Franz-Josef Schmit (* 1954) ist ein deutscher ehemaliger Gymnasiallehrer, Lokalhistoriker und Sachbuchautor aus Wittlich. Seine Veröffentlichungen befassen sich vor allem mit der Geschichte des Nationalsozialismus in Wittlich und der Region sowie mit der Geschichte der jüdischen Bevölkerung der Stadt.
Leben Schmit wurde 1954 geboren. Er war Lehrer für Deutsch und Ethik am Cusanus-Gymnasium Wittlich. Im Kurtrierischen Jahrbuch wurde er 2021 als Oberstudienrat geführt. Das Cusanus-Gymnasium bezeichnete ihn 2022 als ehemaligen Lehrer für Deutsch und Ethik. Im selben Jahr wurde er im Trierischen Volksfreund als pensionierter Gymnasiallehrer bezeichnet.
Schmit ist Mitarbeiter des Arbeitskreises „Jüdische Gemeinde Wittlich“. Im Rahmen dieser Tätigkeit nahm er Kontakt zu ehemaligen jüdischen Einwohnern Wittlichs auf. Die Kontakte waren auch für die Vorbereitung eines Besuchs ehemaliger, während der nationalsozialistischen Herrschaft vertriebener Einwohner in Wittlich im Mai 1991 von Bedeutung.
Gemeinsam mit Marianne Bühler vertrat Schmit den Arbeitskreis in einer Projektgruppe, die die Dauerausstellung „Jüdisches Leben in Wittlich“ in der ehemaligen Wittlicher Synagoge neu konzipierte. Die Ausstellung wurde am 20. November 2022 eröffnet.
Werk Schmits lokalhistorische Arbeiten behandeln insbesondere die nationalsozialistische Herrschaft und deren Nachgeschichte in Wittlich, die Geschichte der jüdischen Gemeinde sowie Biografien von Verfolgten, jüdischen Einwohnern und Personen der regionalen Zeitgeschichte. Weitere Veröffentlichungen befassen sich mit der Geschichte des Cusanus-Gymnasiums und anderer Wittlicher Bildungseinrichtungen sowie mit der NS-Militärjustiz.
Mehrere seiner Untersuchungen erschienen im Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. Dazu gehören Arbeiten über die Hinrichtung zweier Deserteure und die NS-Militärjustiz, über die Wittlicher Ursulinenschule während des Nationalsozialismus und über die Integration der jüdischen Bevölkerung Wittlichs während der Weimarer Republik.
Neben seinen Veröffentlichungen zur Wittlicher Geschichte verfasste Schmit biografische Arbeiten. Auf dem Portal regionalgeschichte.net erschien seine Biografie der Politikerin Maria Reese. Weitere Arbeiten befassen sich unter anderem mit Lothar Hermann, Erich Glückauf, Georg Meistermann, Walther J. Habscheid und dem später als Kriegsverbrecher verurteilten Wehrmachtsgeneral Friedrich-Wilhelm Müller.
Rezeption Kurt Schilde besprach Schmits Buch Novemberpogrom in Wittlich 1938 2014 im Bulletin Einsicht des Fritz Bauer Instituts. Er ordnete die Untersuchung als lokalhistorische Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ein. Schilde hob hervor, dass Schmit den Ablauf des Pogroms, dessen Folgen für die jüdische Bevölkerung, die Haupttäter und die spätere juristische Aufarbeitung untersuchte. Zudem verwies er auf Schmits kritische Prüfung von Zeugenaussagen und seine Auseinandersetzung mit einer lokalen Überlieferung zur Rolle des damaligen Bürgermeisters.
Marek Fritzen besprach 2022 im Trierischen Volksfreund Schmits Buch „Nichts gehört der Vergangenheit an ...“. Er verwies auf die umfangreiche Quellenarbeit des Autors und auf die Verbindung von Biografien nationalsozialistischer Funktionsträger mit der Geschichte von Verfolgten und Opfern sowie mit der Nachgeschichte des Nationalsozialismus in Wittlich.
Schriften
Monografien Joseph Feiner – ein jüdischer Lehrer aus Wittlich. Stationen eines bewegten Lehrerlebens. Paulinus, Trier 2011, ISBN 978-3-7902-1379-9. Novemberpogrom in Wittlich 1938. Ablauf – Hintergründe – offene Fragen – juristische Aufarbeitung. Trier-Verlag, Butzweiler 2013, ISBN 978-3-943533-04-0. Vertriebene sind wir, Verbannte. Portraits fünf deutsch-jüdischer Juristen aus Wittlich. Paulinus, Trier 2015, ISBN 978-3-7902-1903-6. Spätes Erinnern. Ein Lesebuch zu Verfolgten und Opfern der NS-Diktatur aus Wittlich und Umgebung. Kulturamt der Stadt Wittlich, Wittlich 2016, ISBN 978-3-945454-06-0. „Nichts gehört der Vergangenheit an ...“. Beiträge zum Nationalsozialismus in Wittlich. Rhein-Mosel-Verlag, Zell/Mosel 2022, ISBN 978-3-89801-387-1.
Aufsätze und weitere Veröffentlichungen in Auswahl Radikalisierung der Schülerschaft 1931–1934 am Beispiel der Cusanus-Schule Wittlich und Versuche der Gegenwehr. Studienrat Johannes Berling zur Erinnerung. 2011. Harro Dagobert Reese als Opfer der NS-Wehrmachtsjustiz. Eine biografische Erinnerung. In: Kurtrierisches Jahrbuch. 2013, S. 333–358. Ein Fall von Tausenden – die Hinrichtung zweier Deserteure kurz vor Kriegsende im Westerwald. Anmerkungen zu einem Verbrechen der „Endphase“ und der NS-Militärjustiz im Zweiten Weltkrieg. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. Band 40, 2014, S. 319–364. Wittlichs erster Standortkommandant. General Friedrich Wilhelm Müller als Divisionschef und Kommandant der „Festung Kreta“ und seine Verantwortung für Kriegsverbrechen der Wehrmacht im besetzten Griechenland 1941–1944. Wittlich 2015. Zur Geschichte der ersten Wittlicher Ursulinenschule 1932 bis zur Schließung 1937 in Folge des NS-Kirchenkampfes und der Schulreform im „Dritten Reich“. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. Band 41, 2015, S. 465–508. Die Integration der Juden in die Gesellschaft der Kleinstadt Wittlich in der Weimarer Republik. Eine kritische Nachfrage aus heutiger Sicht. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. Band 42, 2016, S. 265–321.
Weblinks
Veröffentlichungen von Franz-Josef Schmit in der Rheinland-Pfälzischen Bibliographie
Einzelnachweise
Kategorie:Sachbuchautor Kategorie:NS-Forscher Kategorie:Heimatforscher (Rheinland-Pfalz) Kategorie:Person (Aufarbeitung des Holocaust) Kategorie:Gymnasiallehrer (Deutschland) Kategorie:Person (Wittlich) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1954 Kategorie:Mann