Walter Däpp (* 14. November 1946 in Bern; heimatberechtigt in Oppligen) ist ein Schweizer Journalist und Autor. Nach ersten journalistischen Tätigkeiten beim Emmenthaler Blatt arbeitete er von 1973 bis 1983 als Redaktor bei Schweizer Radio DRS und anschliessend während mehr als drei Jahrzehnten für die Berner Tageszeitung Der Bund. Beim Bund schrieb er vor allem Sozialreportagen und Porträts über Menschen, die in der täglichen Berichterstattung wenig Beachtung fanden. Bekannt wurde er auch durch seine berndeutschen Morgengeschichten, die er für DRS 1 (heute Radio SRF 1) schrieb und sprach. Als Orientierungsläufer wurde Däpp 1964 Schweizer Jugendmeister, 1965 Schweizer Juniorenmeister und 1970 in Bulle Schweizer Meister.
Leben Walter Däpp wurde 1946 in Bern geboren. Sein Vater Otto Däpp, ein Elektromechaniker, stammte aus Oppligen, seine Mutter Louise, geborene Moos, aus Zug.Berner Tagwacht, Volume 47, Number 114, 17 May 1939. Er wuchs mit seinem älteren Bruder, dem späteren Journalisten und Satiriker Heinz Däpp, und einer Schwester RosmarieBerner Tagwacht, Volume 53, Number 89, 18 April 1945, im Berner Wylerquartier auf. Er ist verheiratet mit Marianne Däpp-RüfenachtDer Bund, Band 126, Nummer 67, 21. März 1975, und hat zwei Kinder Stefan und Martina sowie fünf Enkelkinder.
Nach der Primarschule besuchte Däpp das damalige Berner Progymnasium und wechselte anschliessend in die gymnasiale Oberstufe. Zuerst ins Gymnasium Kirchenfeld. Anfang 1966 in das neu errichtete Neufeld-Gebäude.rmm. Steckbrief von: Walter Däpp. In: Der Bund, Volume 117, Number 16, 12 January 1966 Edition 02 Nach nur kurzer Studienzeit an der Universität Bern (Sport, Geografie) wechselte er ins Berufsleben – beim Emmenthaler Blatt in Langnau.
Bereits während seiner Gymnasialzeit schrieb er kleinere Berichte und Sportberichte für Zeitungen: Mitte der 1960er-Jahre erschienen erste mit dem Kürzel «wd.» gezeichnete Sportberichte, insbesondere über Orientierungsläufe.wd: OL-Sieger im Abonnement: Hansruedi Brand – Berner Höhienkurvenorientierungslauf am Längenberg. In: Der Bund, Volume 115, Number 403, 21 September 1964.wd: Noch ein Sieg für Hansruedi Brand –Unterseener OL hoch, über dem Thunersee. Der Bund, Volume 115, Number 438, 13 October 1964 Edition 02.
Zum Orientierungslauf kam Däpp über die Pfadfinder: 1963 ist er in einer Orientierungslauf-Rangliste für die Berner Pfadfinderabteilung nachgewiesen.Nachtorientierungslauf des TV Münchenbuchsee. Aus der Rangliste. In: Der Bund, Band 114, Nummer 158, 16. April 1963: 8. Däpp Walter (Pfadfinder Patria Bern) 1962 bestritt er erstmals einen Nachtorientierungslauf im Zweierteam, 1963 nahm er am Berner Nacht-OL als Einzelläufer teil. 1964 wurde er Schweizer Jugendmeister, im folgenden Jahr Schweizer Juniorenmeister. Däpp betrieb den Orientierungslauf auch im Erwachsenenalter auf Leistungssportniveau und gehörte Ende der 1960er-Jahre dem Schweizer Nationalkader an. 1969 wurde er bei einem Länderkampf gegen die Tschechoslowakei in Gottwaldov über 15 Kilometer Fünfter und trug damit zum Schweizer Mannschaftssieg bei.Schweizer Orientierungsläufer gewinnen Länderkampf gegen die Tschechoslowakei. In: Der Bund, 21. Juli 1969. Eine Nominierung für die Weltmeisterschaften in Friedrichsroda verpasste er bei einem Ausscheidungslauf um fünf Sekunden.https://www.sportpress-bern.ch/wp-content/uploads/2016/02/chronik_sportpress2015.pdf «Wohl zum erstenmal in unserer Geschichte gehört unseren Reihen ein Schweizer Meister an. Walter Däpp revanchierte sich für seine Nichtselektion zu den WM, indem er sich den OL-Schweizer-Meister-Titel sicherte.» (Jahresbericht 1970) 1970 erreichte er mit dem Gewinn der Schweizer Einzelmeisterschaft in Bulle, im Gebiet des Moléson, seinen grössten nationalen Erfolg.Si: Walter Däpp (Bern) neuer Schweizer OL-Meister. In: Bieler Tagblatt, Nummer 238, 12. Oktober 1970. Mit einem überraschenden Sieg des Berner Sportjournalisten Walter Däpp endete am Moléson bei Bulle die Schweizer OL-Meisterschaft, die in neun Kategorien 360 Teilnehmer am Start vereinigte.Heinz Schild: «Lachmuskle» an der Weihnachtsfeier. In: STBinfo, Nr. 1, März 2014, S. 22. Den Orientierungslauf betrieb er auch im Seniorenalter weiter.
