Einesteils und andrerseits und außerdem (Originaltitel: Torch Song Trilogy) ist eine Tragikomödie von Harvey Fierstein. Das Stück setzt sich aus drei Einaktern zusammen, die zuvor als separate Dramen im New Yorker La MaMa Experimental Theatre Club uraufgeführt wurden.
Handlung The International Stud Die Handlung erstreckt sich über mehrere Monate. Zwischen den Szenen tritt die Sängerin Lady Blues auf und leitet mit ihren Liedern die Geschehnisse ein.
Januar: In seiner Umkleidekabine macht sich der Travestiekünstler Arnold Beckoff für eine Vorstellung fertig. Er spricht das Publikum direkt an und redet mit ihnen über die Liebe, seine schlechten Erfahrungen mit dieser und gibt den Anwesenden Beziehungstipps.
Februar: In der Schwulenbar The International Stud trifft der bisexuelle Lehrer Ed Reiss auf Arnold. Die beiden kommen sich näher und beschließen am Ende, zu Arnold zu fahren, um Sex zu haben.
Juni: Nach ein paar gemeinsamen Wochen hat sich Ed zunehmend von Arnold distanziert. Arnold wartet tagelang auf einen Anruf und entscheidet sich schließlich, selber den Hörer in die Hand zu nehmen. Während des Telefongesprächs stellt sich heraus, dass sich Ed seit einiger Zeit mit einer Frau trifft, obwohl er Arnold gesagt hat, dass er noch nicht bereit für eine feste Beziehung ist. Arnold wirft ihm vor, sich nur wegen dem Druck seines heterosexuellen Umfelds mit einer Frau zu treffen. Ed dementiert diese Aussage und versichert Arnold, dass er sich freiwillig dazu entschieden hat, weil ihm das homosexuelle Leben zu riskant ist. Gleichzeitig möchte er aber auch die Beziehung zu Arnold nicht abbrechen, weil er ihn immer noch lieben würde. Arnold redet weiter auf Ed ein und das Telefonat endet im Streit.
September: Arnold wird von seinem (ungesehenen) Freund Murray mit in den International Stud genommen. Dort wird er von ihm überredet, in den Darkroom zu gehen, von dem sich Arnold bisher immer ferngehalten hat. In dem Darkroom werden Arnold und Murray voneinander getrennt und Arnold gegen seinen Willen anal penetriert. Nach kurzer Zeit findet er jedoch gefallen an der Sache und versucht, sich nett mit seinem unbekannten Sexualpartner zu unterhalten, der ihm jedoch nicht antwortet. Nachdem der Unbekannte fertig ist, findet Arnold Murray wieder und will ihm seinen Partner vorstellen, der sich aber schon aus dem Staub gemacht hat. Murray muss Arnold erklären, dass der Unbekannte nur Sex wollte und an nichts Ernsterem interessiert ist.
November: Ed besucht Arnold in seiner Umkleidekabine. Arnold nimmt zuerst an, dass Ed eine zweite Chance möchte, was aber dementiert wird. Der Grund für Eds Besuch ist ein Albtraum, von dem er niemand anderem erzählen will, außer Arnold. In diesem Traum beging Ed Selbstmord mit einer Plastiktüte und einem Lappen, der in Terpentin getränkt wurde, und als Ed aufwachte, lagen der getränkte Lappen und die Tüte neben ihm im Bett. Ed beichtet Arnold, dass er ihn immer noch liebt, was Arnold in Rage versetzt. Er hält Ed vor, wie sehr er in den letzten Monaten durch die Trennung gelitten hat und bittet ihn, zu gehen. Schließlich bietet Ed an, Arnold nach Hause zu fahren und er akzeptiert. Am Ende des Stücks spricht Arnold ein letztes Mal zum Publikum und fragt sich, ob er Ed immer noch liebt.
Fugue in a Nursery Ein Jahr nach den Geschehnissen im ersten Teil wird Arnold von Eds Freundin Laurel angerufen und in Eds Landhaus eingeladen. Arnold möchte als erstes Ablehnen, wird aber von seinem neuen Partner Alan, einem 18-Jährigen, ehemaligen Stricher und jetzigem Model, dazu überredet.
