Die Nixen ist ein Gedicht von Heinrich Heine, das als elftes im Zyklus Romanzen als Teil der Neuen Gedichte 1844 erschienen ist. Erstmals gedruckt in der Zeitung für die elegante Welt vom 3. September 1839 wurde das Gedicht auch 1840 von Heine in das Sammelwerk Der Salon. Vierter Band aufgenommen.

Die fantastisch-erotische Ballade besteht aus 7 kreuzgereimten Vierzeilern aus jambischen Vierhebern, wobei der jeweils 2. und der 4. Vers hyperkatalektisch verlängert sind.

Text Am einsamen Strande plätschert die Fluth, Der Mond ist aufgegangen, Auf weißer Dühne der Ritter ruht, Von bunten Träumen befangen.

Die schönen Nixen, im Schleiergewand, Entsteigen der Meerestiefe. Sie nahen sich leise dem jungen Fant, Sie glaubten wahrhaftig er schliefe.

Die eine betastet mit Neubegier Die Federn auf seinem Barette. Die Andre nestelt am Bandelier Und an der Waffenkette.

Die Dritte lacht und ihr Auge blitzt, Sie zieht das Schwert aus der Scheide, Und auf dem blanken Schwert gestützt Beschaut sie den Ritter mit Freude.

Die Vierte tänzelt wohl hin und her Und flüstert aus tiefem Gemüthe: „O, daß ich doch dein Liebchen war’, Du holde Menschenblüthe!“

Die Fünfte küßt des Ritters Händ’, Mit Sehnsucht und Verlangen; Die Sechste zögert und küßt am End’ Die Lippen und die Wangen.

Der Ritter ist klug, es fällt ihm nicht ein, Die Augen öffnen zu müssen; Er läßt sich ruhig im Mondenschein Von schönen Nixen küssen.

Hintergrund und Deutung

Im Kommentar der Heine-Säkularausgabe wird darauf hingewiesen, dass bei dieser und der im Zyklus vorangehenden Ballade vom Ritter Olaf eine gewisse Nähe zu zwei Sagen besteht, die Heine in den Elementargeistern unmittelbar aufeinander folgend erzählt. Beide handeln von Verlockungen durch Elfen, die erste von einem hübschen Knaben, der auf Elvershöh einschläft und träumt und gerade noch rechtzeitig erwacht, die andere vom Herrn Oluf, der ausreitet, um die Gäste für seine Hochzeit zu laden, und im Wald auf die Erlkönigs tanzende Töchter trifft, die ihm dies und das anbieten, um ihn zu verführen, Herr Oluf lehnt aber immer wieder ab mit den Worten „Morgen ist mein Hochzeitstag.“ Bis es den Elfenmädchen zu dumm wird und sie ihm einen tödlichen Schlag versetzen: „So reite denn heim zu deiner Braut.“Heinrich Heine: Elementargeister. In: Werke und Briefe in zehn Bänden. Band 5. 2. Auflage. Aufbau, Berlin und Weimar 1972, Die Sagen finden sich sowohl in Herders Sammlung Stimmen der Völker in Liedern (1807) als auch in Wilhelm Grimms Altdänischen Heldenliedern (1811). Beide Bücher waren Heine bekannt. Die beiden Sagen mögen Heine zu seinen Balladen angeregt haben, direkte Quellen für die Gedichte sind sie jedoch nicht.

Bezüge innerhalb der Neuen Gedichte gibt es einerseits im Prolog von Neuer Frühling, wo ein zum „großen Kampf der Zeit“ bereiter Mann von Amoretten gehindert wird, in die Schlacht zu ziehen: Doch ihn necken Amoretten, Rauben Lanze ihm und Schwert, andererseits in der Ballade vom König Harald Harfagar, dem vorletzte Gedicht der Romanzen. Dort hält eine Wasserfee den König Harald seit über 200 Jahren in einem gläsernen Schloss unter Wasser gefangen: Von Nixenzauber gebannt und gefeit, Er kann nicht leben, nicht sterben; Zweihundert Jahre dauert schon Sein seliges Verderben.

Des Königs Haupt liegt auf dem Schooß Der holden Frau, und mit Schmachten Schaut er nach ihren Augen empor; Kann nicht genug sie betrachten.

