Bertrand de Born ist ein Gedicht von Heinrich Heine, das als zwölftes im Zyklus Romanzen als Teil der Neuen Gedichte 1844 erschienen ist. Erstmals abgedruckt wurde es in der Zeitung für die elegante Welt vom 20. Dezember 1839. 1840 nahm Heine es in den vierten Band seines Sammelwerks Der Salon auf. Es besteht aus 3 kreuzgereimten Vierzeilern aus jambischen Vierhebern, wobei der jeweils 1. und 3. Vers hyperkatalektisch verlängert sind.
Text Ein edler Stolz in allen Zügen, Auf seiner Stirn Gedankenspur, Er konnte jedes Herz besiegen, Bertrand de Born, der Troubadour.
Es kirrten seine süßen Töne Die Löwin des Plantagenets; Die Tochter auch, die beiden Söhne, Er sang sie alle in sein Netz.
Wie er den Vater selbst bethörte! In Thränen schmolz des Königs Zorn Als er ihn lieblich reden hörte, Den Troubadour, Bertrand de Born.Heine-Säkularausgabe Band 2 : Gedichte 1827–1844 und Versepen. Hrsg. von Irmgard Möller und Hans Böhm. Akademie Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-05-005297-X, S. 78.
Hintergrund und Deutung Heine bezieht sich in seinem Gedicht auf die Ballade Bertran de Born (1829) von Ludwig UhlandLudwig Uhland: Gedichte. 5. vermehrte Auflage. Stuttgart und Tübingen, 1831, S. 318–320. Siehe auch: Ludwig Uhland: Werke. Band 1. München 1980, ., die wiederum eine Episode im Leben des Trobadors Bertran de Born behandelt, der als französischer Baron eine Rolle in den Konflikten zwischen dem englischen König Heinrich II., seiner Frau Eleonore von Aquitanien – im Gedicht als „Löwin des Plantagenets“ angesprochen –, seiner Tochter Mathilde und seinen beiden Söhnen Heinrich dem Jüngeren und Richard Löwenherz spielte. In der Uhland-Ballade steht Bertran de Born gefangen vor Heinrich II., hinter ihm die rauchenden Trümmer seiner Burg Autafòrt. Er hält sein Schicksal für besiegelt, aber seine stolzen Worte und die Erinnerung an den toten Sohn rühren den König und veranlassen ihn, dem Trobador zu verzeihen. Im Uhland-Gedicht erscheint Bertran als Verführer Mathildes, eine Beziehung Bertrans zu Eleonore wie Heine sie andeutet ist nicht belegt.
Als historische Quelle könnte Heine die Histoire de la conquête de l’Angleterre par les Normands (1825) von Augustin Thierry gedient haben, wo Bertrands Rolle im Krieg ausführlich behandelt und auch die Vergebungsszene geschildert wird.
Rezeption Das Gedicht wurde von Don Forsythe (Romanzen, no. 12, Gesang und Klavier, ca. 2008) und von David Clark Little (Three Great Men, no. 1, Chor, 1984) vertont.
Ausgaben Erstdruck: Bertrand de Born. In: Zeitung für die elegante Welt, 20. Dezember 1839. Abdruck als: Bertrand de Born. In: Der Salon. Vierter Band. Hoffmann und Campe, Hamburg 1840, S. 148. Erstausgabe: Bertrand de Born. In: Neue Gedichte von H. Heine. Hoffmann und Campe, Hamburg 1844, S. 190.
Werkausgaben: Bertrand de Born. In: Düsseldorfer Heine-Ausgabe. Band 2: Neue Gedichte. Bearbeitet von Elisabeth Genton. Hoffmann & Campe, Hamburg 1983, ISBN 3-455-03002-5, S. 86. Bertrand de Born. In: Heine-Säkularausgabe Band 2 : Gedichte 1827–1844 und Versepen. Hrsg. von Irmgard Möller und Hans Böhm. Akademie Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-05-005297-X, S. 78. Bertrand de Born. In: Werke und Briefe in zehn Bänden. 2. Auflage. Band 1. Aufbau, Berlin und Weimar 1972, .
Literatur Irmgard Möller, Hans Böhm: Heinrich Heine Säkularausgabe Band 2. Gedichte 1827–1844 und Versepen. Kommentar I. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-005299-6, S. 351f. Siegbert Salomon Prawer: Heine: The Tragic Satirist. A Study of the Later Poetry 1827-1856. Cambridge University Press, 1961, ISBN 0-521-05990-9, S. 51. Jeffrey L. Sammons: Heinrich Heine, the Elusive Poet. Yale University Press, New Haven und London 1969, S. 203.
Weblinks
Bertrand de Born im LiederNet Archive
Einzelnachweise Irmgard Möller, Hans Böhm: Heinrich Heine Säkularausgabe Band 2. Gedichte 1827–1844 und Versepen. Kommentar I. Akademie Verlag, Berlin 1995, S. 351f. Bertrand de Born im LiederNet Archive, abgerufen am 18. August 2026.
Kategorie:Gedicht Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Werk von Heinrich Heine Kategorie:Literatur (Deutsch)