf: zu der Heimatzeitschrift Aus dem Posener Land, zu dem katholischen Junfermann in Paderborn, zu dem katholischen Benziger in Einsiedeln (Schweiz) mit seiner Reihe Sonnenschein. Illustrierte Geschichten für Kinder und ihre Freunde, und zu dem katholischen Valentin Höfling in München, in dessen Reihen Mädchenbühne und Festspiele in den nächsten Jahren viele ihrer Aufführungen, Spiele und Erzählungen erschienen.

Fürsorgerin Nach dem Tod der Mutter machte sie 1915 ein Jahr lang eine Ausbildung in der Fürsorge für gefährdete Kinder und junge Frauen beim katholischen Fürsorgeverein in Dortmund und Bonn. In der Rüstungsindustrie in und bei Troisdorf waren in der Zeit sehr viele junge Frauen beschäftigt, denen jede soziale Betreuung fehlte. Hedwig bewarb sich dort am 1. Juni 1916 um eine entsprechende Tätigkeit. Es gab Bedenken – sie war, 34-jährig, zwar nicht unangemessen jung, hatte aber bis dahin in sehr behüteten Umständen gelebt, und es schien zweifelhaft, ob sie mit der rauen Wirklichkeit der jungen Frauen zurechtkommen könnte. Sie überzeugte jedoch die entscheidenden Personen und erhielt zum selben Termin eine Anstellung beim Siegkreis. Die Finanzierung ihrer Stelle war zunächst unsicher, aber auch das Problem fand eine Lösung. Ihre Aufgaben waren umfassend und entsprachen denen eines ganzen Jugendamts. Als die fürsorgerischen Aufgaben bis gegen Kriegsende weiter wuchsen, erhielt sie Hilfe durch eine Fürsorgeschwester. Nach dem Kriegsende wurde die Rüstungsindustrie mit dem zahlreichen Personal abgebaut. Hedwigs Aufgabengebiet wurde umstrukturiert und erweitert; sie wurde beamtete Kreisfürsorgerin.

Soweit man weiß, endete Hedwigs literarische Tätigkeit 1917; sie publizierte dann nur noch zwei berufsbezogene Aufsätze. Sie hütete jedoch weiterhin Dokumente der Familiengeschichte. J. Baxa machte 1928 für seine Forschungen über den Staatstheoretiker Adam Müller (1779–1829) und seine Verbindung mit seinem Stiefsohn Albert von Haza-Radlitz (Hedwigs Großvater) eine „große Studienreise zu den Archiven von Dresden […] und einem Privatarchiv in Troisdorf“, und er dankte „Fräulein Hedwig von Haza in Troisdorf […] für gütige Einsichtgewährung in die ungedruckte Familiengeschichte Albert von Hazas“.J. Baxa: Adam Müllers Lebenszeugnisse, Band I, 1966, S. 5; Adam Müller. Ein Lebensbild […], 1930, S. VI.

Hedwig war von 1919 bis 1927 Mitglied der Zentrumspartei. Sie erhielt am 11. November 1926 (aus unbekanntem Anlass) das Erinnerungskreuz des Vaterländischen Frauen-Vereins vom Roten Kreuz. Zu ihrem 25-jährigen Dienstjubiläum 1941 erhielt sie das Treudienst-Ehrenzeichen des Öffentlichen Dienstes.

Bei einem schweren Luftangriff auf Troisdorf am 29. Dezember 1944 wurde sie zusammen mit ihrer Kollegin für Stunden unter Trümmern verschüttet; ihre Wohnung war zerstört. Ende Januar 1945 nahm sie ihren Dienst wieder auf, musste ihn aber im Mai abbrechen wegen schwerer Lungenschäden, von denen sie nicht mehr gesundete. Sie starb im September des Jahres, soeben 64 Jahre alt.