Dennoch leidet er darunter, seinen Ruhm nur von fern genießen und neue Ruhmestaten nicht vollbringen zu können: Der König stöhnt und schluchzt und weint Alsdann aus Herzensgrunde. Schnell beugt sich hinab die Wasserfee Und küßt ihn mit lachendem Munde. Mithin sind die Nixen also einer der eher seltenen Fälle bei Heine, wo Küsse genossen werden können, ohne dem Geküssten zum Verhängnis und Verderben zu werden.Siegbert Salomon Prawer: Heine: The Tragic Satirist. A Study of the Later Poetry 1827-1856. Cambridge University Press, 1961, ISBN 0-521-05990-9, S. 50.

Rezeption Die Ballade wurde vielfach vertont. Der bekannteste Komponist ist Jacques Offenbach (Am Ufer. Notturno nach Heinrich Heine, 1869?, erschienen 1876/1877 in Le Journal de musique, 3. Juni 1876 bis 26. Mai 1877, französischer Text von Louis Gestin). Weitere Vertonungen durch;

Sandro Blumenthal (Am einsamen Strande plätschert die Flut) Don Forsythe (Die Nixen, Romanzen no. 11, Gesang und Klavier, ca. 2008) Gustav Gutheil (Die Nixen, op. 14, Sechs Lieder no. 3) Friedrich Wilhelm Kücken (Die Nixen, op. 100, 1876) Oskar Malata (Am einsamen Strande plätschert die Flut aus Lieder, no. 4) Karl Nicola (Die Nixen: Ballade von Heine, op. 22) Carl Gottlieb Reißiger (Die Nixen: Gedicht von Heine, 1842) Othmar Schoeck (Am einsamen Strande plätschert die Flut, Fragment 1904?) Johann Vesque von Püttlingen (Die Nixen, op. 39, Sechs Gedichte von Heine no. 4, 1844–1851?) Gotthard Wöhler (Die Nixen, op. 10, Vier Romanzen von Eichendorff und Heine no. 2)

Eine französische Übersetzung von Gérard de Nerval wurde von Henri Sauguet vertont und eine italienische Übersetzung von Bernardino Zendrini mit Musik von Roberto Barattani, Filippo Filippi und Luigi Mancinelli.

Ausgaben Erstdruck: Die Nixen. In: Zeitung für die elegante Welt, 3. September 1839. Abdruck als: Die Nixen. In: Der Salon. Vierter Band. Hoffmann und Campe, Hamburg 1840, S. 146f. Erstausgabe: Die Nixen. In: Neue Gedichte von H. Heine. Hoffmann und Campe, Hamburg 1844, S. 188f.

Werkausgaben: Die Nixen. In: Düsseldorfer Heine-Ausgabe. Band 2: Neue Gedichte. Bearbeitet von Elisabeth Genton. Hoffmann & Campe, Hamburg 1983, ISBN 3-455-03002-5, S. 85. Die Nixen. In: Heine-Säkularausgabe Band 2 : Gedichte 1827–1844 und Versepen. Hrsg. von Irmgard Möller und Hans Böhm. Akademie Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-05-005297-X, S. 77f. Die Nixen. In: Werke und Briefe in zehn Bänden. 2. Auflage. Band 1. Aufbau, Berlin und Weimar 1972, .

Literatur Irmgard Möller, Hans Böhm: Heinrich Heine Säkularausgabe Band 2. Gedichte 1827–1844 und Versepen. Kommentar I. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-005299-6, S. 348–351. Siegbert Salomon Prawer: Heine: The Tragic Satirist. A Study of the Later Poetry 1827-1856. Cambridge University Press, 1961, ISBN 0-521-05990-9, S. 50.

Weblinks

Die Nixen im LiederNet Archive

Einzelnachweise Heine-Säkularausgabe Band 2 : Gedichte 1827–1844 und Versepen. Hrsg. von Irmgard Möller und Hans Böhm. Akademie Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-05-005297-X. Irmgard Möller, Hans Böhm: Heinrich Heine Säkularausgabe Band 2. Gedichte 1827–1844 und Versepen. Kommentar I. Akademie Verlag, Berlin 1995, S. 348–351. Die Nixen im LiederNet Archive, abgerufen am 18. August 2026.

Kategorie:Gedicht Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Werk von Heinrich Heine Kategorie:Literatur (Deutsch)