Franz Joseph Carl Pirker (auch Franz Joseph Karl oder Francesco bzw. Pircker, Pürckher, Pyrcker) (* 18. März 1701 in Salzburg; † 1. Februar 1786 in Heilbronn) war ein österreichischer Geiger, Komponist, Konzertmeister und Übersetzer von Libretti.
Leben mini|Titelblatt des Librettos zur Oper Alessandro nell’Indie Pressburg 1741 Frühes Leben Pirker wurde als Sohn des Michael Pirker († 1719), der Hofmeister des Grafen Franz Ferdinand von Kuenburg war, und der Anna Rosina Pirker († 1723) geboren. Im Jahr 1710 ist er in den Salzburger Universitätsmatrikeln, in denen auch die Schüler des Akademischen Gymnasiums eingetragen wurden, als Schüler der ersten Gymnasialklasse, als Rudimentistae, geführt. Sein Bildungsweg lässt sich dann an der Salzburger Universität weiterverfolgen. Er nahm im Studienjahr 1716/17 das für die ersten zwei Studienjahre obligatorische Philosophiestudium auf. Pirker setzte im folgenden Studienjahr 1717/18 sein Studium fort, erhielt den Magistertitel aber nicht, da er die Prüfung am 30. August 1718 nicht bestand.
Prag, Wien, Graz Als Nächstes ist er in Prag aktenkundig, wo er am 2. Februar 1728 die Sängerin Gioseffa (Josepha) Susanna Antonia Gajarek (auch Geyereck oder Geiereck, geb. Michel, * 1705) heiratete, die die Witwe des Bayreuther Hofmusikers Sigmund Martin Gajarek (1689–1723) war. Sie verstarb aber schon am 16. Januar 1734.
Er tritt danach in Wien als Komponist der Oper Bacco trionfante dall’Indie (Der aus Indien zurückkehrend-triumphierende Bacchus), welche im Oktober 1728 am dortigen Kärntnertortheater uraufgeführt wurde, in Erscheinung. Auch war Pirker am 16. Oktober 1728 Direktor der Akademie zur Erlernung des Singens und der Wälschen Sprach in Wien geworden. Danach schrieb er wahrscheinlich zwischen 1730 und 1732 noch drei Opern unter dem Pseudonym Francesco Rinaldi.Andrea Sommer-Mathis, Reinhard Strohm: Das Wiener Kärntnertortheater 1728–1748. Vom städtischen Schauspielhaus zum höfischen Opernbetrieb. Hollitzer, Wien 2023, S. 573ff. Mit seiner ersten Frau ging er 1732 kurzzeitig nach Italien.
Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er im Jahre 1735 die Sängerin Marianne Pirker geb. Gajarek (eigentlich Anna Maria Johanna, * 27. Januar 1717), die seine Stieftochter war und er mit seiner ersten Frau aufgezogen hatte. Pirker und seine Frau waren für Pietro Mingotti und seine Operntruppe (mit der sie u. a. 1736–1740 in Graz im Opernhaus am Tummelplatz gastierten) unterwegs. Pirker übersetzte vielmals italienischen Opernlibretti für die Truppe ins Deutsche. Drei seiner vier Töchter, Aloysia (* 1737; † nach 1764), Rosalia Marianne (ursprünglich getauft als Josepha Maria Anna) (* 1738; † 1812) und Ludovica (* 1741; † um 1748) wurden danach alle in Graz geboren. Im Jahr Sommer 1740 gastierte Angelos Mingottis Truppe mit den Pirkers erstmals in Hamburg, im Herbst 1740 sind die Pirkers in Berlin nachweisbar. Als Pietro mit seiner Truppe zu den Krönungsfeierlichkeiten Maria Theresias zur Königin von Ungarn 1741 in Pressburg auftrat, sind auch die Pirkers anwesend und es wurden zwei von Pirker übersetzte Opern dort aufgeführt. Im Jahr 1742 sind sie mit Pietro Mingotti in Laibach zu finden.
Italien und England 1742 lösten sich die Pirkers von den Minegottis. Beide gingen zuerst nach Italien und dann nach London. Im Jahr 1746 wurde in Bologna seine vierte Tochter Maria Victoria († nach 1771) geboren. Während Franz in London blieb, hatte seine Frau 1748 mit den Mingottis nochmals Engagements in Hamburg und Kopenhagen. Um den 19. September 1749 traf Franz mit dem Schiff aus London in Hamburg ein und reiste weiter nach Kopenhagen, wo er Anfang Oktober seine Frau wiedertraf, die inzwischen ein Engagement am Würtemberger Hof erreicht hatte.
