Die Airspeed Queen Wasp war ein ferngesteuertes Zieldarstellungsflugzeug des britischen Herstellers Airspeed Ltd., das ab 1937 mit zwei Prototypen erprobt wurde. Die Maschine war als Ergänzung und Ersatz der bereits bei der Royal Air Force (RAF) und der Fleet Air Arm (FAA) eingesetzten De Havilland Queen Bee vorgesehen.

Geschichte Erste Versuche mit ferngesteuerten Flugkörpern, die zur Zieldarstellung bei der Schulung von Schiffskanonieren dienen sollten, fanden während des Ersten Weltkriegs statt. Eine der ersten erfolgreichen Maschinen mit dieser Aufgabenstellung war die Fairey Queen, eine umgebaute Fairey IIIF mit einer modifizierten Flugzeugzelle. So wurde zur Verbesserung der Flugstabilität die V-Stellung und das Seitenleitwerk deutlich vergrößert. Von den drei umgebauten Maschinen ging die erste beim ersten Katapultstart im Januar 1932 nach einem Flug von 18 Sekunden verloren. Im April 1932 stürzte die zweite Fairey Queen 25 Sekunden nach dem Start von der HMS Valiant ab. Das dritte Exemplar wurde daraufhin mit einem verbesserten Seitenleitwerk ausgerüstet, das den Einfluss des Schwimmerfahrwerks ausgleichen sollte. Nach erfolgreichen Einsätzen ab September 1932, wurde die letzte Fairey Queen im Mai 1933 bei Schießübungen der HMS Sussex oder HMS Shropshire im Mittelmeer zerstört.H. A. Taylor: Fairey Aircraft since 1915. Naval Institute Press, 1988, S. 154–157.

Das Standardluftfahrzeug der Royal Navy zur Zieldarstellung war ab 1935 die De Havilland Queen Bee, die ebenfalls mit Schwimmern ausgerüstet per Katapult von Schiffen gestartet werden konnte. Betreiber der Flugzeuge waren Gunnery Co-operation Flights der Navy und die 1, 2 und 3 Anti-aircraft Co-operation Units der Royal Air Force. Wegen der geringen Geschwindigkeit der Queen Bee von 160 km/h betrachtete man dieses Muster jedoch als nicht repräsentativ für die tatsächlichen Bedingungen im aktiven Einsatz. Bereits 1935 erhielt deshalb Airspeed die Aufforderung zur Abgabe der Bewerbung entsprechend den Anforderungen der Air Ministry Specification Q.32/35. Hierin wurde eine „Hochleistungsmaschine“ gefordert, die auf Schiffen untergebracht und von dort startfähig sein sollte. Sie sollte außerdem mit klappbaren Tragflächen ausgerüstet sein und die Umrüstung von Land- zu Schwimmerfahrwerk sollte auf einfache Art möglich sein.

Bereits neun Monate nach Beginn der Konstruktionsarbeiten flog der Prototyp im Juni 1937 zum ersten Mal. Als Antrieb wählte das Konstruktionsteam den Wolseley Scorpio Mk.2, ein Neunzylinder-Sternmotor mit 250 PS, aus, der den kleinsten und billigsten Motor für das kleine Doppeldeckerflugzeug darstellte. Nach Schließung des Wolseley-Motorenwerks, musste die Queen Wasp für den 350 PS leistenden Armstrong Siddeley Cheetah 9 umkonstruiert werden.

Zwei Prototypen wurden mit der K8887 (Radfahrwerk) und der K8888 (Schwimmerfahrwerk) fertiggestellt, wonach die K8887 am 11. Juni 1937 zum erfolgreichen Erstflug startete. Die K8888 führte im November 1937 auf der HMS Pegasus erste Schiffs-Katapultversuche durch. K8887 wurde 1940 bei einem deutschen Luftangriff und K8888 am 20. März 1941 bei einem Unfall zerstört. In einer kleinen Fabrik in Langstone Harbour wurden unter der Leitung von Tom Laing, einem der Gründer von Airspeed, fünf Exemplare (P5441 bis P5445) der Queen Wasp gebaut und bis April 1940 geliefert. Der verbleibende Rest des Bauauftrags über 90 Exemplare wurde storniert.