1968 absolvierte Däpp seine 17-wöchige Rekrutenschule. Für den Bund berichtete er darüber unter dem Pseudonym «Rekrut Citoyen» aus der Sicht eines jungen Bürgers. Der erste Beitrag «Der 17wöchige Fixpunkt» erschien am Tag seines Einrückens, dem 5. Februar 1968. In einem zweiten, am 20. Februar erschienenen Beitrag «Aus Fehlern wird man klug» setzte er sich kritisch und ironisch mit der militärischen Hierarchie und dem Rekrutenalltag auseinander. Nach Däpps späterer Schilderung wurde die Kolumne nach Protesten und Interventionen hoher Militärs beim Bund vorzeitig eingestellt.
Nachdem Däpp bereits als Gymnasiast für verschiedene Zeitungen geschrieben hatte, begann er seine journalistische Laufbahn als Lokal – und Sportredaktor beim Emmenthaler Blatt in Langnau. Nach der Zusammenführung des Emmenthaler Blatts mit der Neuen Berner Zeitung erschien die Zeitung 1973 als Berner Zeitung.
Am 1. September 1973 wechselte Däpp zum Schweizer Radio DRS. Im Studio Bern übernahm er als Sportredaktor die Nachfolge von Charles Raedersdorf, der im Zuge einer Reorganisation innerhalb der SRG eine andere Funktion übernahm. Däpp gehörte bis 1983 der Redaktion von Schweizer Radio DRS an, wo er auch viele Touristiksendungen und Reportagen gestaltete (1974 zum Beispiel eine Live-Sendung vom Matterhorn-Gipfel) und gestaltete für die Abteilung Wort die Magazinsendung «Guete Samschtig mitenand»hws: 25jährige Sportmitarbeit am Schweizer Radio. In: Neue Zürcher Zeitung, Nummer 176, 15. April 1973.Redaktionsmitteilung Wechsel in der Sportredaktion Neue Berner Zeitung, Band 129, Nummer 203, 31. August 1973. 1983 trat er in die Redaktion des Bund ein, wo ihn der damalige Chefredaktor Paul Schaffroth einstellte. Nach Däpps späterer Schilderung war in seinem Arbeitsvertrag ausdrücklich festgehalten, dass er über Themen schreiben sollte, «die sonst nicht in der Zeitung stehen würden». Dadurch konnte er sich neben dem journalistischen Tagesgeschehen insbesondere ausführlichen Reportagen und Porträts widmen. Viele entstanden in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Hansueli Trachsel (1951–2019).
Däpp interessierte sich besonders für den Alltag und für Menschen, die in der üblichen Nachrichtenberichterstattung wenig Beachtung fanden. Für seine Reportagen nahm er sich Zeit für Gespräche und Beobachtungen; das Zuhören bezeichnete er später als eine der wichtigsten Voraussetzungen journalistischer Arbeit. Viele seiner Beiträge behandelten soziale und gesellschaftliche Themen.
1987 berichtete Däpp für den Bund ausführlich über das alternative Hüttendorf Zaffaraya auf dem Berner Gaswerkareal. Seine kritische Beurteilung der polizeilichen Räumung am 17. November 1987 führte zu heftigen Reaktionen. Nachdem ein Polizist Däpp beschuldigt hatte, ihn während der Räumung beschimpft zu haben, kam es zu einer etliche Jahre dauernden juristischen Auseinandersetzung.Beide Klagen abgewiesen – Eine ehrverletzende Bemerkung am Rande der Zaffaraya-Raümung führte zu einem langjährigen Rechtsstreit zwischen einem Stadtpolizisten und einem Journalisten. In: Der Bund, Band 142, Nummer 278, 27. November 1991.Polizist zieht Klage zurück – Wende im Ehrverletzungsprozess gegen «Bund»-Redaktor Däpp. In: Der Bund, Band 139, Nummer 244, 18. Oktober 1988.
