Bei der Orientierungsstörung über die eigene Person (autopsychische Orientierung, Orientierung zur Person, engl. autopsychic orientation, orientation in person) wird die persönliche lebensgeschichtliche Situation durch einen Patienten nicht oder nur ungenau gewusst. Es handelt sich um ein psychopathologisches Symptom.Uwe Henrik Peters: Lexikon Psychiatrie. 7. Auflage. Elsevier, München 2017, ISBN 978-3-437-15063-0, S. 420

Beschreibung Orientierungsstörungen über die eigene Person können alle wichtigen autobiographischen Fakten, bezogen auf die Vergangenheit und Gegenwart, umfassen.Rolf-Dieter Stieglitz, Achim Haug: Das AMDP-System. Manual zur Dokumentation des psychischen Befundes. 11. Aufl. 2023, hogrefe, ISBN 978-3-8017-3193-9, S. 60. Der Patient kennt sein Lebensalter und seinen sozialen Kontext, z. B. seinen Beruf nicht. Er weiß seinen Namen, seinen Geburtstag, seine Wohnadresse nicht, und wie viele Kinder er hat. Die Orientierungstörung zur PersonLudger Tebartz van Elst et al.: . 7. Auflage. Elsevier, München 2024, ISBN 978-3-437-22487-4, S. 35. ist im umfassenden Sinne eine Störung der Selbstvergegenwärtigung.Christian Scharfetter: Allgemeine Psychopathologie. Eine Einführung . 8., unveränderte Auflage. Thieme, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-13-243844-6, S. 116. Es handelt sich hierbei um festes vorhandenes Wissen, nicht um zu erinnernde Tatsachen. Das Wissen um z. B. den Beruf ist üblicherweise immer abrufbar bereit.Achim Haug: . 8. Auflage. Springer, Berlin 2017, ISBN 978-3-662-54665-9, S. 44.

Wahnhafte oder halluzinatorisch bedingte Fehlorientierungen werden unter Wahn, nicht unter einer Orientierungsstörung eingeordnet.

Orientierung bedeutet in der Psychiatrie das Bescheidwissen über Zeit, Ort, Situation und Person. Aufgehobene Orientierung wird als Desorientierung bezeichnet. Hierbei sind zeitliche und situative Orientierung meist als erste betroffen, die autopsychische als letzte. „Die große Mehrzahl der Patienten kann also in akuten körperlich begründbaren Psychosen noch Namen, Wohnort mit Straße und Hausnummer, Geburtsdatum, Beruf und Zahl der Kinder richtig angeben, nicht aber Jahreszahl und Monat, Aufenthaltsort und Name des Gebäudes.“(Huber 2005)Gerd Huber: Psychiatrie. 7. Auflage. Schattauer, Stuttgart 2005, ISBN 3-7945-2214-1, S. 50.

Einordnung Im AMDP-System (System zur Erstellung des psychiatrischen Befundes) findet sich die autopsychische Orientierungsstörung unter Nr. 8 bei den Orientierungsstörungen.

Diagnose Das Syndrom wird in der psychiatrischen Untersuchung, im Gespräch zwischen Arzt und Patient, diagnostiziert. Es ergibt sich manchmal direkt aus dem Gesprächsverlauf. Es wird jedoch kaum vom Patienten spontan berichtet, vor allem, wenn die Symptomatik gering ausgeprägt ist. Man kann dann z. B. folgende Fragen stellen: „Sagen Sie mir bitte, wann und wo Sie geboren sind und wo Sie zurzeit wohnen?“ „Sind Sie verheiratet?“ „Was machen Sie beruflich?“Erdmann Fähndrich, Rolf-Dieter Stieglitz: Leitfaden zur Erfassung des psychopathologischen Befundes. 6. Auflage. hogrefe, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8017-3114-4, S. 68.

Da Fragen nach Orientierungsstörungen vom Patienten als peinlich erlebt werden können, muss dem Patienten erklärt werden, warum es notwendig ist, diese Fragen dennoch zu stellen.

Ursachen Bei schwerer Bewusstseinstrübung, fortgeschrittener Demenz, Delir und anderen schweren organisch begründeten Störungen.

Behandlung Diese erfolgt im Rahmen der Behandlung der Grundkrankheit.

Literatur

Siehe auch Orientierung situative Orientierungsstörung zeitliche Orientierungsstörung örtliche Orientierungsstörung Gedächtnisstörung Zeitgitterstörung: persönliche Erinnerungen können schlecht oder nicht im Zeitablauf eingeordnet werden. Dies ist eine Gedächtnisstörung.

Einzelnachweise

Kategorie:Psychopathologisches Symptom