Hans-Joachim Berthold Wiss (* 22. Oktober 1903 in Eibenstock, Sachsen, Deutsches Reich; † 29. Mai 1991 auf der Farm Otjiseva bei Windhoek, Namibia) war ein deutscher bzw. namibischer Landwirt, Naturforscher und Botaniker.

Leben Wiss wurde in Eibenstock im Erzgebirge geboren. 1918 legte er das Abitur ab und trat anschließend dem Zeitfreiwilligenregiment Leipzig bei, einem paramilitärischen Freikorps-Verband, wo er an bewaffneten Kämpfen gegen die Spartakisten teilnahm. Danach absolvierte er eine vierjährige landwirtschaftliche Ausbildung in Oschatz und Hildesheim, die er mit einem Diplom abschloss.

Im Januar 1926 kam Wiss an Bord der Ussukuma nach Südwestafrika, wo er auf den Farmen Ongeama, Okaparakha und Frauenstein bei Lossen zunächst als Gutsverwalter arbeitete. 1927 erwarb er die Farm Otjiseva bei Windhoek. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Wiss 1940 im Lager Andalusia interniert.

Während seiner Internierung befasste sich Wiss mit Botanik und belegte Kurse in Botanik, Chemie und Geologie an der „Lageruniversität“, wo er andere deutschstämmige Wissenschaftler kennenlernte. Nach seiner Entlassung setzte er seine naturkundlichen und botanischen Arbeiten fort.

Wissenschaftliche Tätigkeit Wiss war ab 1950 Mitglied der South West Africa Scientific Society. 1955 wurde er in den Vorstand gewählt, wo er bis 1974 diente. Von 1960 bis 1961 war er Vorsitzender der Gesellschaft. 1960 gründete er gemeinsam mit Johan Wilhelm Heinrich Giess deren „Botanische Arbeitsgruppe“, die er bis zu seinem Tod im Jahr 1991 leitete. Aufgrund seiner Verdienste wurde er zum Senator gewählt.

Ab 1973 erschienen seine Botanischen Mitteilungen. Er veröffentlichte zudem eine Reihe botanischer Beiträge mit Strichzeichnungen in der Mitteilungszeitschrift der Gesellschaft.

Seine botanischen Sammlungen umfassten etwa 3000 Herbarbelege,Hugh F. Glen, Gerrit Germishuizen (Hrsg.): Botanical exploration of southern Africa. 2. Aufl., Strelitzia 26, South African National Biodiversity Institute, Pretoria 2010, ISBN 978-1-919976-54-9, S. 463. (auf biodiversitylibrary.org) überwiegend aus Namibia, darunter rund 450 Belege aus KwaZulu-Natal. Belege befinden sich im National Herbarium of Namibia in Windhoek, im South African National Herbarium in Pretoria und in der Botanischen Staatssammlung München. Weitere Belege befanden sich in einer Privatsammlung auf Otjiseva bei Windhoek.

Familie und Tod Während der Überfahrt nach Südwestafrika im Jahr 1926 lernte er seine spätere Ehefrau Irene Külbel kennen, die 1969 starb. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. 1971 heiratete er in zweiter Ehe Irmela Kräusel. Hans-Joachim Wiss starb am 29. Mai 1991 auf der Farm Otjiseva.

Dedikationsnamen Nach Hans-Joachim Wiss wurden folgende Taxa benannt:

Plumbago wissii Mentha wissii Solenoxylon wissii

Einzelnachweise

Kategorie:Botaniker (20. Jahrhundert) Kategorie:Landwirt Kategorie:Naturforscher Kategorie:Deutscher Emigrant in Namibia Kategorie:Deutscher Kategorie:Namibier Kategorie:Geboren 1903 Kategorie:Gestorben 1991 Kategorie:Mann