Konstruktion Die Struktur der Queen Wasp war hauptsächlich eine Holzkonstruktion. Der Vorderrumpf, der aus Kiefer- und Sperrholz zusammengesetzt war, bildete den Anschlagsbereich für die obere und untere Tragfläche. Der hintere Rumpf war in Halbschalenbauweise ausgeführt. Die Tragflächen waren stark zugespitzt, mit Sperrholz beplankt und jeweils mit einer Strebe auf beiden Seiten untereinander verbunden.

Die Steuerung für den Langsamflug war komplex. Airspeed hatte bereits 1934 umfassende Forschungsarbeiten hierzu mit einer modifizierten Courier (RAF-Seriennummer K4047) durchgeführt. Sie besaß im Außenbereich Querruder, weiter innen dann Spaltklappen sowie Spreizklappen (damals Schrenk-Klappen genannt) im Innenbereich. Zusätzlich konnten die Querruder symmetrisch abgesenkt zusätzlich als Landeklappen eingesetzt werden. Zusätzliche Erkenntnisse konnten auch durch die Projektarbeiten an der nicht gebauten AS.27 gewonnen werden, die im Langsamflug zur Küstenüberwachung verwendet werden sollte.

Die Flugsteuerung wurde mit einem Steuerknüppel und Ruderpedalen bedient. Eine Reihe von Zahnradwellen am hinteren Tragflächenholm überträgt die Bewegungen über Hebel an die automatic pilot unit. Im bemannten Flug? wurden die Steuerflächen über Kabel- und Kettenverbindungen bewegt. Das grundlegende Medium für die Steuerung im unbemannten Flug war ein vom Luftstrom angetriebenes Gyroskop. Ähnlich wie bei der De Havilland Queen Bee erfolgte die Weitergabe der eingehenden Funkimpulse in Form eines Morsecodes als elektrisches Signal an ein Relais. Dieses aktivierte über Druckluft einen von mehreren Kolben, der auf das Gyroskop wirkte. Die Veränderung der Präzession öffnete ein Ventil zu einem pneumatischen Servomotor, dessen Kolben über eine mechanische Verbindung das Seiten- oder Höhenruder bewegte. Im unbemannten Flug konnten die Querruder nicht bewegt werden. Für die Leistungssteuerung gab es die Stufen „Voll offen“, „Dauerleistung“ und „Geschlossen“. Den benötigten Luftdruck für das Gyroskop und die pneumatischen Steuerelemente lieferte ein am Rumpf der Maschine angebrachtes Windrad.

Geplante Weiterentwicklung Es gab Planungen zur Weiterentwicklung in zwei Richtungen: AS.38, Communications aircraft AS.50, Schulflugzeug nach Air Ministry Specification T.24/40 Keines der beiden Projekte wurde verwirklicht.

Technische Daten Kenngröße DatenD. H. Middleton, 1979, S. 184H. A. Taylor, 1991, S. 94 Besatzung unbemannt (optional 1) Länge ü. a. 7,42 m (Landflgz.); 8,85 m (Wasserflgz.) Spannweite 9,45 m; 3,65 m (Tragflächen beigeklappt) Höhe 3,05 m (Landflgz.); 3,94 m (Wasserflgz.) max. Startmasse 1588 kg (Landflgz.); 1742 kg (Wasserflgz.) Marschgeschwindigkeit 243 km/h in 3000 m Höhe Höchstgeschwindigkeit 277 km/h in 2500 m Höhe Dienstgipfelhöhe 6100 m Reichweite ? km oder NM Triebwerke 1 × Siebenzylinder-Sternmotor Armstrong Siddeley Cheetah IX mit 350 PS

Siehe auch Liste von Flugzeugtypen

Literatur D. H. Middleton: Airspeed’s Clay Pigeon. In: Aeroplane Monthly, April 1979, S. 172–177, 184. H. A. Taylor: Airspeed Aircraft since 1931. Putnam, 1991, ISBN 0-85177-848-8, S. 89–94.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Zieldarstellungsdrohne Kategorie:Erstflug 1937