mini|Giovanni Battista Betti nach Ignazio Hugford: Porträt des Vincenzo Dandini, Kupferstich, 1769–1775, aus der Serie degli uomini i più illustri nella pittura, scultura, e architettura Vincenzo Dandini (* 17. März 1609 in Florenz; † 1675 ebenda, begraben am 22. April 1675 in Santa Maria Novella) war ein italienischer Maler des Barockzeitalters.
Leben Vincenzo Dandini war der Bruder des Malers Cesare Dandini und der Onkel des Malers Pietro Dandini. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1618 war er zunächst Schüler seines älteren Bruders Cesare, bis dieser nach Rom ging. Anschließend arbeitete er in den Werkstätten von Domenico Cresti, genannt il Passignano, sowie von Matteo Rosselli und Andrea Commodi. 1631 wurde er an der Accademia del Disegno in Florenz immatrikuliert. 1635/36 hielt er sich in Rom bei Pietro Berrettini da Cortona auf. Aus dieser Zeit haben sich Zeichnungen nach antiken Vorbildern erhalten. Sie befinden sich heute unter anderem in der ehemaligen Sammlung von Julius Held in den USA, im Art Institute of Chicago und im Gabinetto Nazionale delle Stampe in Rom. Bei einem Wettbewerb der Accademia di San Luca beteiligte er sich mit einer Darstellung der Sintflut. Dieses Werk war im 18. Jahrhundert Teil der Sammlung von Philipp von Stosch und gilt heute als verschollen.
Spätestens im April 1637 kehrte Vincenzo Dandini nach Florenz zurück, wo er eine eigene Werkstatt gründete, die bis zu dem Tod seines Neffen Ottaviano Dandini im Jahr 1740 von Familienmitgliedern weitergeführt wurde. Trotz der Loslösung von seinem Bruder Cesare blieb ein enger künstlerischer Kontakt bestehen, der sich in gegenseitiger stilistischer Beeinflussung sowie in Gemälden für dieselben Auftraggeber niederschlug – teilweise wurden diese als Pendants konzipiert. In Florenz arbeitete Dandini zunächst für die Großherzogin Vittoria della Rovere. Für sie entstand das Gemälde Aurora und die Horen (verloren, Vorzeichnung in den Uffizien, Gabinetto Disegni e Stampe, Nr. 1190 F). Ebenso wie Cesare war er für Lorenzo de’ Medici tätig. Für dessen Villa La Petraia in Castello schuf er 1637/38 die Werke Die Verehrung der Niobe und Merkur, Venus und Cupido (heute in den Depositi delle Gallerie in Florenz).mini|Vincenzo Dandini: Jerobeam und der Prophet Ahija, 1645, Öl auf Leinwand. Seminario Arcivescovile, FlorenzNach dem Tod Cesares im Jahr 1657 vollendete Vincenzo einige der unfertig gebliebenen Gemälde seines Bruders. Dies verschärfte die ohnehin schwierige Zuschreibungsproblematik zwischen den beiden Künstlern zusätzlich. Zwischen 1660 und 1671 führte Dandini ein Tagebuch, das als Manuskript in der Biblioteca Nazionale in Florenz erhalten ist. Für das Jahr 1663 wird berichtet, er habe sich im Besitz der Kutte Girolamo Savonarolas befunden und sei deshalb vor der Inquisition vernommen worden. Unabhängig von der Historizität dieser Überlieferung zeigte sich Dandini von den Ideen Savonarolas beeindruckt, was sich in Werken mit ausgeprägter religiöser Thematik niederschlug. Von 1662 bis 1664 arbeitete er für die Medici-Teppichmanufaktur und lieferte Kartons mit Darstellungen des Großherzogs Cosimo I. de’ Medici sowie Die Verteidigung der Gesetze durch Moses (beide im Magazzino degli Arazzi im Palazzo Pitti) und einen inzwischen verschollenen Jungen Jupiter mit Amalthea und einer weiblichen Figur. In den 1660er und frühen 1670er Jahren waren seine religiösen Gemälde stark nachgefragt. Zu seinen Schülern zählten sein Neffe Pietro Dandini, Anton Domenico Gabbiani und Filippo Maria Galletti. Die enge stilistische Verflechtung mit Cesare Dandini, von der er sich während seines Romaufenthalts löste, um anschließend den Bruder seinerseits mit römischen Stilelementen zu beeinflussen, führte in der kunsthistorischen Forschung zu zahlreichen fehlerhaften Zuschreibungen. Erst die Wiederentdeckung der von Giovanni Targioni Tozzetti, dem Schwiegersohn Ottaviano Dandinis, verfassten Dandini-Biografie trug wesentlich zur Klärung bei. Hinzu kommt ein Brief von Ottaviano Targioni Tozzetti, dem Sohn Giovannis, aus dem Jahr 1788, in dem er dem Großherzog der Toskana, Peter Leopold von Lothringen, ein Konvolut von 5000 Zeichnungen der Familie Dandini anbot, ergänzt um rund 200 Zeichnungen weiterer bekannter italienischer Künstler des 16./17. Jahrhunderts sowie zahlreiche Gemälde des 13.–15. Jahrhunderts. Die Ablehnung dieses Angebots führte zur Auflösung der Sammlung. Teile davon befinden sich heute unter anderem in Florenz (Uffizien, Gabinetto Disegni e Stampe, Biblioteca Marucelliana), Rom (Gabinetto Nazionale delle Stampe), London (British Museum, Courtauld Institute of Art), Paris (Louvre) und Berlin (Staatsbibliothek zu Berlin) sowie in zahlreichen Privatsammlungen. Die dort aufgefundenen Zeichnungen dienen bis heute der Richtigstellung von Zuschreibungen und der Dokumentation nicht erhaltener Gemälde. Die Signatur V.D.v. stammt vermutlich von Giovanni Targioni Tozzetti oder von Ignazio Hugford, der die Zeichnungen sammlerisch schätzte.
