mini|Musée Jean de La Fontaine in Château-Thierry (2009) mini|Hyacinthe Rigaud (1659–1743): Porträt von Jean de La Fontaine, um 1680, Öl auf Leinwand, Musée Carnavalet, Paris
Das Musée Jean de La Fontaine ist ein kommunales Kunst- und Geschichtsmuseum in Château-Thierry im französischen Département Aisne. Es ist überwiegend dem Dichter Jean de La Fontaine und seinem Werk gewidmet und befindet sich in dessen Geburtshaus. Das Museum trägt die Auszeichnungen Musée de France und Maisons des Illustres.
Geschichte Das Gebäude vor der Museumsgründung Charles de La Fontaine, der Vater des Dichters, bekleidete in Château-Thierry das Amt eines Maître des eaux et forêts (Forst- und Gewässermeister). Er erwarb das Gebäude vermutlich anlässlich seiner Heirat im Jahr 1617 oder kurz danach. Dort wurde Jean de La Fontaine am 8. Juli 1621 getauft; er war der Sohn von Charles de La Fontaine und Françoise Pidoux. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1658 erbte Jean de La Fontaine sowohl das väterliche Amt als auch das Haus. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten musste er es jedoch bereits 1676 an seinen Cousin Antoine Pintrel verkaufen und verließ Château-Thierry endgültig. Gründung des Museums (1869–1876) Im Jahr 1869 erwirkten Mitglieder der Société historique et archéologique de Château-Thierry unter der Leitung von Alphonse Barbey eine Verkaufszusage der damaligen Eigentümer, um das Gebäude vor dem Verfall zu bewahren und dort ein Museum sowie eine öffentliche Bibliothek einzurichten. Eine zu diesem Zweck eingeleitete öffentliche Subskription wurde durch den Krieg von 1870/71 unterbrochen und die zum Ankauf benötigte Summe von 16.000 Francs kam erst 1876 zusammen. Im selben Jahr erwarb die Stadt Château-Thierry das Geburtshaus und richtete dort ein Kunstmuseum ein. Den ersten Werkbestand (Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafik und Skulpturen) stiftete der Sammler Jules Maciet in den Jahren 1876 bis 1878, die Stücke wurden zunächst im getäfelten Salon des Erdgeschosses gezeigt.
Verlegungen und Wiedereröffnungen Anlässlich der Einweihung des neuen Rathauses von Château-Thierry im Jahr 1893 wurde ein Großteil der Museumsbestände dorthin überführt. Das Museum am ursprünglichen Standort wurde damit faktisch aufgelöst. Im Jahr 1898 erfolgte die Wiedereinrichtung im ersten Obergeschoss des Geburtshauses. Ab 2008 wurde mit Unterstützung des französischen Staates und des Conseil général de l'Aisne eine Restaurierung der Fassaden des unter Denkmalschutz stehenden Hôtel Particulier durchgeführt. Renovierung 2022–2026 Nach einem mehrjährigen Bau- und museografischen Umstrukturierungsprogramm wurde das Museum am 15. Januar 2026 wiedereröffnet. Es wird als kommunales Museum in einem im Jahr 1559 errichteten Hôtel particulier der Renaissance innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer betrieben. Der neu gestaltete Rundgang umfasst interaktive Stationen, restaurierte Werke sowie audiovisuelle Vermittlungsangebote. Der von der mittelalterlichen Stadtmauer und einem erhaltenen Turm begrenzte Garten ist während der Öffnungszeiten zugänglich.
Architektur Das Gebäude wurde 1559 errichtet. Die Jahreszahl war ursprünglich rechts neben dem Eingang in einen der vier die Fassade gliedernden Pilaster eingemeißelt. Es liegt zwischen Hof und Garten am Fuß des alten Schlosses (Château de Château-Thierry). Von der ursprünglichen Bauplastik haben sich unter anderem ein Fries mit Lilienmotiven über der Tür, drei Ordnungen kleiner, skulptierter Kapitelle sowie hohe, flache Gesimse erhalten. Über dem Gesims des ersten Obergeschosses befinden sich ineinander verschlungene Halbmonde – ein Motiv, das als Chiffre von Diane de Poitiers, der Mätresse Heinrichs II. bekannt ist. Der genaue Grund für dessen Verwendung an diesem Bürgerhaus ist nicht überliefert.
