Rajani Thiranagama (; geborene Rajasingham; * 23. Februar 1954 in Jaffna; † 21. September 1989 in Jaffna) war eine christlich-tamilische Menschenrechtsaktivistin, Feministin und Ärztin aus Sri Lanka, die während des dortigen Bürgerkriegs ermordet wurde, nachdem sie die Brutalität aller Seiten als Mitautorin von The Broken Palmyra kritisiert hatte.

Leben und Wirken Rajani (auch Rajini) Thiranagama wurde 1954 in eine moderne tamilische Familie als vierte von sieben Schwestern in Jaffna geboren.

Sie ging auf das Jaffna College und kurzzeitig auf das Chundikkuli Girls College zur Schule und studierte ab 1973 an der University of Colombo in Sri Lanka Medizin.

Auf einer Weiterbildung in Großbritannien traf und heiratete sie 1977 den singhalesischen Kommilitonen und Aktivisten Dayapala Thiranagama, mit dem sie zwei Töchter hatte. Die Verbindung wurde als ungewöhnlich angesehen, da die beiden Eheleute aus ethnisch, sozial, politisch und kulturell anderen Umgebungen stammten.

1978 schloss Thiranagama ihr Medizinstudium ab und arbeitete in verschiedenen Krankenhäusern, meist in Jaffna. mini|253x253px|Universität von Jaffna 1980 wurde sie Dozentin für Anatomie in der neu gegründeten medizinischen Abteilung an der Universität von Jaffna und war zum Zeitpunkt ihres Todes Fakultätsleiterin. Sie soll sich zwischen Soldaten und Studenten gestellt haben, als die Universität geschlossen werden sollte.

Sie sympathisierte zunächst mit der Organisation LTTE (= Liberation Tigers of Tamil Eelam), bei der auch ihre Schwester tätig war und leistete medizinische Hilfe für verwundete LTTE-Kämpfer, wandelte ihre Haltung aber, da sie die extremistische Ausrichtung der Organisation sah und erlebte und dokumentierte die systematisch ausgeübte Gewalt durch die LTTE, den Einsatzes von Kindersoldaten und die Meinungsunterdrückung und Verfolgung tamilischer Kritiker.

1983 reiste sie für ein Aufbaustudium an die Liverpool Medical School nach Großbritannien und engagierte sich gleichzeitig für Menschenrechte und die Freilassung ihrer Schwester, die wegen Verdachts auf Terrorismus gefangen genommen war.

Mitte der 1980er kehrte sie nach Sri Lanka zurück und gründete die University Teachers for Human Rights (UTHR, Menschenrechtslehrer auf universitärem Niveau) mit.

Außerdem war sie an der Gründung von Poorani in Jaffna mitbeteiligt, einem Haus für wegen des Bürgerkriegs mittellos gewordener Frauen, das auch von Soldaten vergewaltigte Frauen aufnahm. mini|200x200px|Vorderansicht des Krankenhauses von Jaffna 1987 begann sie, Verwundete nach einem Massenmord im Krankenhaus in Jaffna mit 70 Toten zu interviewen, als andere begannen zu schweigen und fuhr mit dem Rad und der Unterstützung weniger anderer Frauen zu weiblichen Opfern von Vergewaltigungen, um deren Geschichten aufzuschreiben, weshalb sie von der LTTE als Verräterin angesehen wurde. Sie hatte schriftlich festhalten wollen, dass normale Frauen mutig sein können.

1989 wurde sie Mitautorin von The Broken Palmyra, ein Buch über die Missstände und das Leid der Zivilbevölkerung im Norden und Osten des Landes, hervorgerufen durch alle Bürgerkriegsparteien (Regierung, indische Friedenstruppen, LTTE).

Wenige Wochen später wurde sie mit mehreren Kopfschüssen von vorne nach Anrufen ihres Namens und Schüssen in den Hinterkopf in der Nähe ihres Wohnortes auf dem Nachhauseweg von der Arbeit aufgefunden.

Rajan Hooles, einer der Autoren von The Broken Palmyra, der Ehemann und Augenzeugen benannten die Organisation LTTE als auftraggebende bzw. Täter, die Organisation selbst weist die Verantwortung für die Tat von sich. Es gibt Spekulationen von anderen Seiten, ob der Mord in Zusammenhang mit den Aktivitäten ihres Mannes gestanden habe, der für die JVP (= Janatha Vimukthi Peramuṇa) im Untergrund arbeitete, ob sie als medizinische Aktivistin oder vom Militär in Sri Lanka ermordet wurde.

Rajani Thiranagama wird als „Vision für ihr Volk, die tamilischen Leute aus Sri Lanka“ (Radhika Coomaraswamy) gesehen.

Ihr Tod wird über die persönliche Bedeutung hinaus als Symbol für die Missachtung menschlichen Lebens in einem Klima von Terror, aber gleichzeitig als Symbol für die Hoffnung auf Frieden gesehen.

Die Aktivistin wird als Person beschrieben, die zwar Frieden, Ordnung und Gleichheit liebte, aber sich auch für ihre ethischen Werte im realen Leben einsetzte, was sie als mutige Frau unvergesslich mache und die fand, dass sich Menschen organisieren müssten und für demokratische Werte einstehen, um die Angst zu überwinden, die sie sonst lähmen würde.

Ehrungen 1989: Trauerzug durch die Straßen von Jaffna von ca. 2000 Studierenden und Sympathisanten im Anschluss an die Ermordung 2005: No More Tears Sisters. Knapp 80-minütiger Dokumentarfilm über das Leben und Wirken von Rajani Thiranagama mit Archivmaterial und Briefwechseln nach dem Drehbuch und unter der Regie von Helene Klodawsky, herausgegeben von der Produktionsfirma National Film Board of Canada. 2007: Martin Ennals Human Rights Award (= Menschenrechtspreis) 2013: Gedenkveranstaltung an der Medizinischen Universität von Jaffna 2019: Erinnerungskundgebung durch das Rajani Thiranagama Erinnerungskomitee und das Jaffna People’s Forum for Coexistence (= Forum für gemeinschaftliches Zusammenleben der Leute aus Jaffna) 20. und 21. September 2014: Gedenkveranstaltung zum 25-jährigen Todestag von Rajani Thiranagama an der Medizinischen Universität von Jaffna mit Friedensmarsch, Kundgebung und Seminar am Folgetag mit dem Thema Eine gerechtere und demokratischere Gesellschaft 2020: Podiumsdiskussion zum 31. Todestag durch das Rajani Thiranagama Erinnerungskomitee und das Jaffna People’s Forum for Coexistence 2022: Ehrentafel mit Bild an der Wand des Senior Gemeinschaftsraums der Lehrervereinigung der Universität Jaffna

Zitat der Aktivistin gegen Lebensende Zwei Tage vor ihrem Tod schrieb sie:

Siehe auch Bürgerkrieg in Sri Lanka

Literatur T. D. Ramakrsnan: Sugandhi Enna Aandal Devanayaki. D. C. Books, Montreal 2014, ISBN 978-81-264-5232-3 (Roman). V. V. Ganeshananthan: Brotherless Night. Penguin, London 2024, ISBN 978-0-241-99767-3 (Rajani ist Vorbild für die literarische Figur Anjali). Übers. von Sophie Zeitz: Der Brennende Garten. Tropen Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-608-50278-7.

Weblinks (Zusammen mit Rajan Hoole et al.:) The Broken Palmyra. The Tamil Crisis in Sri Lanka, an Inside Account. 1989. als PDF No More Tears Sister Filmauszug auf YouTube, 2023, 50:57 Min.

Einzelnachweise

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