mini|Zentrum Breiten

Das Zentrum Breiten Oberägeri ist das Alters- und Pflegeheim der Bürgergemeinde Oberägeri im Kanton Zug. Seine Ursprünge reichen auf das im Jahr 1870 gegründete «Armen- und Waisenhaus Breiten» zurück. Die Institution entwickelte sich im 20. Jahrhundert vom sogenannten «Armenhaus» über das «Altersasyl und Bürgerheim» zum heutigen Alters- und Pflegezentrum «Zentrum Breiten».

Sozialgeschichtlicher Hintergrund In der Schweiz war die Versorgung armer, alter Menschen und Waisen bis ins 19. Jahrhundert Aufgabe von deren Familien. Unterstützend kamen die Nachbarschaft und die Kirche hinzu. Ab etwa 1850 entwickelten sich aus diesen privaten Formen eine öffentlichen Sozialfürsorge mit Institutionen wie den damals sogenannten Armenhäusern, Waisenhäusern und Altersheimen. Nach wie vor spielte die Kirche eine tragende Rolle.

Mit der Gründung der Einwohner-, Bürger- und Kirchgemeinden im Jahr 1874 ging Armenfürsorge an die Bürgergemeinden über. Viele bedürftige Menschen konnten dadurch nicht mehr in ihrer Wohngemeinde leben, sondern wurden der Gemeinde übergeben, deren Bürgerrecht sie besassen. Sie wurden so aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen. In ihren Bürgergemeinden litten sie unter grossen Anfeindungen und waren stigmatisiert. Es herrschte damals nämlich die Ansicht vor, dass Armut selbstverschuldet ist. Aus der Perspektive der ortsansässigen Bevölkerung waren diese Menschen zudem in erster Linie ein Kostenfaktor.

Vom «Armenhaus» zum «Altersasyl» mini|Bürgerheim St. Josef, v.l. ursprünglicher Bau, Verbindungstrakt und Neubau von 1944 1870 erwarb die Gemeinde Oberägeri den Hof Breiten-Alisbach von Josef Zuppiger für 30'000 Franken und richtete dort ein Armen- und Waisenhaus ein. Das «Neujahrsblatt der Hülfsgesellschaft in Zürich auf das Jahr 1892» berichtete darüber: «Die Gemeinde Oberägeri besitzt seit 1870 ein eigenes Armenhaus, das nebst zugehörigem in der Breiten gelegenen Heimwesen um 30,000 Fr. zu diesem Behufe gekauft wurde. Diese Anstalt dient dem Doppelzwecke, übelmögende Arme [übelmögend: ohne Vermögen] aufzunehmen und arme Waislinge zu pflegen und zu erziehen.»

In der Breiten lebten also wirtschaftlich bedürftige Personen jeden Alters, betagte Menschen sowie elternlose Kinder unter einem Dach. Geführt wurde das Armenhaus von einem Direktor und zwei Schwestern der Kongregation der Schwestern vom Heiligen Kreuz, sog. Menzinger Schwestern. Ein Meisterknecht war für den landwirtschaftlichen Betrieb verantwortlich.

Ab den 1920er-Jahren entwickelte sich die Einrichtung vom Armenhaus zum Altersasyl, wie es damals hiess. Von 1929 bis 1939 war die Menzinger Schwester Johanna Scheuermann dessen Leiterin. Sie vermachte der Bürgergemeinde Oberägeri testamentarisch 3'000 Franken für einen Erweiterungsbau, mit der Bedingung, eine Hauskapelle einzurichten.

1943 erstellte die Bürgergemeinde Oberägeri diesen Neu- beziehungsweise Erweiterungsbau. Das von Architekt Karl Bachmann geplante Haus brachte 16 zusätzliche Zimmer und war mit dem bestehenden Gebäude verbunden. Die Einrichtung entsprach damit den gestiegenen Anforderungen an die Betreuung älterer Menschen. Folgerichtig wurde das Armenhaus 1944 in «Bürger- und Altersasyl St. Josef» umbenannt, im Volksmund einfach als «Bürgerheim» bezeichnet. Die Leitung lag weiterhin bei den Menzinger Schwestern, bis sie 1973 aufgrund des fehlenden Nachwuchses im Kloster die Breiten verliessen. Die Leitung wurde anschliessend erstmals von einer weltlichen Person übernommen.

Schwester Godefreda mini|hochkant|Sr. Godefreda Schnur (1893–1987) Eine prägende Persönlichkeit war Menzinger Schwester Godefreda Schnur, die 1929 ihre Arbeit im Bürger- und Altersasyl St. Josef aufnahm und es von 1939 bis 1973 leitete. Ihr fürsorglicher Umgang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, ihre Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden, der Bürgergemeinde und die freundschaftliche Verbindung mit der Bevölkerung brachten ihr grossen Respekt ein. Für ihre langjährige Tätigkeit verlieh ihr die Bürgergemeinde Oberägeri 1952 das Ehrenbürgerrecht.

Zentrum Breiten 1979 genehmigte die Bürgergemeindeversammlung Oberägeri einen Baukredit von 5,89 Millionen Franken für den Neubau eines Alters- und Pflegeheims. Die Finanzierung wurde unter anderem durch den Verkauf von Bauland ermöglicht. Nach dreijähriger Bauzeit wurde das neue Alters- und Pflegeheim im Jahr 1982 eröffnet. Das ehemalige Bürgerheim St. Josef wurde von 1982 bis 1985 zu Mietwohnungen umgebaut.

1996 entstand neben dem Alters- und Pflegeheim Breiten ein Gebäude mit 15 Alterswohnungen. Deren Bewohnerinnen und Bewohner können verschiedene Dienstleistungen des Pflegeheims beanspruchen und bei Bedarf in den Pflegebereich übertreten. Mit dieser baulichen Erweiterung wurde das Alters- und Pflegeheim Breiten in Betagtenzentrum Breiten umbenannt.

Ab dem 1. Januar 2027 wird das Zentrum Breiten von der gemeinnützigen Aktiengesellschaft Pflegezentrum Oberägeri AG geführt. Die Gemeinde Oberägeri ist alleinige Aktionärin

Weblinks Zentrum Breiten, Oberägeri

Einzelnachweise

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