Die Hofseite zeigt eine zweiläufige Freitreppe aus Stein und Ziegeln mit altem Geländer sowie einen historischen Brunnen. Das ursprünglich als Kutschtor gestaltete und von Pilastern sowie einem Giebel gerahmte Hofportal wurde im Zuge einer Straßenverbreiterung entfernt und durch das heutige Gittertor ersetzt. Der im Verkaufsvertrag von 1676 beschriebene Baubestand – Wohntrakt mit Kellern und Speichern, ein turmartiges Treppenhaus, Stallungen, Taubenschlag, Backhaus und Holzschuppen – lässt sich in Teilen bis heute nachvollziehen. Der Überlieferung nach führte der Treppenturm zu La Fontaines im ersten Obergeschoss zur Straße gelegenem Arbeitszimmer. Dieses ist heute im Rundgang zugänglich. Erhalten sind außerdem eine tonnengewölbte Steintreppe, sichtbare Deckenbalken sowie Reste alter Parkett- und Terrakottafliesenböden.
Sammlung Die thematisch auf Leben und Werk Jean de La Fontaines ausgerichtete Sammlung umfasst Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafik, Skulpturen sowie Archivalien vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die Ausstellungsräume sind chronologisch nach Jahrhunderten gegliedert, ein Raum ist für Wechselausstellungen vorgesehen.
Archivalien und Erstausgaben: Zu den Beständen zählen die Taufurkunde des Dichters, eigenhändige Manuskripte und Briefe sowie Dokumente zu seinen Besitzungen um Château-Thierry und zu seinem Amt als Maître des eaux et forêts. Erhalten sind zudem zu Lebzeiten erschienene Originalausgaben, beispielsweise von 1668 (Format in-4°), 1672 sowie 1678–1694 (Format in-12°), die von François Chauveau illustriert wurden. Ebenfalls erhalten ist der große Schlüssel des Hausportals. Bildnisse La Fontaines: Das bekannteste Porträt des Dichters malte Hyacinthe Rigaud im Jahr 1690, das durch einen Stich von Gérard Edelinck weit verbreitet wurde. Von Rigauds Gemälde existieren zwei Fassungen: eine rechteckige im Museu de Montserrat und eine ovale im Musée Carnavalet. Außerdem gibt es mehrere Atelierrepliken. Eine davon sowie ein Abzug des Edelinck-Stichs befinden sich im Museum. Das Museum verwahrt außerdem eine kleine Terrakotta-Vorstudie zur Marmorstatue von Pierre Julien (vollendet 1785, heute im Louvre). Sie entstand im Auftrag des Comte d'Angiviller im Rahmen der Reihe Grands Hommes. Ebenfalls vorhanden sind ein 1799 von Louis Pierre Deseine für das Musée des Monuments Français gefertigter Terrakotta-Büstenkopf sowie das Gipsmodell der Marmorstatue von Bernard-Gabriel Seurre (1795–1867). Die Illustrationen der Fabeln stammen von Jean-Baptiste Oudry. Zwischen 1729 und 1734 fertigte er 275 Tuschzeichnungen mit Deckweiß-Höhungen auf blauem Papier (jeweils etwa 30 × 25 cm) als Vorlage für Tapisserien der Manufacture de Beauvais an. Im Jahr 1751 erwarb der Verleger Montenault den Bestand für eine illustrierte Ausgabe. Nach der Bearbeitung durch Charles-Nicolas Cochin gravierte ein rund vierzigköpfiges Kupferstecherteam die Vorlagen. Die königliche Ausgabe erschien von 1755 bis 1759 in vier Bänden. Die Originalzeichnungen wurden später in zwei Alben montiert. Ein Album wurde 1973 aufgelöst und die Blätter