Die Hutan-Weißzahnspitzmaus (Crocidura hutanis) ist eine Spitzmausart aus der Gattung der Weißzahnspitzmäuse (Crocidura). Sie ist auf Sumatra endemisch.
Merkmale Die Hutan-Weißzahnspitzmaus hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 72–83 mm, eine Schwanzlänge von 51–61 mm, eine Ohrlänge von 7–8 mm, eine Hinterfußlänge von 13,3–15 mm und ein Gewicht von 10–12 g. Das kurze Rückenfell ist an der Haarbasis schiefergrau, zu den Spitzen hin wird es dunkelbraun. Die Bauchseite ist etwas grauer oder schokoladenbraun. Die unbehaarten Bereiche an Gesicht und Füßen sind dunkelbraun bis schwärzlich. Der relativ kurze Schwanz ist mit sehr kleinen Schuppen und einigen längeren Borstenhaaren bedeckt, die 30–40 % der Schwanzlänge erreichen können. Die Hinterfüße sind groß. Der verlängerte, schlanke Schädel hat einen deutlich sichtbaren Nackenkamm und weist ein sehr flaches Profil auf. Der erste Schneidezahn ist etwa doppelt so groß wie der erste Schneidezahn der ähnlich großen Sumatra-Langschwanz-Weißzahnspitzmaus (Crocidura paradoxura), deren Gebiss insgesamt ebenfalls kräftiger ausgebildet ist als bei der Hutan-Weißzahnspitzmaus. Der erste obere einhöckerige Backenzahn ist deutlich größer als der zweite und dritte einhöckerige Backenzahn. Der Unterkiefer besitzt einen relativ kurzen Winkelfortsatz. Die größte Schädellänge beträgt 21,6–23,1 mm. Der Chromosomensatz beträgt 2n = 36–38.
Systematik mini|Altes Museumsexemplar aus dem Naturalis Biodiversity Center Ein frühes Exemplar aus Sumatra mit beschädigtem Schädel wurde 1888 von Fredericus Anna Jentink irrtümlich der Dickschwanz-Weißzahnspitzmaus (Crocidura brunnea) zugeordnet, obwohl es nicht die Merkmale dieser Art aufweist. Erst 1995 untersuchte Manuel Ruedi den Schädel und stellte fest, dass er wesentlich kleiner als der von der Crocidura brunnea aus Java war, woraufhin er das Exemplar einer neuen Art, Crodura hutanis, zuordnete. Die Hutan-Weißzahnspitzmaus gehört zu einem Artenkomplex, der zudem Crocidura beccarii, Crocidura lepidura, Crocidura paradoxura und Crocidura vosmaeri von Sumatra sowie Crocidura brunnea und Crocidura orientalis von Java umfasst. Die Art ist monotypisch.
Verbreitung Die Art lebt in Sumatra Utara, wo sie offenbar weit verbreitet ist; möglicherweise kommt sie in weiteren Teilen der Insel vor.
Lebensraum Die Art ist hauptsächlich aus Tieflandregenwäldern in Höhenlagen von 300–600 m bekannt. Im Gunung-Leuser-Nationalpark wurden Hutan-Weißzahnspitzmäuse in einem sich regenerierenden Tieflandregenwald mit dichter Bodenvegetation und verstreut liegenden, verrottenden Baumstämmen gefunden. Wahrscheinlich kommt sie parapatrisch mit der im Gebirge lebenden Beccari-Weißzahnspitzmaus (Crocidura beccarii) vor; eine Höhentrennung der beiden Arten muss jedoch noch dokumentiert werden.
Lebensweise Hutan-Weißzahnspitzmäuse leben terrestrisch. An den Fundorten, wo die Art gefangen wurde, gab es eine große Zahl von Heuschrecken, die potenziell als Beutetiere dienen könnten. Für eine genaue Bestimmung der Nahrung sind jedoch noch detaillierte Untersuchungen erforderlich. Über die Fortpflanzung und die Aktivitätsmuster liegen keine Informationen vor.
Gefährdungsstatus und Schutz Auf der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN wird die Art als „nicht gefährdet“ (Least Concern) eingestuft. Die relative Häufigkeit und die Populationsgröße der Hutan-Weißzahnspitzmaus sind unbekannt. Nach Ansicht von Manuel Ruedi könnte sie 1995 jedoch recht weit verbreitet gewesen sein. Die Art könnte durch Entwaldung bedroht sein, obwohl ihre Anpassungsfähigkeit an anthropogen geprägte Lebensräume wie die sich rasch ausbreitenden Ölpalmenplantagen bislang nur unzureichend untersucht wurde. Die Hutan-Weißzahnspitzmaus kommt zumindest im Gunung-Leuser-Nationalpark und möglicherweise auch in einigen anderen Schutzgebieten vor.
Literatur
Weblinks
Kategorie:Weißzahnspitzmäuse Kategorie:Endemisches Tier Sumatras