mini|rechts|280px|Die Honneurs Cego (auch Zego, Caeco oder Ceco, von lateinisch caecus = blind) ist ein Kartenspiel aus der Tarock-Familie, das hauptsächlich in Baden, im Schwarzwald und am Bodensee gespielt wird. In Malsch (Landkreis Karlsruhe) hingegen wird das als Badisches Kartenspiel bezeichnete Dreierles gespielt.Dreierles auf heimatfreunde-malsch.de Abgerufen am 4. August 2022. Der Satz von 54 Karten ist dabei grundsätzlich den meisten Tarockvarianten der ehemaligen Habsburgermonarchie kompatibel (wie Königrufen), das Design der Karten erinnert aber eher an das Französische Tarock. Neben diesem (unten gezeigten) Blatt wird auch noch ein Blatt verwendet, in dem die Tarocke Tierdarstellungen zeigen. Es wird von ASS Altenburger hergestellt. Von seiner Spielweise hat Cego durch den unüblich großen Talon (der Blinde) und den Umgang damit (Aufnahme erst nach Ablegen der Karten) einen völlig eigenständigen Charakter.

Geschichte und Entwicklung Manchmal auch Badisches TarockKastner & Folkvord (2005), S. 229. und historisch auch Zeco, Zego, Zigo, Caeco,Birlinger & Pfaff (1916), S. 31. CäcoBoerschel (1915), S. 50 & 262 (als Cäcospiel). und Ceco.Chronik der Röm. kathol. Pfarrei Eschbach bei St. Peter Landkapitel Breisach am stegendreisamtal.de. Abgerufen am 22. September 2022. Der Name wird jedenfalls von romanisch c(i)ego (von lateinisch caecus) für blind abgeleitet. Cego wird als Teil des kulturellen Erbes des Schwarzwalds und der Region Baden angesehen.Cego - Regeln am cego.de. Abgerufen am 17. Mai 2020.

Nach der Niederlage von Vorderösterreich wurde 1805 ein Großteil seines Territoriums dem Großherzogtum Baden zugeteilt. Während der darauffolgenden Koalitionskriege wurden Soldaten aus Baden mit Napoleons Truppen nach Spanien entsandt, wo sie unter anderem ein neues Kartenspiel, Cascarela, eine Variante von L’Hombre, lernten. Neuere Forschungen legen nahe, dass sie Elemente dieses Spiels nach Baden mitbrachten und das Tarockspiel Dreierles modifizierten, das mit den damals in Süddeutschland noch weit verbreiteten Tarock-Spielkarten gespielt wurde.Vermutliche Herkunft am cego-online.de. Abgerufen am 17. Mai 2020. Das Ergebnis war das Spiel CegoMartin & McLeod (2018), S. 81–84, das so beliebt wurde, dass es sich zum Nationalspiel von Baden und Hohenzollern entwickelte. Dies sind die einzigen Regionen Deutschlands, in denen noch immer Tarockkarten zum Spielen verwendet werden.Cego auf pagat.com. Abgerufen am 17. Mai 2020.

Der militärische Hintergrund hierfür ist, dass das Großherzogtum Baden 1808 von Napoleon angewiesen wurde, zusätzliche Truppen in Form eines 1.733 Mann starken Regiments aufzustellen, das für die folgenden sechs Jahre auf der iberischen Halbinsel unter Generalmajor Heinrich von Porbeck eingesetzt wurde, wo es in den Schlachten bei Talavera (1809) und Vitoria (1813) sowie gegen spanische Guerilleros kämpfte. Es erlitt schwere Verluste, nur 500 Soldaten kehrten bis 1814 nach Baden zurück.Harder (1987), S. 85. Einen ausführlichen Bericht über den Einsatz des Badischen Regiments meldet 1892 von Weech in den „Badischen Neujahrsblättern“.von Weech (1892), S. 3–59.

Die erste bekannte Erwähnung spezieller Cego-Kartenpakete stammt aus dem Jahr 1852, als ein Gastronom in Karlsruhe gebrauchte Zego-Karten (Tarrok-Karten) „zu einem günstigen Preis“ zum Verkauf anbot.Karlsruhe Tagblatt, Nr. 288, Dienstag, 19. Oktober 1852, S. 1357. Die erste vollständige Beschreibung der Cego-Regeln erscheint 1860 in einer Abhandlung über Zigo, die Einzelheiten zu den Regeln für 3 und 4 Spieler sowie ein Lied enthält.P.A. (1860) Schon damals gab es zwei Solo-, zwei Gegensolo- und mehrere Zigo-Spiele, aber keine Sonderspiele wie Piccolo oder Bettel. Als Zego taucht es 1868 in einem rheinisch-schwäbischen Gedicht über das Spiel mit dem Titel Die Begischten auf.Bielefeld (1868), S. 147. 1901 wurde berichtet, dass Cego neben Sechsundsechzig, Skat, Tapp und Tarock (möglicherweise Großtarock oder Dreierles) eines der beliebtesten Pfennigspiele in Stadt Pforzheim im Großherzogtum Baden war.Stolz (1901), S. 592.