einzeln veräußert. Drei dieser Blätter – Les Deux Coqs, Le Paysan du Danube und Belphégor – gelangten in die Sammlung des Museums. Unter den Gemälden befinden sich Werke von Hortense Haudebourt-Lescot (Le Meunier, son Fils et l'Âne), Alexandre-Gabriel Decamps (Le Singe et le Chat, Le Rat qui s'est retiré du monde) und Jules Coignet (Le Chêne et le Roseau) sowie von Léon Lhermitte. Dessen großformatiges Gemälde La Mort et le Bûcheron hängt als Dauerleihgabe des Musée d’Orsay im Museum. Ergänzend besitzt das Museum eine kleine Ansicht von Mont-Saint-Père, die ebenfalls von Lhermitte stammt. Das kleinformatige, vom Künstler selbst gestiftete Gemälde Le Repas du jardinier stammt von Jean-Eugène Buland. Zur Sammlung zählen außerdem Werke, die sich nicht unmittelbar mit La-Fontaine befassen. Dazu gehören L'Alchimiste von David Teniers d. J., Herminie casquée von Cecco Bravo und eine Kopie nach Rubens, Le Jardin d'Amour. Der 1643 in Château-Thierry geborene und 1712 in Dijon gestorbene Maler Gabriel Revel war ein Schüler von Charles Le Brun, Mitglied der Académie royale de peinture et de sculpture, und ist mit einem 1683 entstandenen Gruppenporträt vertreten, das die dargestellten Personen bei einem Aufbruch zu einem Ball zeigt. Revel arbeitete auch für Kirchenbauten seiner Heimatstadt. Die von Félix-Sébastien Feuillet de Conches zusammengetragene Sammlung umfasst 145 westeuropäische und 200 außereuropäische Zeichnungen aus Ländern wie Deutschland, Polen, Belgien, der Schweiz, Italien, England, Ägypten, Äthiopien, China, Japan und Indien.
Literatur Alphonse Barbey: Notice historique sur la maison natale de Jean de La Fontaine à Château-Thierry. In: Annales de la Société historique et archéologique de Château-Thierry, 1870–1871. Alain-Marie Bassy: Les Fables de La Fontaine. Quatre siècles d'illustration. Promodis, Paris 1986. Dominique Brême: Mon portrait jusqu'ici ne m'a rien reproché. In: Claire Lesage (Hrsg.): Jean de La Fontaine. Ausstellungskatalog, Bibliothèque nationale de France, Paris 1995. Dominique Brême: Gabriel Revel (1643–1712), un peintre de Château-Thierry au temps de Louis XI. In: Mémoires de la Fédération des sociétés d'histoire et d'archéologie de l'Aisne, Bd. XXVI, 1982, S. 13–26. Wolfgang Drost: Jean de La Fontaine dans l'univers des arts. Richesses inconnues et inédites du Musée Jean de La Fontaine à Château-Thierry. Carl Winter Universitätsverlag, Heidelberg 1991. Frédéric Henriet: Catalogue historique et descriptif des tableaux, dessins, gravures, sculptures et objets d'art composant le Musée de Château-Thierry ou déposés à l'hôtel de ville. Château-Thierry, impr. Lacroix, 1900. (Auszug aus dem Bulletin der Société historique et archéologique de Château-Thierry, 1899) José de Los Llanos: Les illustrateurs des Contes de La Fontaine au XVIIIe siècle. In: Claire Lesage (Hrsg.): Jean de La Fontaine. Ausstellungskatalog, Bibliothèque nationale de France, Paris 1995, S. 74–95.
Weblinks
Website des Musée Jean-de-La-Fontaine Hôtel d'Ecrivain dit Maison Jean de la Fontaine
Einzelnachweise
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