250px|mini|alternativtext=Abgebildet ist ein Bronzekopf einer jungen Frau aus der Römerzeit. Dieser schaut leicht nach links. Die Haare sind kunstvoll frisiert und auf der Kopfoberseite hochgeflochten. Die Augenhöhlen sind nicht mit anderen Materialien eingelegt. Der Kopf weist auf der linken Seite und am Hinterkopf bereits in der Antike entstandene Schäden auf. Aufgrund des Alters, datiert wird in das erste oder zweite Jahrhundert, weist der Kopf Spuren grüner Patina auf. |"Kopf der Rosmerta", Bronze, 1. oder 2. Jahrhundert, 1844 in Finthen bei Mainz gefunden, heute im Landesmuseum Mainz (Inv. Nr. R 631) Der Kopf der Rosmerta ist ein im Landesmuseum Mainz (Inventar-Nummer R 631) ausgestellter lebensgroßer Bronzekopf der keltischen Göttin Rosmerta. Er wurde 1844 bei Ausgrabungsarbeiten des Mainzer Altertumsvereins im bei Mainz gelegenen Dorf Finthen in einem römischen Heiligtum des Merkur und der Rosmerta gefunden. Der handwerklich hochwertig und vor Ort in der Römischen Provinz gearbeitete Fund wird in das 1./2. Jahrhundert datiert und gehört zu den wenigen erhaltenen und daher kostbaren Metallkunstwerken in Obergermanien (Germania inferior und Germania superior).
Fundgeschichte Bei dem damals noch nicht eingemeindeten Dorf Finthen bei Mainz fanden 1844 Steinbrucharbeiten an der alten Römerstraße von Mogontiacum nach Bingium statt. Arbeiter fanden dort im Gewann Heiligenhaus, wenige Meter neben dem alten Straßenverlauf und auf einer 190 m über dem Meeresspiegel liegenden Erhöhung, Mauerreste aus römischer Zeit. Fachkundige Mitglieder des kurz zuvor gegründeten Mainzer Altertumsvereins wurden hinzugerufen. Bei ihren Grabungen an der Fundstelle konnten sie Gebäudefundamente, eine Grube darin sowie zwei Brunnen jenseits der Römerstraße identifizieren. Zahlreiche Metallfunde (darunter der Kopf der Rosmerta), Weihealtäre mit Inschriften, Münzen, Reste von Tierknochen und ein menschlicher Schädel konnten aus einem der Brunnen und der Grube innerhalb der Fundamente geborgen werden. Die Inschriften der teilweise gut erhaltenen Weihealtäre und die Funde zahlreicher Attribute des Merkur wie ein Heroldstab, Reste eines Merkurhutes und Tierknochen von Hähnen, dem Begleittier des Merkur, ließen eine eindeutige Identifizierung als Merkurheiligtum in Form eines Gallo-römischen Umgangstempels zu. Durch die Identifizierung des Bronzekopfes, zuerst als Kopf der Rosmerta-Maia, später nur als Rosmerta, konnte die Schlussfolgerung gezogen werden, dass es ein Heiligtum für Merkur und Rosmerta gewesen war. Es diente also der gemeinsamen Verehrung einer römischen und einer einheimisch-keltischen Gottheit.
Beschreibung Der Kopf der Rosmerta ist aus Bronze gearbeitet und hohl gegossen. Mit einer Höhe von 32,7 cm ist er lebensgroß und gehörte ursprünglich zu einer entsprechend dimensionierten Figur der Göttin. Der Kopf weist antike Beschädigungen am Hinterkopf und an der rechten Kopfhälfte auf. Die rückseitige Kopfpartie ist weniger detailliert ausgearbeitet. Gleiches gilt für die Haarpartien auf der Kopfoberseite. Die Gesichtszüge sind die einer jungen Frau. Sie hat den Kopf leicht nach links gedreht. Die Stirnhaare sind aufwärts gekämmt und an der vorderen Kopfoberseite zu einer Schleife verbunden. Die ebenso wie die Stirnhaare gewellten Schläfenhaare sind beiderseits nach hinten gekämmt und in einem Knoten im Nacken zusammengefasst. Die Iris der Augen ist eingetieft aber ohne Füllung. Unter den Schläfenhaaren ist das Ende der Ohren angedeutet. Hinter der Schleife der Stirnhaare sind zwei Bleiplättchen angebracht. Sie dienten der Anbringung eines Kopfschmucks, von dem sich ein kleines Stück Bronzeblech an einem der Plättchen erhalten hat.
Archäometrische Untersuchungen und Ausstellung Im Rahmen des 2010–2015 laufenden Forschungsprojektes „Römische Großbronzen am UNESCO-Welterbe Limes“Projektseite Römische Großbronzen am UNESCO-Welterbe Limes wurde auch der Kopf der Rosmerta untersucht. Im Rahmen archäometallurgischer Untersuchungen konnte für die Bronzelegierung eine Zusammensetzung aus 75 % Kupfer, 7 % Zinn und 18 % Blei ermittelt werden. Die Herkunft des verwendeten Bleis aus der Eifel sowie bestimmte Besonderheiten bei der Lötung weisen laut den untersuchenden Archäologen auf eine lokale Fertigung hin.Ellen Riemer: Rosmerta - die „First Lady“ des Mainzer Altertumsvereins. S. 23
Es fanden sich keine Spuren einer antiken Vergoldung, wie fälschlicherweise in älteren Quellen angeführt wurde. Des Weiteren konnte im Rahmen der Untersuchungen die antike Fertigung der Skulptur genauer rekonstruiert werden. Es ließen sich Gussfehler finden wie beispielsweise feine Risse in der linken Gesichtshälfte, die mit Flickblechen kaschiert wurden. Gasblasen im Innern des Werkstoffs Bronze deuten auf Probleme mit der Feuchtigkeit während des Schmelz- und Gussvorgangs hin. Wachsmontagenähte im Kopfinneren halfen bei der Anbringung der extra gegossenen Frisurteile. Seitliche Haarpartien der Frisur wurden mit Meißel und Ziseliereisen nachbearbeitet und verfeinert.
