Helene Sonnemann, verheiratete Darges-Sonnemann (* 13. März 1911 in Flensburg; † 10. September 1998 in Celle) war eine deutsche an der Kinder-Euthanasie beteiligte Kinderärztin und Ehefrau von Fritz Darges, dem ehemaligen Adjutanten von Adolf Hitler.
Leben
Zeit des Nationalsozialismus Sonnemann war die Tochter des Vermessungsrates Paul Sonnemann, legte 1930 ihr Abitur an der Auguste-Viktoria-Schule in Flensburg ab und studierte bis zum 15. Dezember 1935 Medizin in Bonn, Gießen, München und Hamburg. Sie erhielt am 14. Januar 1937 ihre Approbation und promovierte am 2. April 1937. Anschließend arbeitete sie am Universitätskrankenhaus Eppendorf und im Städtischen Krankenhaus Altona, war dann bis zum 30. Juni 1939 Volontärsassistentin am Hamburger Kinderkrankenhaus Rothenburgsort (KKR), bis zum 31. Dezember 1941 Assistenzärztin und bis zum 15. Oktober 1943 stellvertretende Leiterin des KKR. Sonnemann beantragte am 18. Oktober 1939 die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. November desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 7.243.898),Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/41891094 sie trat zudem 1941 dem NS-Ärztebund bei.
Ihr waren die Pläne bekannt, Kindern aufgrund ihrer Behinderung oder Erkrankung zu töten. In der sogenannten „Kinderfachabteilung“ des KKR wurden von Juni 1940 bis April 1945 unter dem Chefarzt Wilhelm Bayer mindestens 56 sogenannte „Reichsausschusskinder“ durch die Gabe tödlicher Medikamente ermordet. Nach den Bombardierungen Hamburgs im Sommer 1943 wurden über 300 Patienten des KKR mit einigen Ärzten und etwa 60 Krankenschwestern unter ihrer Leitung nach Celle in die Hehlentorschule als Hilfskrankenhaus evakuiert; im Oktober 1943 kehrten die Patienten wieder nach Hamburg zurück.
Sonnemann verblieb in Celle und war vom 1. Oktober 1943 bis zum 31. Mai 1951 als Leiterin der dortigen Kinderklinik und stellvertretende Ärztliche Leiterin des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) tätig.
Im Mai 1944 wurde ihr für die Evakuierungsmaßnahme das Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern am Bande verliehen.
Nachkriegszeit in Celle Im Rahmen der Entnazifizierung gab Sonnemann bei einer Vernehmung am 7. Mai 1948 an, „dass ich selbst etwa fünf Euthanasiefälle gehabt habe“ und wurde abschließend als „entlastet“ eingestuft. 1949 wurden Ermittlungen gegen sie aufgenommen, die aber zu keinem Prozess führten, obwohl Sonnemann bis dahin die Tötung von insgesamt zwölf Kindern zugegeben hatte und weitere Tötungen durch Zeugenaussagen belegt wurden. Die Richter befanden, dass die Angeschuldigten kein Bewusstsein der Rechtswidrigkeit gehabt hätten und ein Schuldbeweis daher nicht zu führen sei.
1952 heiratete sie Fritz Darges, ehemaliger Hitler-Adjutant und Celler Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes. Er stellte ihren Kriegsverdienstkreuz-Orden 2002 dem Celler Garnison-Museum zur Verfügung, wo er bis 2009 ausgestellt war. Nach einer Artikelserie in der Celler Zeitung über sie und dem Bekanntwerden ihrer Hamburger Vorgeschichte wurde er wieder entfernt.
1961 übernahm Sonnemann die Leitung des neuerbauten Kinderkrankenhauses in Celle. Im gleichen Jahr überprüfte die Hamburger Ärztekammer, ob ihre Approbation wegen der Tötung von zwölf Kindern im KKR entzogen werden müsste, hielt aber standesrechtliche Konsequenzen nicht für angebracht. Ab 1970 war sie Leiterin der Krankenpflegeschule in Celle, bis April 1976 Chefärztin der Kinderabteilung des Allgemeinen Krankenhauses sowie dessen stellvertretende ärztliche Direktorin und ging im gleichen Monat zusammen mit ihrem Mann in den Ruhestand.
Literatur
Einzelnachweise
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