Schriften Unterhaltende Stücke (großenteils für Jugendliche) Die Strandhexe. (Reihe Erzählungen für Schulkinder. II. Serie, herausgegeben von Hedwig Dransfeld; 12. Heftchen.) Verlag des Marienheim in Boppard .Vgl. die Mitteilungen in Verzeichnis der aus der neu erschienenen Litteratur […] erworbenen Druckschriften. Berlin 1900, S. 577, und in Christlich-pädagogische Blätter […] vom 20. März 1900, S. 114. 16.–20. Tausend 1925. Das moderne Gemälde. Lustspiel in 2 Akten. Junfermann, Paderborn 1910. (Bibliotheksnachweis) Buntes Völkchen. Erzählungen, mit farbigen Bildern von M. Annen. (Reihe Sonnenschein. Geschichten für Kinder und ihre Freunde, 8. Bändchen.) Benziger, Einsiedeln 1910.Besprechung in Die Bücherwelt vom April 1911, S. 140; Werbeanzeige in Pädagogische Blätter vom 8. Dezember 1911, S. 784. 4. Aufl. 1912; 4. Tausend ca. 1920. Sommerbilder aus dem Posener Lande. In: Aus dem Posener Lande. Monatsblätter für Heimatkunde. 6. Jahrgang 1911, Heft 9, S. 423f. (Drei Gedichte; Kopie in Commons.) Poesie und Prosa, oder: Die ungleichen Schwestern und der kluge Papagei. Humoristische Szene in einem Aufzuge. (Reihe Höflings Mädchenbühne, Nr. 8.) München 1911. Fritz Blöff auf Freiersfüßen. Humoreske. In: Alte und Neue Welt. Illustriertes Katholisches Familienblatt zur Unterhaltung und Belehrung. 45. Jahrgang 1911, Heft 22, S. 878 und 880. (Kopie in Commons) Hedwigis. Schauspiel in vier Aufzügen. (Höflings Mädchenbühne, Nr. 44.) München 1912. 2. Aufl. , 3. Aufl. , 4. Aufl. 1925 (6.–7. Tausend). Im Frauenabteil 3. Klasse. Heiteres Reisebild in einem Aufzug. (Höflings Mädchenbühne, Nr. 57.) München . 2. Aufl. , 3. Aufl. , 4. Aufl. . Zigeuner kommen! Eine Aufführung für Wohltätigkeitsfeste, von Hedwig Haza-Radlitz. (Reihe Höflings Festspiele, Nr. 13.) München . Diabolo. Ein Biedermeierscherz für Wohltätigkeitsfeste, von Hedwig Haza-Radlitz. (Höflings Festspiele, Nr. 36.) München 1912. Das Fest im Grünen. Ein Festspiel zur Aufführung im Freien bei Kinderfesten, Ausflügen, Wohltätigkeitsvorstellungen usw., von Hedwig Haza-Radlitz. (Höflings Festspiele, Nr. 37.) München . Für die Hochzeit. Gedichte, Scherze, Vorträge und dramatische Szenen für Polterabende und Hochzeiten, von Hedwig Haza-Radlitz. (Höflings Festspiele, Nr. 46.) München . (Inhaltsverzeichnis) Gruß der früheren Institutszöglinge. Zum 25jährigen Ordensjubiläum einer Ordenslehrschwester (eventuell namens Maria). In: Klosterdichtungen. Gelegenheitsgedichte und Deklamationen für Klöster und klösterliche Anstalten. (Höflings Festspiele, Nr. 50.) München 1912 (Inhaltsverzeichnis), S. 43–45. (Kopie in Commons) Die modernen Jahreszeiten. Festspiel mit Gesang für Sylvester, Fastnacht oder andere Gelegenheiten. (Höflings Festspiele, Nr. 60.) München . Die jungen Rebellen. Erzählung, mit farbigen Bildern von M. Annen. (Sammlung Sonnenschein, Bändchen 12/13.) Benziger, Einsiedeln . (Inhaltsverzeichnis) Komtesse Irmas Langweile. Skizze. In: Sonnenland. Illustrierte Halbmonatschrift für gebildete Mädchen.Gegründet und redigiert von Maria Domanig. 2. Jahrgang, 1913, S. 221–223 und 236–238. (Kopie in Commons) Großvater und Enkel. Ein Bild aus dem Jahre 1813. (Höflings Festspiele, Nr. 70.) München . Der Tennisplatz. Vortrag. (Höflings Festspiele, Nr. 76.) München (Digitalisat). Zukunftsbriefchen. (Als Schluß- oder Zwischenspiel bei einem Mädchenabend oder dgl. geeignet.) (Höflings Festspiele, Nr. 91.) München (Digitalisat). Wie es Fritz erging. Dramatische Szene für Jugendbündnisse. Breer und Thiemann, Hamm . Der vornehme Besuch. Lustspiel in drei Aufzügen. (Höflings Mädchenbühne, Nr. 100.) München . Tante Callas Krönungsmantel. Lustspiel in drei Aufzügen. (Höflings Mädchenbühne, Nr. 120.) München . Die Reiche an der Himmelstür. Aufführung für Veranstaltung zum Besten von Missionen. (Höflings Festspiele, Nr. 105.) München . Im Wartezimmer des Zahnarztes. Humoristisches Gesangsstück. (Höflings Festspiele, Nr. 169.) München . Die geheilte Migräne. Heiterer Einakter. (Höflings Mädchenbühne, Nr. 187.) München . Wie kann man Neger weiß waschen? Schauspiel für Kinder, zum Besten der Negermissionen, von Hedwig Haza. (Reihe Sanct Petrus Claver-Sodalität. Kleine Schriften, Band 34.) St.-Petrus-Claver Sodalität, Salzburg 1916. (Bibliotheksnachweis) Der Empfang Ihrer Excellenz. Lustspiel in zwei Aufzügen. (Höflings Mädchenbühne, Nr. 202.) München .

