mini|300x300px|Das Omotemon (Vordertor) des Nikkō Tōshō-gū ist baulich als Hakkyakumon (Achtbeintor) ausgeführt. Mon () ist ein allgemeiner japanischer Begriff für ein Tor, der sowohl eigenständig als auch als Suffix verwendet wird, um die zahlreichen Tore an buddhistischen Tempeln, Shintō-Schreinen sowie traditionellen Gebäuden und Burgen zu bezeichnen.
Bedeutung Anders als die Tore säkularer Gebäude sind die meisten Tempel- und Schrein-Tore rein symbolische Elemente der Liminalität, da sie nicht vollständig geschlossen werden können und lediglich den Übergang zwischen der profanen und der sakralen Sphäre markieren. In vielen Fällen, beispielsweise beim Sanmon, werden Tempeltoren zudem reinigende und läuternde Eigenschaften zugeschrieben.
Beschreibung Die Größe von Toren wird in Ken angegeben, wobei ein Ken dem Abstand zwischen zwei Pfeilern eines Gebäudes im traditionellen Baustil entspricht. Ein Sanmon eines Tempels kann beispielsweise Abmessungen von maximal 5 × 2 Ken (1. Rang) aufweisen; häufiger sind 3 × 2 Ken (2. Rang), während auch Tore mit nur einem Ken (3. Rang) vorkommen. Der Begriff ist eher als Angabe von Proportionen als eine Maßeinheit zu verstehen.
Wie die Tempel, zu denen sie gehören, können auch Tore im Stile des Wayō, Daibutsuyō, Zen'yō oder Setchūyō errichtet sein.
Sie können benannt sein nach:
ihrem Standort, etwa als Chūmon (), Omotemon () oder Karametemon (); der in ihnen verehrten Gottheit, etwa als Niōmon (), in dessen äußeren Torfeldern (Sanrō) zwei als Niō bezeichnete Gottheiten aufgestellt sind; ihrer Bauweise oder Form, etwa als Nijūmon () oder Rōmon (); ihrer Funktion, etwa als Sanmon (), dem wichtigsten Tor eines Zen- oder Jōdo-Tempels.
Nicht alle diese Bezeichnungen schließen sich gegenseitig aus; dasselbe Tor kann je nach Zusammenhang mit unterschiedlichen Bezeichnungen benannt werden. So kann beispielsweise ein Niōmon auch als Nijūmon bezeichnet werden, wenn es über zwei Geschosse verfügt. In der Regel wird das Suffix „-mon“ zur Bezeichnung eines Tores verwendet.
Variationen mini|Ein rotes Torii am Eingang des Tsurugaoka Hachimangū Strukturell deutlich von den anderen Torformen unterscheidet sich das Torii (auch Torii-mon genannt), ein zweibeiniges Tor aus Stein oder Holz, das typischerweise mit dem Shintō in Verbindung gebracht wird, aber auch in buddhistischen Tempelanlagen häufig vorkommt. Der Shitennō-ji in Osaka, der 593 von Shōtoku Taishi gegründet wurde und als ältester staatlich errichteter buddhistischer Tempel Japans gilt, besitzt beispielsweise ein Torii an einem seiner Eingänge. Die Ursprünge des Torii sind unbekannt; obwohl verschiedene Theorien hierzu existieren, konnte sich keine allgemein anerkennen lassen. Da symbolische Tore in weiten Teilen Asiens verbreitet sind – entsprechende Bauwerke finden sich beispielsweise in Indien, China, Vietnam, Thailand, Korea sowie in Dörfern der Nikobaresen und Shompen –, vermuten Historiker, dass es sich um eine übernommene Tradition handeln könnte. Ein Torii kennzeichnet meist symbolisch den Eingang zu einem Shintō-Schrein und wird aus diesem Grund niemals geschlossen.
