Der dtv-Atlas zur deutschen Sprache ist ein zugängliches Nachschlagewerk über Geschichte, Aufbau und regionale Variation der deutschen Sprache. Er wurde von Werner König begründet und erschien erstmals 1978 im Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv). Die grafische Gestaltung der ersten Ausgaben übernahm Hans-Joachim Paul.
Das Werk behandelt unter anderem die Sprachgeschichte des Deutschen, Laut- und Formenlehre, Schrift, Wortschatz, Sprachgeografie sowie deutsche Dialekte und Umgangssprachen. Karten, Diagramme und kurze Erläuterungstexte dienen der anschaulichen Darstellung sprachwissenschaftlicher Zusammenhänge.
Insgesamt nimmt der dtv-Atlas eine Zwischenstellung zwischen wissenschaftlichem Nachschlagewerk und populärwissenschaftlicher Einführung ein: Er vermittelt sprachwissenschaftliches Wissen zuverlässig und anschaulich, ist aber vor allem für Orientierung, Überblick und allgemeinverständliche Information konzipiert und nicht als Ersatz für spezialisierte wissenschaftliche Fachliteratur gedacht.
Bis zur 17. Auflage im Jahr 2011 wurden 283.000 Exemplare sowie 20.000 CDs verkauft.
Ausgaben und Autoren Auflage Jahr Hauptautor(en) 1. 1978 Werner König 2. 1978 5. 1983 6. 1985 7. 1989 8. 1991 9. 1992 10., überarb. 1994 11. 1996 15., durchges. u. aktualis. 2005 16. 2007 17., durchges. u. korr. 2011 18., durchges. u. korr. 2015 Werner König, Stephan Elspaß, Robert Möller 19., überarb. u. korr. 2019
Kritik Die erste Auflage des dtv-Atlas zur deutschen Sprache wurde insgesamt positiv aufgenommen. Karl-Ernst Sommerfeldt bewertet sie als anschaulichen und für ein breiteres Publikum gut zugänglichen Überblick über sprachwissenschaftliche, sprachgeschichtliche und dialektologische Forschung. Besonders positiv hebt er die farbigen Karten und Grafiken zur deutschen Dialektlandschaft hervor, bemängelt jedoch, dass einzelne Beispiele hätten ersetzt werden können. Kritisch beurteilt er zudem begriffliche Unklarheiten im Einführungsteil, die fehlende Begründung der sprachgeschichtlichen Periodisierung sowie einzelne aus seiner Sicht fragwürdige oder verzerrte Erklärungen sprachlicher Entwicklungen; besonders scharf fällt seine Kritik an der Behandlung der Sprache des Nationalsozialismus und an einigen gesellschaftspolitischen Deutungen aus, die er als ideologisch geprägt versteht.Karl-Ernst Sommerfeldt: „Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache“. In: Zeitschrift für Phonetik, Sprachwissenschaft und Kommunikationsforschung. Band 34, 1981, S. 263–264.
Mehrere Linguisten haben den dtv-Atlas zur deutschen Sprache dafür kritisiert, dass er das historische Verhältnis zwischen Deutsch und Niederländisch in einer Weise darstellt, die den Eindruck erwecken kann, die niederländische Sprache habe sich als Zweig oder Abspaltung aus dem Deutschen entwickelt. Zwar bietet der Atlas insgesamt eine weitgehend zutreffende Darstellung wichtiger Entwicklungsphasen des Niederländischen, doch wurde auch ein Ausgliederungsmodell suggeriert, in dem das Niederländische implizit als ehemalige deutsche Varietät behandelt wird, die sich später zu einer eigenständigen Sprache entwickelt habe. Ähnliche Kritik wurde an der Kartographie des Atlas geäußert. So enthalten die Karten zur historischen „Ausdehnung des deutschen Sprachgebietes“ und zu den Schriftdialekten des Mittelalters auch das Mittelniederländische und Mittelfriesische in einer Weise, die den Eindruck erwecken kann, bei diesen habe es sich um deutsche Schriftdialekte gehandelt.Ute K. Boonen: „Duitsch-Dutch-Deutsch – Zum Verhältnis von (Oberländisch-)Deutsch und Niederländisch(-Deutsch)“. In: Gerd Dethlefs (Hg.): Rhein-Maas. Geschichte, Sprache und Kultur, Bd. 12. Münster: Aschendorff, 2023, S. 147–150.M. van Ackeren: Das Niederlandebild im Strudel der deutschen romantischen Literatur: das Eigene und die Eigenheiten der Fremde. Rodopi, 1992, S. 228.J. Goossens: Ausgewählte Schriften zur niederländischen und deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft, Band 22. Waxmann Verlag, 2001.
Einzelnachweise
Kategorie:Lexikon oder Enzyklopädie Kategorie:Deutsche Sprache Kategorie:Literatur (Deutsch)