1907 gab es sowohl eine 42- als auch eine 54-Blatt Variante und es wurde als „besonders beliebt in Baden“ beschrieben.Herders Konversations-Lexikon, Bd. 8 (Spinnerei–Zz), 3. Aufl., Freiburg-im-Breisgau: Herdersche Verlagshandlung, 1907, S. 431 & 1780.Keine Regeln für ein 42-Karten-Spiel sind bekannt, aber es könnte wahrscheinlich sein, dass es ein Spiel zu dritt war, bei dem jedem Spieler 11 Karten und dem Blind 9 Karten ausgeteilt wurden; die Cego-Spiele waren „mit drei“, „mit zwei“, „zwei Blatt [einer Farbe]“, „zwei Verschiedene“ usw., da zwei Karten aus den Handkarten benötigt wurden, um den Blind zu ergänzen. 1909 wurde Cego als „das beliebteste Kartenspiel Badens“ beschrieben.H.G. (1909). „Der Mühle-Xander: eine Geschichte aus dem Schwarzwald“ in Der Volksfreund, Nr. 49. 17. Juni 1909. Karlsruhe. S. 1. 1914 verbot der badische Landtag der badischen Gendarmerie, Cego zu spielen, „aus disziplinarischen Gründen“.Protokoll des Badischen Landtags in Der Volksfreund. Nr. 26. 31. Januar 1914. S. 3.

1930 veröffentlicht Robert Hülsemann eine skizzenhafte Beschreibung der scheinbar einfacheren Regeln für Cego-Tarock, die nur drei Spiele hat.Hülsemann (1930), S. 205–206.

1932 wurde für den Atlas der deutschen Volkskunde eine Fragebogenaktion durchgeführt, die unter anderem die Frage enthielt: Welches Kartenspiel spielen die Männer Ihres Ortes am liebsten? Die Antworten, die Cego allein oder neben anderen Spielen nannten, zeichneten dabei überraschend deutlich und vollständig die Landesflächen von Baden und Hohenzollern nach. Lediglich sechs der Orte, in denen Cego überhaupt genannt wurde, liegen in Württemberg, allerdings sämtlich im Grenzgebiet zu Baden (heute Landkreis Tuttlingen). Als Grund nimmt Friedrich Schlager an, dass badische Soldaten, vor allem aber Beamte und Pfarrer während ihrer Ausbildung in den Garnisonen und Hochschulen das Spiel kennenlernten und daraufhin in alle Landesteile verbreiteten. Da Hohenzollern zum badischen Erzbistum Freiburg gehörte, erklärt sich so das Vorhandensein des Spiels in diesem Nachbarland. In den 1870er Jahren kam daneben auch Skat auf. Nach einigen Aussagen der Fragebögen von 1932 begann Skat aber vor allem nach dem Ersten Weltkrieg, Cego zu verdrängen.

Lange gab es keinen überregionale oder deutschlandweite Struktur, die die Regeln festgelegt hat. Der Verein Cego - Schwarzwald e. V. wurde am 5. April 2019 gegründet.Website des Vereins Cego - Schwarzwald e. V. Die Regeln wurden in den einzelnen Orten mündlich weitergegeben.

Schriftliche Hinweise auf Sonderspiele gibt es 1950: Piccolo, bei dem der Ansager genau 1 Stich machen muss, und Bettel, bei dem der Ansager keinen Stich machen darf.Schlager (1950), S. 296. Bis 1960 hätte die Beliebtheit des Spiels angeblich jedoch so stark abgenommen, dass es nur noch in „entlegenen, abseits gelegenen Gegenden“ in Baden und Hohenzollern zu finden war und hauptsächlich von älteren Leuten gespielt wurde.„Playing Cards Currently in Popular Use in Germany“ in Chicago Playing Card Collectors Inc, Band 7, Dezember 1960, S. 8. Zumindest auf der Baar war Cego das Spiel, das bis in die Neunzigerjahre wöchentlich in Gasthäusern und bei Familientreffen gespielt wurde von jung und alt.

1967 taucht schriftlich ein „Ramsch“-Spiel auf; wenn alle passen, ist es einfach „Räuber“ unter einem anderen Namen. Es werden keine Tarife angegeben.Gööck (1967), S. 128.Grupp (1979), S. 97. Das „Cego“-Gebot „Ein Halbe“ taucht erst in den letzten zehn Jahren in Online-Quellen auf und ist nicht allgemeingültig. Der „Ultimo“-Spiel, bei dem es allein darum geht, den letzten Stich mit dem niedrigsten Trumpf zu machen, und der seit den frühesten Regeln ein fester Bestandteil der Tarockspiele ist, erscheint 2005 in Kastner & Folkvord.Kastner & Folkvord (2005), S. 228. In den Regeln von 1860, noch von Schlager (1951) oder Dummett (1980) wird er Ultimo erwähnt. Auf der Baar wird der Räuber und der Ultimo seit Gedenken der ältesten Spieler gespielt. Hier müssen diese Sonderspiele schon seit über 100 Jahren so gespielt werden. Kartenspielexperte John McLeod verzeichnet das Spiel 1997 als „Ulti“, als er in Bräunlingen gespielt wurde. Auch die Variante Drescher, die auf der Baar als Wälderspiel belächelt wurde, hat eine jahrzehntelange Tradition.

