Hans-Joachim Wilhelm Albin Firgau (* 21. Februar 1906 in Marienwerder; † 24. August 1991 in München) war ein deutscher Psychologe.

Werdegang Durch Versetzungen seines Vaters, der preußischer Offizier war, wuchs Firgau von 1909 bis 1919 in Graudenz und anschließend bis 1924 in Freyburg (Unstrut) auf. Er legte 1924 das Abitur am Domgymnasium Naumburg ab. Anschließend begann er eine kaufmännische Lehre und parallel ein Studium der Volkswirtschaftslehre in Hamburg, brach jedoch beides 1926 wieder ab. Ab 1926 studierte er Mathematik, Naturwissenschaften, Psychologie und Pädagogik an den Universitäten München und Göttingen. 1932 wurde er bei Narziß Ach mit der Dissertation Experimentelle Untersuchungen über die Flimmergrenze in Göttingen zum Dr. phil. promoviert.

Bereits als Schüler war Firgau Mitglied des Vaterländischen Jugendbunds Freyburg und des nationalistischen Wehrverbands Wehrwolf. Als Student trat er dann dem Verband Hindenburg bei, der 1927 in den nationalistischen und völkischen Tannenbergbund aufging. Zudem wurde er in Göttingen Mitglied der nationalistisch-bündischen Studentengruppe Göttinger Eidgenossen unter der Führung von Arno Deutelmoser und der Freischar Schill, einer Abspaltung der rechtskonservativen Jugendorganisation Schilljugend. 1927 war er Mitgründer der NSDStB-Gruppe in Göttingen. Von 1933 bis 1934 war er SS-Anwärter.

Von 1932 bis 1934 war Firgau Heerespsychologe der Reichswehr in Stuttgart. Daraufhin war er von 1934 bis 1936 Assistent am Psychologischen Institut der Universität Göttingen. 1936 habilitierte er sich dort mit der Schrift Persönlichkeit und Auslese. Untersuchungen zur Akademikerauslese und zur Weiterentwicklung der Untersuchungspsychologie. Anschließend war er von 1937 bis 1938 Assistent am Psychologischen Institut der Universität Berlin. Dort wurde er infolge eines Disziplinarverfahrens nach Auseinandersetzungen mit Ludwig Ferdinand Clauß entlassen. Zum 1. Mai 1937 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 5.772.711).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/8801131

Von 1938 bis 1942 war Firgau Heerespsychologe bei der Wehrmacht in Breslau und München. 1940 wurde er zum Regierungsrat ernannt. 1942 schulte er zum Heeresfachschullehrer an der Heereslehrerakademie in Brünn um. Von Januar bis September 1943 war er rassenpolitischer Referent unter Erhard Wetzel im Führungsstab Politik des Reichsministeriums für die besetzten Ostgebiete. Daraufhin war er von Oktober 1943 bis September 1944 in der Hauptabteilung Politik beim Generalkommissar für Estland im Reichskommissariat Ostland, Karl-Siegmund Litzmann, tätig. Anschließend leistete er Kriegsdienst bei der Wehrmacht und wurde verwundet. Er geriet in französische Kriegsgefangenschaft und war bis Januar 1946 interniert.

Im Nachkriegsdeutschland war Firgau von 1946 bis 1949 als freiberuflicher Erziehungs- und Lebensberater in München tätig. Bei seinem ersten Spruchkammerverfahren im April 1948 wurde er als „Mitläufer“ eingestuft; er legte Revision ein und wurde bei einem zweiten Verfahren im Oktober 1949 als „Entlasteter“ eingestuft. Von 1949 bis 1950 war er Psychologe und Statistiker am Schultestinstitut in München. Anschließend war er von 1950 bis 1951 Chefpsychologe einer Erziehungsberatungsstelle in Augsburg. Daraufhin war er von 1952 bis 1958 als Psychologe, Erziehungsberater und Abiturientenberufsberater beim Jugendamt Stuttgart sowie beim Arbeitsamt Landshut tätig. Von 1958 bis 1963 war er leitender Psychologe der Freiwilligenannahmestelle der Bundeswehr in München. Darüber hinaus lehrte er ab 1952 an der TH Stuttgart, zuletzt von 1960 bis zu seinem Ruhestand 1973 als außerplanmäßiger Professor.

Im Ruhestand war Firgau von 1973 bis 1985 Präsident des Deutschen Volksbunds für Geistesfreiheit. Er starb im August 1991 im Alter von 85 Jahren in München.

Literatur Isabel Heinemann: „Rasse, Siedlung, deutsches Blut“. Das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS und die rassenpolitische Neuordnung Europas. Göttingen 2003, ISBN 3-89244-623-7. (Zugl.: Freiburg (Breisgau), Univ., Diss., 2001), auch in polnischer Übersetzung. Armin Stock: Hans-Joachim Firgau, in: Uwe Wolfradt, Elfriede Billmann-Mahecha und Armin Stock (Hrsg.): Deutschsprachige Psychologinnen und Psychologen 1933–1945. Ein Personenlexikon, ergänzt um einen Text von Erich Stern, 2. Auflage, Wiesbaden 2017, S. 111f.

Weblinks Hans-Joachim Firgau auf der Website des Projekts Beamte nationalsozialistischer Reichsministerien

Einzelnachweise

Kategorie:Psychologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Ministerialbeamter (NS-Staat) Kategorie:Person (deutsche Besetzung Estlands 1941–1944) Kategorie:Militärperson (Heer der Wehrmacht) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Stuttgart) Kategorie:Regierungsrat (Deutsches Reich) Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Absolvent der Georg-August-Universität Göttingen Kategorie:Deutscher Kriegsgefangener von Frankreich Kategorie:Person (München) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1906 Kategorie:Gestorben 1991 Kategorie:Mann