Das Forschungsprojekt endete mit mehreren Ausstellungen, bei denen der Kopf der Rosmerta prominent präsentiert wurde. So war er im Limesmuseum Aalen, im LVR-Landesmuseum Bonn und im Museum Het Valkhof in Nijmwegen zu besichtigen.
Interpretation Die zeitweise Annahme, dass auf dem Kopf der Skulptur eine Mondsichel angebracht war und dies damit Kopf der römischen Göttin Diana-Luna war, gilt mittlerweile als überholt. Aufgrund der heute allgemein akzeptierten Deutung handelt es sich einen Kopf der keltischen Fruchtbarkeitsgottheit Rosmerta. Diese wurde im nordöstlichen Gallien und in den angrenzenden Provinzen Germania inferior und Germania superior von den keltisch-römischen Einwohnern häufig in Kombination mit Merkur verehrtLutz Luckhaupt: Römische Tempelanlage in Finthen. und Rosmerta gilt als Kultgenossin des Merkur. Die gemeinsame Verehrung einer römischen und einer einheimisch-keltischen Gottheit ist im Umfeld von Mogontiacum noch ein weiteres Mal mit dem Heiligtum des Mars Leucetius und der Nemetona in Klein-Winternheim bei Mainz zu finden.
Unterstützt wird diese Annahme auch durch den Kopfschmuck, den die Skulptur in antiker Zeit ursprünglich trug. Die auf der Kopfoberseite nur wenig ausgebildeten Haarstrukturen, die bereits erwähnten Bleche sowie ein kleines Stück des daran hängenden Kopfschmucks lassen das Tragen eines Flügelhutes vermuten.Lutz Luckhaupt: Römische Tempelanlage in Finthen. Eine frühere Abbildung der Kultgemeinschaft Merkur und Rosmerta findet sich auch bei der berühmten Großen Mainzer Jupitersäule aus der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts. Dort wird eine Frauengestalt im unteren Sockelstein als RosmertaPatrick Schollmeyer: Das Bildprogramm der Großen Mainzer Jupitersäule. In: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Landesmuseum Mainz, Ellen Riemer (Hrsg.): Die große Mainzer Jupitersäule. Archäologie, Geschichte und Restaurierung, Nünnerich-Asmus Verlag, Oppenheim am Rhein, 2022. ISBN 978-3-96176-189-0.Bernd Funke: Das römische Mainz. Nünnerich-Asmus Verlag, Oppenheim 2023, ISBN 978-3-96176-107-4. S. 90 interpretiert. Die abgebildete Frau trägt in ihrer linken Hand einen Flügelhut, in der rechten einen Hermesstab. Auch die Form der Frisur zeigt ikonographische Ähnlichkeiten zum Kopf der Rosmerta.
Rezeption Im Mainzer Stadtteil Finthen wurde dem berühmten Fund zu Ehren eine Straße als „Rosmerthastraße“ benannt (dazu gibt es in direkter Nähe auch einen „Merkurweg“). Die Frontalansicht des Kopfs der Rosmerta wird vom Landesmuseum Mainz für Werbezwecke in Form von Bannerfahnen vor dem Museumseingang und für großformatige Poster verwendet.
Weblinks
Kopf der Rosmerta - Beitrag des Landesmuseums Mainz bei Facebook Lutz Luckhaupt: Römische Tempelanlage in Finthen. - regionalgeschichte.net
Literatur Ellen Riemer: Rosmerta - die „First Lady“ des Mainzer Altertumsvereins. In: Wolfgang Dobras (Hrsg.): Eine Zeitreise in 175 Geschichten. Der Mainzer Altertumsverein 1844–2019. Nünnerich-Asmus Verlag & Media, Oppenheim 2019 (= Mainzer Zeitschrift 114, 2019). ISBN 978-3-961760-70-1. S. 24–25. Zur archäometrischen Untersuchung 2016 Frank Willer, Roland Schwab, Manuela Mirschenz: Römische Bronzestatuen am Limes. Archäometrische Untersuchungen zur Herstellungstechnik. In: Bonner Jahrbücher. Band 216, Bonn 2016, S. 150–152. Ältere Literatur Karl Schumacher: Bronzekopf eines Kultbildes der Rosmerta-Maia aus einem Tempel bei Finthen (Kreis Mainz). In: Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit. Band 5, 1911, S. 338–341. Karl Klein: Die Ausgrabungen in Finthen. In: Zeitschrift des Vereins zur Erforschung der rheinischen Geschichte und Alterthümer in Mainz. Band 1, 1845–1851, S. 359–362.
Einzelnachweise
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