Häufige Typen
Ōtemon () bezeichnet das Haupttor bzw. den Haupteingang einer japanischen Burganlage. Es befindet sich an der als Ōte () bezeichneten Seite der Burg und bildet den wichtigsten Zugang zur Burg. Hakkyakumon oder Yatsuashimon () – so genannt wegen seiner acht Nebenpfeiler, die vier unter dem First des Tores stehende Hauptpfeiler stützen. Es verfügt somit insgesamt über zwölf Pfeiler. Heijūmon () – ein Tor in einer Mauer, das lediglich aus zwei quadratischen Pfeilern besteht. Kabukimon () – ein dachloses Tor in einer Mauer, das aus zwei quadratischen Pfeilern und einem kräftigen waagerechten Querbalken besteht. Karamon () – ein Tor, das durch ein Karahafu gekennzeichnet ist, einen für Japan charakteristischen geschwungenen Ortgang. Karamon finden sich an japanischen Burgen, buddhistischen Tempeln und Shintō-Schreinen. Der Begriff Karamon bezeichnet verschiedene Torformen mit solchen geschwungenen Ortgängen, darunter das Hirakaramon und das Mukaikaramon. Kōraimon () – ein bei Burgen, Tempeln und Residenzen von Daimyō verwendeter Torbau. Er besteht aus einem mit Ziegeln gedeckten Satteldach, das von zwei Pfeilern getragen wird, sowie zwei kleineren Dächern über den Nebenpfeilern () an der Rückseite des Tores. Masugata () – eine Verteidigungsanlage an einem Burgeingang, die aus einem von Mauern oder Toren umschlossenen Hof mit zwei rechtwinklig zueinander angeordneten Toren besteht. Die Tore bilden einen abgewinkelten Zugang zur Burg und verhindern einen direkten Zugang. Das äußere Tor ist typischerweise ein Kōraimon, das innere ein Yaguramon. Das Sakuradamon am Kaiserpalast Tokio ist ein solches Tor. Munamon () – ein Tor aus zwei Pfeilern, die ein Satteldach tragen. Es ähnelt einem Kōraimon, besitzt jedoch keine überdachten Nebenpfeiler. Nagayamon () – ein Nagaya, wörtlich „Langhaus“, war ein Reihenhaus, in dem Samurai niedrigen Ranges lebten. Das Nagayamon war ein Tor, das den Durchgang von einer Seite des Gebäudes zur anderen ermöglichte. Nijūmon – ein zweigeschossiges Tor mit einem Pultdach zwischen den beiden Geschossen. Es unterscheidet sich vom ähnlichen Rōmon durch das Pultdach zwischen den Geschossen. Niōmon – ein Tor, in dessen beiden äußeren Jochen Statuen der beiden Niō, der Wächtergottheiten, aufgestellt sind. Rōmon – ein zweigeschossig wirkendes Tor mit nur einem durchgehenden Dach, dessen oberer Bereich keinen nutzbaren Raum bietet. Es unterscheidet sich vom ähnlichen Nijūmon durch das Fehlen eines Daches zwischen den Geschossen. Sanmon – das wichtigste Tor eines japanischen Zen-buddhistischen Tempels. Es findet sich auch bei anderen buddhistischen Schulen, insbesondere bei der Jōdo-Schule. Trotz seiner Bedeutung ist das Sanmon nicht das erste Tor des Tempels, sondern steht gewöhnlich zwischen dem Sōmon (Außentor) und dem Butsuden (wörtlich „Buddha-Halle“, also der Haupthalle). Sōmon – das Tor am Eingang eines Tempels. Ihm folgt häufig das größere und bedeutendere Sanmon. Torii – dieses charakteristische symbolische Tor wird gewöhnlich mit Shintō-Schreinen in Verbindung gebracht; es findet sich jedoch auch häufig an buddhistischen Tempeln, da die meisten über mindestens ein Torii verfügen. Uzumimon () – Tore, die in einer Burgmauer angelegt sind. Da sie dazu dienten, Bereiche auf unterschiedlichen Ebenen miteinander zu verbinden, erweckten sie den Eindruck, im Boden vergraben zu sein. Yaguramon () – ein Tor mit einem Yagura auf dem Torbau. Yakuimon () – ein Tor mit Satteldach, das von zwei Hauptpfeilern und zwei dahinter angeordneten Nebenpfeilern getragen wird. Shikyakumon oder Yotsuashimon () – ein eingeschossiges Tor mit zwei Hauptpfeilern und jeweils einem Nebenpfeiler auf der Vorder- und Rückseite. Es verfügt somit insgesamt über vier Pfeiler.
Galerie
Literatur Tetsurō Yoshida: Japanische Architektur. Wasmuth, Berlin 2026, ISBN 978-3-8030-0103-0. David Young, Michiko Young: The Art of Japanese Architecture: History / Culture / Design. Tuttle Publishing, Tokio 2019, ISBN 978-4-8053-1504-0.
Einzelnachweise
Kategorie:Buddhistische Architektur (Japan) Kategorie:Tor in Japan Kategorie:Shintō Kategorie:Buddhismus in Japan