Frida Wattenberg (geboren 7. April 1924 im 12. Arrondissement, Paris; gestorben 3. April 2020 ebenda) war eine jüdische französische Widerstandskämpferin im Zweiten Weltkrieg.

Leben Wattenberg war die Tochter von Hersch Smiétanski (1899–1943) und Alta Wattenberg, nach Paris ausgewanderte polnische Juden aus Błaszki in der Woiwodschaft Łódź. Der Vater wurde vor ihrer Geburt aus Frankreich ausgewiesen, ohne dass er seine Tochter anerkennen konnte. Er kehrte später nach Frankreich zurück. Das Ehepaar bekam ein weiteres Kind, bevor die Ehe geschieden wurde. Wattenberg hatte aus der zweiten Ehe des Vaters mit Frajdla Borenstein zwei Halbgeschwister, Charles und Marie Smiétanski, die sie aber erst 2018 persönlich kennenlernte. Hersch Smiétanski wurde am 9. Februar 1943 mit dem Convoi 46 vom Sammellager Drancy nach Auschwitz deportiert, wo er noch 1943 starb.Eintrag „Herz Smietanski“ in der Datenbank Arolsen Concentration Camp Lists, 1939-1944, List Material on Drancy Assembly Camp.

Sie wuchs im jüdischen Viertel Marais in Paris auf und schloss sich Ende der 1930er Jahre der Bewegung Hashomer Hatzair an. Schon zu Beginn der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg 1940, im Alter von 16 Jahren, schloss sie sich der der gaullistischen Untergrundzelle des Lycée Victor-Hugo an und klebte Plakate, auf denen sie Jugendliche zur Teilname an der ersten Demonstration von Studierenden gegen die Besatzer am 11. November 1940 aufrief.

1941 trat sie dem Œuvre de secours aux enfants (OSE) bei. Sie leitete eine OSE-Einrichtung für Freizeitaktivitäten von Kindern, damit diese nicht im Freien spielten, wo sie der Gefahr ausgesetzt waren, von den Deutschen verhaftet zu werden. Zusammen mit Joseph Migneret, dem Leiter der École élémentaire des Hospitalières-Saint-Gervais, fälschte sie Dokumente für zahlreiche jüdische Kinder.

Ihre Mutter wurde im Rahmen der Rafle du Vélodrome d’Hiver verhaftet und im Sammellager Drancy interniert. Wattenberg gelang es, ihre Freilassung zu erwirken, indem sie Dokumente vorlegte, nach denen die Mutter in einer Werkstatt arbeitete, die Kleidung für die deutsche Armee herstellte.

Als sie selbst drohte verhaftet zu werden, floh sie in die italienische Zone. Sie schloss sich dem Mouvement de la jeunesse sioniste (MJS) und einer von Tony Gryn geführten Gruppe von etwa zehn Personen in Gurs an, in der auch Mila und Sacha Racine, Maurice Maidenberg, Roland Epstein und Rolande Birgy, eine Sozialarbeiterin vom Reseau Garel, waren.

Aufgrund ihres „nichtjüdischen Aussehens“ wurde sie mit gefährlichen Missionen betraut, wie beispielsweise der Führung von Kindergruppen nach Annemasse und von dort über die Grenze in die Schweiz. Wattenberg zog nach Grenoble. Sie wurde von der MJS auf Missionen geschickt, um in den Départements Savoie und Isère „echte gefälschte“ Dokumente zu beschaffen. Diese Dokumente wirkten echt, da sie die Siegel der Gemeinden trugen und die gefälschten Namen der Juden in den Gemeindeverzeichnissen aufgeführt waren. Diese Missionen waren äußerst gefährlich, da man im Voraus unmöglich wissen konnte, ob die Gemeindebeamten mit der Gestapo oder dem Vichy-Regime kollaborierten.

Wattenberg war zudem an Geldtransfermissionen beteiligt. Nachdem eine derartige Mission, an der sie nicht beteiligt war, aufgeflogen war, wurde sie als Vorsichtsmaßnahme nach Toulouse verlegt, wo sie im Rahmen der dortigen Armée Juive (AJ) weiterarbeitete. Sie sammelte Kleidung und Schuhe für die Flucht nach Spanien über die Pyrenäen. Sie versorgte Zwangsarbeiter am U-Boot-Bunker Bordeaux mit Lebensmitteln. Erneut im Visier der Gestapo wurde sie ins Département Haute-Garonne geschickt, um weiter Juden auf der Flucht zu helfen. Während der Kämpfe um die Befreiung Frankreichs wurde sie nach Clermont-Ferrand entsandt, um Akten der Union générale des israélites de France zu sichern, die Massenverhaftungen und Deportationen von Juden in die Vernichtungslager unter dem Vichy-Regime belegten.

Nach der Befreiung suchte sie im Auftrag der Armée Juive nach jüdischen Kindern, die von Christen versteckt worden waren, um sie in die Waisenhäuser des von der AJ gegründeten Œuvre de Protection des Enfants Juifs (OPEJ) zu bringen. 1947 wanderte Wattenberg in das noch unter britischem Mandat stehende Palästina aus und schloss sich dem Kampf für die Gründung des Staates Israel an. 1951 kehrte sie nach Frankreich zurück.

Sie engagierte sich aktiv für das Gedenken an den Holocaust an den französischen Juden sowie an den jüdischen Widerstand in Frankreich. Sie wurde sehr bekannt und häufig von den Medien interviewt. Wattenberg war Ritterin des Ordre national du Mérite, Ritterin der Ehrenlegion, anerkannte Freiwillige der Résistance und anerkannte Kriegsveteranin sowie Mitglied der Association des anciens de la résistance juive (ARJF) und von Mémoire juive de Paris. Im September 2019 wurde ihr vom B’nai Brith World Center in Jerusalem und dem Komitee zur Anerkennung der Juden, die im Holocaust Juden gerettet haben, die Auszeichnung „Jüdische Retterin“ verliehen.

Sie starb 2020 im Alter von 95 Jahren an COVID-19.

Weblinks Erinnerungen von Frida Wattenberg, Aufnahme anlässlich der Ausstellung Après la Shoah. Rescapés, réfugiés, survivants. 1944-1947, 27. Januar bis zum 30. Oktober 2016, Mémorial de la Shoah. Erinnerungen von Frida Wattenberg, Aufnahme im Rahmen der Mémoires de la Shoah, Institut national de l’audiovisuel, 2. Juli 2005.

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