Samstagmorgen haben Arnold und Ed ein langes Gespräch in einem der Schlafzimmer, wobei sie Alan und Laurel zusammen sitzen lassen, die ihrerseits miteinander sprechen. Während dieses Gesprächs stellt sich heraus, dass Laurel bisher drei unglückliche Beziehungen mit bisexuellen Männern hinter sich hat und deshalb therapeutisch behandelt wird. Über eine gemeinsame Bekannte lernten sich Laurel und Ed kennen und Laurel hat Ed davon überzeugt, auch in Therapie zu gehen, was schließlich zu Arnolds und Eds Trennung geführt hat. Ed unterstellt Arnold währenddessen, dass er Alan gar nicht lieben würde, Arnold wirft ihm wiederum vor, dass er nur mit Laurel zusammen ist, um der Norm zu entsprechen.
Als Laurel und Arnold am nächsten Tag den Abwasch machen, konfrontiert auch sie ihn damit, dass er immer noch in Ed verliebt wäre und nur deshalb hergekommen sei. Gleichzeitig wird Alan in der Scheune von Ed verführt.
Während Alan und Arnold packen stellt sich heraus, dass das Gespräch mit Laurel in einen Streit eskaliert ist, da Arnold ihr ein für alle Mal klargemacht hat, dass Ed sie nur aufgrund gesellschaftlicher Normen liebt.
Am nächsten Tag stellt sich heraus, das Laurel das Landhaus verlassen hat und wieder nach New York City gefahren ist, nachdem sie von Eds Affäre mit Alan erfahren hat. Ed bittet Arnold per Telefon, ihr Gesellschaft zu leisten und während eines gemeinsamen Essens erfährt auch Arnold von der Affäre. Arnold konfrontiert Alan damit und die beiden streiten sich, vertragen sich aber später wieder. Als Laurel bei Arnold zu Besuch ist, entscheidet sie, Ed eine zweite Chance zu geben, wovon Arnold überhaupt nicht begeistert ist.
Einige Zeit später besucht Laurel Arnold bei einer Probe. Sie verkündet, dass Ed und sie bald heiraten werden.Diese Szene wurde nur im Orpheum Theatre gespielt und in allen anderen Inszenierungen gestrichen.
Widows and Children First! Fünf Jahre später; Ed und Laurel haben sich getrennt und sind im Prozess, sich scheiden zu lassen, Alan ist getötet worden und Arnold ist der Pflegevater des 15-Jährigen David. Ed ist von Zuhause ausgezogen und lebt zurzeit bei Arnold und David. Arnolds Mutter kommt zu Besuch, was ihm einige Sorgen bereitet. Sie toleriert Arnolds sexuelle Orientierung zwar, hat aber trotzdem eine sehr vorurteilshafte Sicht auf homosexuelle Menschen. Arnold hat ihr von David erzählt, sie hält ihn aber für seinen Mitbewohner. Sie wird eines besseren Belehrt, als David früher von der Schule nach Hause kommt und es ihr verrät.
Abends haben sich die Gemüter von dem morgendlichen Vorfall wieder entspannt. Mrs. Beckoff hat David zur Schule und danach in die Spielhalle begleitet. Auch wenn ihr die ganze Sache nicht geheuer ist, hat sie nichts dagegen, im Irrglauben, dass David nur für neun Monate bei Arnold bleibt. Als dieses Missverständnis aufgeklärt wird (Arnold möchte David nach den neun Monaten adoptieren), entbrennt ein Streit zwischen Arnold und seiner Mutter. Sie will ihn davon überzeugen, dass er einen Fehler macht und verurteilt seine Entscheidung, weil sie befürchtet, David könnte durch den Umgang mit Homosexuellen auch schwul werden. Arnold eröffnet seiner Mutter, dass David bereits schwul ist und an ihn übergeben wurde, damit er mit einem positiven, homosexuellen Vorbild aufwachsen kann. Der Streit endet damit, dass Arnold seine Mutter rausschmeißt.
Ed und David sind währenddessen ausgegangen, um Arnold und seine Mutter in Ruhe zu lassen. Sie essen Hotdogs und David erzählt Ed, dass Alan an der Stelle, wo sie sitzen, ermordet wurde. Außerdem erzählt er Ed, dass Arnold seitdem keine Beziehung hatte und schlägt ihm vor, es nochmal mit ihm zu versuchen. Arnold kommt dazu und will mit David alleine sprechen. Er versucht, die Schuld auf alle anderen zu schieben, wird aber von David darauf hingewiesen, dass er an allem, was passiert ist, genauso beteiligt war.
