10+1tet (Knoxville) 2016 ist ein Musikalbum von Anthony Braxton. Die am 1. April 2016 beim Big Ears Festival in Knoxville, Tennessee entstandenen Aufnahmen erschienen am 17. Dezember 2016 auf dem Eigenlabel Braxton Bootleg.
Hintergrund Ende März 2016 kam Anthony Braxton zum Big Ears Festival in Knoxville. Dort trat er zweimal mit Freunden, Kollegen und ehemaligen Schülern auf, am ersten Tag mit einem elfköpfigen Ensemble, am folgenden Tag mit einem Trio (dokumentiert auf Trio (Knoxville) 2016). Beide einstündigen Aufführungen wurden 2021 auf dem Label Braxton Bootleg als Veröffentlichung der Tri-Centric Foundation herausgebracht.
Die Besetzung des großen Ensembles bestand aus Braxton am Alt-, Sopran- und Sopraninosaxophon, Taylor Ho Bynum am Kornett, Flügelhorn und Trompete, Nate Wooley an der Trompete, Vincent Chancey am Horn, James Fei am Alt-, Sopraninosaxophon und an der Klarinette, Ingrid Laubrock am Tenor- und Sopransaxophon, Mary Halvorson an der Akustikgitarre, Brandon Seabrook an der E-Gitarre, Tomeka Reid am Cello, Carl Testa am Bass und Tim Feeney am Schlagzeug.
Titelliste Anthony Braxton: 10+1tet (Knoxville) 2016 (Braxton Bootleg – BL040) Composition No. 403 (+206, 266, 355) 52:05
Die Komposition stammt von Anthony Braxton.
Rezeption Mit dieser [Groß]-Besetzung konnte Braxton sein musikalisches System voll ausreizen, meint Mike Borella (Avant Music News), und mit dieser großen Gruppe habe Braxton Kompositionen und strukturierte Improvisationen für alle Musiker präsentieren gekonnt. Er teilte sie aber auch in verschiedene Einheiten von zwei, drei und vier Musikern auf und schickte jede dieser Einheiten gleichzeitig in ihre eigene Richtung. Das Ergebnis, das in vielen von Braxtons neueren Werken wiederzufinden ist, würde sich irgendwo zwischen Orchestermusik und Free Jazz bewegen, wobei die Untergruppen mal synchron, mal asynchron agierten. Braxton habe all dies mithilfe eines ausgeklügelten Systems von Handzeichen und Noten gesteuert. Jede Untergruppe kommunizierte auch untereinander mit ähnlichen Handzeichen, was innerhalb der Struktur ein gewisses Maß an Autonomie ermöglichte. Dies habe der Aufführung eine einzigartige visuelle Komponente verliehen.
„Live erlebten die Zuhörer eine dichte, wogende Wand aus Braxtonscher Kammermusik, die sich ständig wandelte und mit so vielen Linien und Ideen aufwartete, dass man sie in Echtzeit kaum erfassen konnte“; dennoch sei es ein berauschendes Erlebnis gewesen, so Borella. Die Aufnahme verliere etwas von dieser Präsenz und Dringlichkeit, ist aber dennoch ein bemerkenswertes Beispiel für Braxtons Schaffen. Er sei ein Genre für sich. Diese beiden Aufnahmen zeigten die beiden Seiten der „Braxton-Medaille“ – großes und kleines Ensemble. Letztendlich seien beide sehr empfehlenswert, da ihre jeweils ganz unterschiedliche Nutzung von Raum und Freiheit dazu beitragen, den Kontext für die andere Seite zu schaffen.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Album (Neue Improvisationsmusik) Kategorie:Album 2016 Kategorie:Livealbum Kategorie:Anthony-Braxton-Album