Auch nach der Räumung beschäftigte sich Däpp journalistisch mit den gesellschaftlichen und politischen Folgen von Zaffaraya. Ein halbes Jahr später führte er gemeinsam mit Andreas Dietrich ein ausführliches Gespräch mit dem Berner Jugendamtsvorsteher Victor Riedi über die Räumung, alternative Wohnformen und den Umgang der Behörden mit solchen Freiräumen.Walter Däpp, Andreas Dietrich: «Aufpassen, dass wir uns nicht an Reglementen erwürgen». Gespräch mit Victor Riedi. In: Der Bund, 17. Mai 1988.
Der spätere Bund-Chefredaktor Patrick Feuz beschrieb die 1980er Jahre rückblickend als eine Phase des Wandels der Lokalredaktion. Insbesondere jüngere Journalisten gingen gegenüber Politik und Behörden zunehmend auf Distanz und verstanden es als ihre Aufgabe, «den Mächtigen bei Bedarf auf die Füsse zu treten». In diesem Umfeld führte die Berichterstattung über die Tschernobyl-Demonstration und die Räumung von Zaffaraya 1987 zu heftigen Reaktionen aus der Leserschaft und zu einer Welle von Abonnementskündigungen. Die ausführliche Berichterstattung über Zaffaraya und die Kritik des Bund an der polizeilichen Räumung lösten Hunderte Leserbriefe aus. Däpp wurde dabei laut Feuz «für viele zum Feindbild», erhielt jedoch auch Zustimmung: Ein Leser gratulierte ihm dazu, dass sich der Bund «gerade auch in den hitzigen Zeiten als liberales Forum bewährt» habe.Patrick Feuz: 170 Jahre «Der Bund». Bürgerliche Wutausbrüche, linke Boykottaufrufe. In: Der Bund, 1. Oktober 2020.
Als Gerichtsberichterstatter beschäftigte sich Däpp intensiv mit dem Kehrsatzer Mordfall. Nach dem Freispruch von Bruno Z. führte er mit diesem am folgenden Tag ein ausführliches Gespräch, das am 1. Juni 1993 im «Bund» erschien.Walter Däpp: Bruno Z. über seine Freiheit nach dem Freispruch. Nach acht Jahren «Fall Z.», sieben Wochen Prozess und Medienrummel nach dem Freispruch: Eine ruhige Stunde mit Bruno Z. am Pfingstsonntag im Jura. In: Der Bund, 1. Juni 1993. Digitalisat bei e-newspaperarchives.ch, abgerufen am 16. September 2026.
1995 berichtete Däpp über die erste öffentliche kirchliche Segnungsfeier für ein homosexuelles Paar in der Schweiz, die Pfarrer Klaus Bäumlin in der Berner Nydeggkirche durchführte. Däpp kommentierte das Ereignis im «Bund» unter dem Titel «Schwule Liebe».Segnungsfeier und Presse – 1995. In: Es geht um Liebe. Schwule in der Schweiz und ihre Geschichte. Verein Schwulengeschichte.ch, S. 808–810; dort mit Auszügen aus der Berichterstattung des Bund sowie aus Walter Däpps Kommentar Schwule Liebe. PDF, abgerufen am 17. September 2026.
Däpp beschäftigte sich journalistisch wiederholt auch mit Kartografie und der Schweizer Landestopografie. In mehreren Beiträgen berichtete er über die Entwicklung der schweizerischen Kartografie sowie über die Herstellung und Nachführung der Landeskarten.Walter Däpp: Ein Jahrhundertwerk der Kartographie die «Landeskarte der Schweiz» ist vollendet Der Bund, Volume 130, Number 82, 7 April 1979, S. 2.Walter Däpp: Das Abbild - Zum Beispiel das 1:25 000er-Blatt «Lyss» der Landeskarte der Schweiz In: Der Bund, Volume 136, Number 124, 31 May 1985, S. 9.Walter Däpp: «Wo Berge sich erheben: Der Mönch ist plötzlich 8 Meter höher als vor 7 Jahren», Der Bund, 7. Oktober 1996, S. 17. Walter Däpp: «Der Mönch ist weiter gewachsen», Der Bund, 1. September 1997, S. 32. 1996 porträtierte er etwa den Kupferstecher und Kartographen Alfred Oberli und dessen handwerkliche Felsdarstellung.Walter Däpp: Oberlis feine Felsgravuren. Was der Computer nicht kann: Felsen zeichnen. In: Der Kleine Bund, Kultur-Beilage, 11. Mai 1996, S. 1–2.