Der nächste Morgen. Arnold kommt betrunken nach Hause und hat ein langes Gespräch mit Ed, in dem dieser Arnold um eine zweite Chance bittet. Arnold lehnt fürs Erste ab, ändert seine Meinung aber später und sagt Ed, dass sie die Möglichkeit zumindest besprechen können. Arnolds Mutter hat ihre Sachen gepackt und möchte gehen, Ed und David überlassen ihr und Arnold wieder die Wohnung, für ein letztes Gespräch. Währenddiesem vertragen sich Arnold und seine Mutter wieder, sie akzeptiert David als Arnolds Sohn und verschwindet ganz still und heimlich aus der Wohnung, während Arnold mit Murray telefoniert. Als Arnold bemerkt, dass seine Mutter weg ist, räumt er die Wohnung ein bisschen auf. Er findet eine Keksdose, die seine Mutter ihm mitgebracht hat, Eds Portemonnaie, dass er vergessen hat, Davids Schulbücher, die ebenfalls vergessen wurden und ein Bild von ihm und Alan. Er setzt sich mit diesen Symbolen seiner Liebsten auf sein Sofa und damit endet das Stück.
Entstehung The International Stud wurde erstmals am 2. Februar 1978 in einer Inszenierung von Eric Concklin im Off-Off-Broadway La MaMa E.T.C. gespielt. Arnold wurde von Fierstein selbst gespielt, wie auch in den zukünftigen Stücken, Ed von Steve Spiegel und Lady Blues von Diane Tarleton. Die Produktion zog nach einer Weile ins Off-Broadway The Players Theatre, wo Spiegel durch Richard Dow ersetzt wurde.
Das zweite Theaterstück, Fugue in a Nursery, feierte knapp ein Jahr später im La MaMa seine Uraufführung, am 1. Februar 1979. Neben Fiersteins Arnold stand nun Edward D. Griffith als Ed auf der Bühne. Die neuen Figuren Alan und Laurel wurden von Christopher Marcantel und Marilyn Hamlin gespielt. Regie übernahm ein weiteres Mal Eric Concklin. Für diese Inszenierung wurde Begleitmusik für Klarinette, Horn, Violine und Cello von Ada Janik komponiert. Dabei wurde jedes Instrument einer Figur zugeordnet: Arnold dem Cello, Alan der Klarinette, Laurel der Violine und Ed dem Horn. Auch diese Inszenierung wanderte nach einiger Zeit an den Off-Broadway. Mitchell Maxwell präsentierte die Produktion im Orpheum Theatre, mit Fierstein und Marcantel als Arnold bzw. Alan und Maria Cellario und Will Jeffries als neue Laurel und Ed.
Widows and Children First! hatte seine Premiere am 25. Oktober 1979, wieder im La MaMa, wieder unter der Regie von Concklin. Will Jeffries übernahm zum zweiten Mal den Ed, David wurde von Frederick Allen gespielt und Mrs. Beckoff von Estelle Getty.
Da die ersten beiden Stücke bei ihren Umzügen an den Off-Broadway sehr viel Geld verloren, befürchtete Fierstein, dass mit dem dritten Teil das Gleiche passieren würde, weshalb er alle vorgeschlagenen Angebote ablehnte. Stattdessen folgte eine Lesung ausgewählter Szenen aus allen drei Theaterstücken im Rahmen eines schwulen Theaterfestivals von John Glines. Durch diese Lesung kam Fierstein die Idee, seine drei Einakter in einen Dreiakter zusammenzufassen.
Torch Song Trilogy wurde am 16. Oktober 1981 im Richard Allen Center erstaufgeführt. Inszeniert wurde das Stück diesmal von Peter Pope. Fierstein und Getty übernahmen abermals Arnold und Mrs. Beckoff, Ed wurde von Joel Crothers gespielt, Alan von Paul Joynt und David von Matthew Broderick. Diane Tarleton kehrte zu ihrer Rolle als Lady Blues zurück und spielte zusätzlich noch Laurel.
Nach dem Erfolg im Richard Allen Center wurde die Produktion erst ins Actors Playhouse in Greenwich Village verlegt und wanderte von dort aus an den Broadway. Dort feierte das Stück am 10. Juni 1982 im Little Theatre seine Premiere. Broderick und Crothers wurden durch Court Miller als Ed und Fisher Stevens als David ersetzt. Susan Edwards übernahm Lady Blues von Tarleton, die weiterhin die Laurel spielte. Die Inszenierung lief bis 1985 und wurde insgesamt 1,230 Mal aufgeführt.
Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 24. November 1985 im Düsseldorfer Schauspielhaus unter der Regie von Rolf Stahl und nach einer Übersetzung von Bernd Samland statt. Lady Blues wurde von Manuela Alphons gespielt.
1988 erschien eine Filmadaption des Stoffes.