Berufsbezogene Aufsätze [Die Aufgaben der Fürsorgerin 1916 bis 1924]. In: Troisdorfer Zeitung 1924. (Ausschnitte zitiert in P. Haas, Von Pegasus und der Nächstenliebe beflügelt, 2000, S. 30f.) Unser Wohlfahrtshaus. In: Die Landkrankenpflegerin. Zeitschrift im Dienste der Volksgesundheitspflege. Band 3, 1929, S. 30–32.Das Wohlfahrtshaus wurde 1928 errichtet und 1943 an die Rüstungsindustrie verkauft. (Troisdorfer Jahreshefte, Ausgabe Nr. 50, Jahrgang 2020 (PDF), S. 180 und 181.) (Kopie in Commons)

Literatur zeitlich geordnet Gothaisches Genealogischen Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1912. 62. Jahrgang, Perthes, Gotha . (S. 888f.: Wangenheim) Wilhelm Kosch: Das Katholische Deutschland. Biographisch-bibliographisches Lexikon. 1. Band. Augsburg 1933. (Haza-Radlitz, Hedwig von: Spalte 1424). Genealogisches Handbuch der adeligen Häuser. Adelige Häuser A Band XIII. 1975. (Reihe Genealogisches Handbuch des Adels, Band 60.) C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn . (S. 219–227: Haza-Radlitz) Peter Haas: Von Pegasus und der Nächstenliebe beflügelt. Hedwig von Haza-Radlitz, Troisdorfs erste Fürsorgerin. In: Troisdorfer Jahreshefte Jahrgang 30, Sonderheft 2000 (PDF), S. 28–32. KK: Haza-Radlitz, Hedwig von. In: Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Biographisch-bibliographisches Handbuch. 15. Band. de Gruyter, o. O. o. J. , ISBN 978-3-11-023161-8, Spalte 282. Cindy Patey Brewer: “Wie kann man Neger weiß waschen?” Representations of the black child in German missionary literature for youth and children, 1900–1920. In: Imagining Blackness in Germany and Austria. Eds. Charlotte Szilagyi, Sabrina Rahman, Michael Saman. Cambridge Scholars Publ., Newcastle upon Tyne 2012. ISBN 978-1-4438-4399-7, S. 59–88.