Der Niedergang Cegos hat sich in den letzten Jahren umgekehrt, da es als traditioneller Teil der badischen und schwarzwälder Kultur angesehen wird. Das Spiel hat sich organisch entwickelt und es gibt viele regionale Varianten, aber in den letzten Jahren hat die Gründung einer Cego-Schwarzwaldmeisterschaft dazu geführt, dass offizielle Turnierregeln festgelegt wurden. Darüber hinaus werden regelmäßig Kurse und lokale Turniere abgehalten und es ist ein fester Bestandteil der „Alemannischen Woche“, die jährlich Ende September im Schwarzwald stattfindet.Cego - ein altes Kartenspiel, das eine Renaissance erlebt am schwarzwaldregion-freiburg.de. Abgerufen am 12. September 2022.

Der bekannte deutsche Wirtschaftswissenschaftler Gerold Blümle hat zum Thema „Badens Nationalspiel Cego“ geforscht, gelehrt und geschrieben"Cego soll wieder salonfähig werden" in der Badischen Zeitung, 27. April 2011. Abgerufen am 30. Mai 2020.Das badische Nationalspiel Cego bei swv-schopfheim.de. Abgerufen am 30. Mai 2020. und hat viel zur Förderung des Spiels beigetragen. Heute wird Cego vor allem in der Oberrheinischen Tiefebene gespielt,„Es geht um Cents und Emotionen“ in der Badischen Zeitung. 27. Oktober 2015. Abgerufen am 1. April 2016. dem Schwarzwald, der angrenzenden Baarniederung sowie rund um den Bodensee in der Schweiz und Österreich. Ein Projekt zur Wiederbelebung und Förderung des Spiels sowie zur Durchführung von Live- und Online-Kursen wird vom Schwarzwälder Schauspieler und Kabarettisten Martin Wangler unterstützt.Schauspieler Martin Wangler spielt ein vom Aussterben bedrohtes Kartenspiel bei bnn.de. Abgerufen am 10. August 2022.Cego, ein schwarzwälder Kartenspiel bei martin-wangler.de. Abgerufen am 8. August 2022. Cego-Kurse werden im Herbst von den regionalen Volkshochschulen Dreisamtal und Hochschwarzwald durchgeführt.Cego-Kurse bei vhs-hochschwarzwald.de. Abgerufen am 17. August 2022.

Cego wurde auch im späten 20. Jahrhundert in der Schweiz an der Grenze zu Baden gespielt.Hoffmann (1972), S. 85.

Die Karten Die 54 Karten bestehen aus 22 Trümpfen (Truck, Drogg), 16 Bildern und 16 leeren Karten.

Einundzwanzig der Trümpfe sind von 1 bis 21 durchnummeriert. Der höchste Trumpf heißt Stieß oder Gstieß und zeigt einen Spielmann.

Die restlichen Karten (Bilder und leere Karten), enthalten die französischen Farben Kreuz (Kriiz), Pik (Schippä), Herz und Karo (Egg). Dabei stellen die Bilder die Figuren König, Dame, Reiter und Bube dar. Sie können die Trümpfe nicht stechen, besitzen aber bezüglich der Gesamtpunktzahl einen großen Zählwert. Die leeren Karten besitzen weder hohen Zähl- noch Stechwert. Die roten leeren Karten besitzen die Werte 1 bis 4 (Achtung: hier ist die 1 die höchste Karte!), die schwarzen die Werte 7 bis 10.

2023 veröffentlichte die Illustratorin Anita Schwörer, Künstlername Fox, neue Motive, die einen regionaltypischen Hintergrund wie einheimische Trachten und lokale Trachten haben. Dies wurde auch in den regionalen Medien, Fernsehen und Radio SWR und Regionalzeitungen bekannt gemacht. Für Traditionalisten aber sind sie gewöhnungsbedürftig, u. a. spielt der Gstieß nun Akkordeon statt Gitarre.

mini|500px|links|Alle 22 Trümpfe

gerahmt|ohne|Die vier Kreuz-Bilder

gerahmt|ohne|Die vier leeren Karten der Kreuz-Farbe

gerahmt|ohne|Die vier leeren Karten der Herz-Farbe

Kartenwerte bei einfacher Addierung König (regional auch: Hanor) 4,5 Punkte ~5 Punkte Dame (regional auch: Gouvernante) 3,5 Punkte ~4 Punkte Reiter 2,5 Punkte ~3 Punkte Bube 1,5 Punkte ~2 Punkte Stieß (regional auch: Gstieß) 4,5 Punkte ~5 Punkte 21 (regional auch: Mund oder Mond) 4,5 Punkte ~5 Punkte