Werke (Auswahl) mini|Vincenzo Dandini: Porträt eines Mannes mit einem Totenschädel, um 1630, Öl auf Leinwand, 91,5 × 73,5 cm. Musée de la Chartreuse, DouaiArezzo, S. Maria in Gradi: Santi Carlo Borromeo e Andrea Zoerandro, 1657, signiert und datiert (Vorzeichnungen im British Museum, London). Colle Val d’Elsa, Dom: Anbetung der Heiligen Drei Könige, um 1674 Florenz, Seminario Maggiore: Kreuztragung Christi, nach 1645; Saul und David Florenz, Ognissanti: Die Heiligen Bernhardin von Siena, Johannes von Capestrano u. a., 1667; Der heilige Petrus von Alcantara empfängt von Christus die heilige Kommunion im Beisein der heiligen Teresa von Ávila, 1670 (1988 wiederaufgefunden; Vorzeichnung in den Uffizien, Gabinetto Disegni e Stampe, Nr. 2780 S); Unbefleckte Empfängnis, 1671 Florenz, S. Giorgio alla Costa: Judith und David, beide 1674 Florenz, S. Felicità: Die selige Berta erhält die Order, das Kloster von Caviglia zu reformieren, 1671 (Vorzeichnungen, ehemals bei Sotheby’s, London) Florenz, S. Margherita a Montici: Martyrium der heiligen Margherita, um 1665 Florenz, Galleria Corsini: Bacchantin, um 1650 (Pendant zu Artemisia Dandinis Cesare); Lucrezia Corsini Gandino, S. Maria Assunta: Gürtelspende mit Heiligen Prato, Cassa di Risparmio: Ganymed, um 1645 Prato, S. Francesco a Palco: Verherrlichung des heiligen Bernhardin von Siena über der Stadt Prato, um 1670 Prato, S. Domenico: Der heilige Hyazinth von Polen vertreibt den Dämon, um 1664 Prato, Palazzo Comunale: Porträt Cosimos III. Signa, S. Mauro: Martyrium des heiligen Sebastian, um 1645
Verschiedene Werke gelten als verschollen, darunter Aurora und die Horen für Vittoria della Rovere sowie der Karton Junger Jupiter mit Amalthea und einer weiblichen Figur für die Medici-Teppichmanufaktur.
Literatur Filippo Baldinucci: Notizie dei professori del disegno da Cimabue in qua. Band IV, Florenz 1846, S. 550, 558, 562. Giuseppe Richa: Notizie istoriche delle chiese fiorentine. Florenz 1754–1762, Bände II–IV, IX.
Sandro Bellesi: Una vita inedita di Vincenzo Dandini e appunti su Anton Domenico Gabbiani, Giovan Battista Marmi, Filippo Maria Galletti e altri (I). In: Paragone. XXXIX, 1988, Nr. 459–463, S. 97–123. Sandro Bellesi: Una vita inedita di Vincenzo Dandini e appunti su Anton Domenico Gabbiani, Giovan Battista Marmi, Filippo Maria Galletti e altri (II). In: Paragone. XXXIX, 1988, Nr. 465, S. 79–96. Sandro Bellesi: Aspetti dell'attività grafica di Vincenzo Dandini. In: Antichità viva. XXXVI, 1997, Nr. 2–3, S. 60–81. Il Seicento fiorentino. Arte a Firenze da Ferdinando I a Cosimo III. Ausstellungskatalog, Florenz 1986. Mina Gregori, Erich Schleier (Hrsg.): La pittura in Italia. Il Seicento. 2 Bände, Mailand, Electa, 1989. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 4: Cossintino – Dyck. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009.
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