Stuttgart und Heilbronn Nach Beendigung der Spielzeit in Kopenhagen 1750 reisten Franz Pirker und seine Frau in die württembergische Residenzstadt Stuttgart. Im Jahr 1752 ist er als Violinist und Konzertmeister am Stuttgarter Hof aktenkundig, während seine Frau dort als Sängerin tätig war. Am 16. September 1756 wurde Franz mit seiner Frau auf der Festung Hohentwiel durch Herzog Carl Eugen von Württemberg ohne Grund arretiert, da seine Frau wahrscheinlich Liebschaften von Carl Eugen mit seinen Mätressen an dessen Frau Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth ausgeplaudert hatte. Sie wurden am 10. November 1764 wieder freigelassen und nach Heilbronn verbannt. Zuletzt erteilte Franz privaten Musikunterricht in Heilbronn, auch wird er dort noch Konzertmeister genannt.
Nachkommen Seine älteste Tochter Aloysia wurde Sängerin am Würtemberger Hof. Rosalia heiratete am 28. April 1757 den Hof- und Kanzlei-Druckereibesitzer Christoph Friedrich Cotta (1724–1807). Ein Sohn aus dieser Ehe, Johann Friedrich Cotta, baute die Cotta’sche Verlagsbuchhandlung zum bedeutendsten Verlag der deutschen Klassik aus. Ein anderer Sohn war der Jurist und Jakobiner Christoph Friedrich Cotta. Die jüngste Tochter Maria Victoria heiratete 1771 den Schloßbau Ciseleur Zacharias Färber gegen den Willen Pirkers.
Werk Pirker übersetzte zwischen 1737 und 1741 mindestens 10 Operntexte ins Deutsche. Die ersten acht Opern wurde im Opernhaus am Tummelplatz in Graz aufgeführt. 1728 Bacco trionfante dall’Indie Oper (Libretto: Michelangelo Boccardi di Mazzera, Übersetzung ins Deutsche: Heinrich Rademin) 1737 Übersetzung L’Arsace von Geminiano Giacomelli (Libretto: Antonio Salvi, Giovanni Boldini) 1737 Übersetzung L’Innocenza riconosciuta von Antonio Vivaldi? (Libretto: Antonio Salvi) 1738 Übersetzung Artaserse von Johann Adolph Hasse (Libretto: Pietro Metastasio) 1738 Übersetzung L’Innocenza difesa von Antonio Vivaldi? (Libretto: Domenico Lalli) 1738 Übersetzung La vendetta vinta dall’amore (Libretto: Ippolito Zanelli) 1739 Übersetzung Lucio Papirio dittatore von Francesco Zoppis (Libretto: Apostolo Zeno) 1739 Übersetzung Rosmira (Partenope) von Leonardo Vinci (Libretto: Silvio Stampiglia) 1740 Übersetzung Alessandro in Persia von Domenico Paradies? (Libretto: Francesco Vanneschi) 1741 Übersetzung Demetrio (Pressburg 1741) von Christoph Willibald Gluck und Paolo Scalabrini (Libretto: Pietro Metastasio) 1741 Übersetzung Alessandro nell’Indie (Pressburg 1741) von Johann Adolph Hasse (Libretto: Pietro Metastasio)
Literatur
Daniel Brandenburg (Hrsg.) unter Mitarbeit von Mirijam Beier: Die Operisti als kulturelles Netzwerk. Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker. (Theatergeschichte Österreichs, Bd. X, Heft 8), 2 Bände, Wien 2021. ISBN 978-3-7001-8898-8. Mirijam Beier: Marianne Pirker – Karriere einer Sängerin im 18. Jahrhundert. (Reihe: Musik und Theater, Band 12) Königshausen & Neumann, Würzburg 2024. ISBN 978-3-8260-8189-7.
Weblinks Pirker im Österreichischen Musiklexikon online Christian Neuhuber: Die steirische Diva Marianne Pirker? Das Ende einer Legende. Blog der Historischen Landeskommission für Steiermark 06/2026 vom 15. April 2026
Einzelnachweise
Kategorie:Komponist (Barock) Kategorie:Librettist Kategorie:Geboren 1701 Kategorie:Gestorben 1786 Kategorie:Mann