mini|François de Troy (1645–1730) – Porträt von François d’Orbay. Cherbourg-Octeville, Musée Thomas Henry François d’Orbay (* 1634 in Paris; † 4. September 1697 ebenda) war ein französischer Architekt, Zeichner und Kupferstecher.

Leben François d’Orbay wurde im Jahr 1634 in Paris geboren. Er war der Sohn des Baumeisters François d’Orbay des Älteren und dessen Frau L. Dufresnoy. In der Familiengenealogie wird er deshalb gelegentlich auch als François II. d’Orbay bezeichnet. Er wohnte zunächst in der Rue Montmartre und später im Hôtel de Longueville in der Rue des Poulies. Vermutlich ab Mitte der 1650er Jahre war d’Orbay Schüler des Architekten Louis Le Vau. Der erste dokumentierte Beleg seiner Tätigkeit stammt aus einer Rechnung Le Vaus über 600 Livres vom 29. Dezember 1659 an Dorbay. In jenem Jahr arbeitete er am Neubau des Schlosses von Vincennes, dessen Triumphbogen von Jean Marot gestochen wurde. Im Jahr 1660 schickte Le Vau ihn zum Studium nach Rom, wo er Denkmäler aufnahm und zwei nicht ausgeführte Entwürfe für eine Treppenanlage vor der Kirche Santissima Trinità dei Monti anfertigte. Nach seiner Rückkehr nach Paris – vermutlich noch im Jahr 1660 – wurde er Le Vaus aktivster Mitarbeiter auf dessen Pariser Baustellen (Louvre, Tuilerien, Collège des Quatre-Nations) sowie in Versailles (Enveloppe, Trianon de Porcelaine, Ménagerie, Thetis-Grotte).

Im Jahr 1663 erhielt François d’Orbay eine offizielle Anstellung bei den Bâtiments du Roi und bezog ab 1664 ein eigenes Einkommen als Architecte des bâtiments du roi. Am 18. Dezember 1671 gehörte er zu den Mitbegründern der Académie royale d’architecture. Nach Le Vaus Tod am 11. Oktober 1670 übernahm François d’Orbay laut AKL faktisch die Leitung der Bâtiments du Roi. Er fertigte Zeichnungen für Versailles (Schloss, Park, neue Stadt) sowie für Saint-Germain-en-Laye an. Mit dem Aufstieg von Jules Hardouin-Mansart, der ab 1676 als premier architecte fungierte, wurde François d'Orbay von den großen königlichen Baustellen zunehmend verdrängt. Fortan agierte er überwiegend als Bauleiter unter Hardouin-Mansart, etwa beim Kapuzinerkloster an der Place Vendôme in Paris (1686). Bis zu seinem Tod blieb er jedoch für kleinere Baumaßnahmen zuständig, insbesondere am Louvre, in Fontainebleau, am Schloss Chambord und am Collège Mazarin, dessen Architekt er 1670 geworden war. mini|Entwurf von François d’Orbay für die Treppenanlage vor der Kirche Trinità dei Monti in Rom, 1660 Ab 1676 wurde François d’Orbay wiederholt als Zeichner beauftragt, Gebäude aufzunehmen, unter anderem in Fontainebleau (1676–1678), Chambord (1680–1685), der Abtei Le Lys (1682), im Palais-Royal (April 1692), in Vincennes (September 1692) und am Pariser Observatorium (November 1692). Ein Teil dieser Zeichnungen diente als Vorlage für eine von Israël Silvestre begonnene, aber unvollendete Folge von Kupferstichen der königlichen Residenzen. Einige Blätter (Blois und Compiègne, 1677; Fontainebleau, 1682) stach d’Orbay selbst. Außerhalb der königlichen Verwaltung erhielt d’Orbay nur wenige, überwiegend sakrale Aufträge: den Neubau der Église des Prémontrés im Pariser Faubourg Saint-Honoré für Anne d’Autriche (1661–1663, nicht erhalten), Altarentwürfe für die Kapelle Saint-François-de-Sales in der Kirche Saint-Jean-en-Grève (März 1676) und für die Kapelle du Saint-Sacrement in Saint-Eustache (April 1682), beide in Paris, sowie eine Kapelle im Lyoner Kloster der Karmeliterinnen de la Croix-Rousse für den Duc de Villeroy (vermutlich 1682, nicht erhalten). Nicht näher identifizierte Arbeiten führte er 1683/84 im Benediktinerkloster von Bourgueil (Indre-et-Loire) für den Marquis de Louvois aus (nicht erhalten). François d’Orbay starb am 4. September 1697 in Paris. Sein Nachlassinventar wurde am 18. September 1697 vor dem Notar des Minutier central (ét. LXXXVI, 469) erstellt.

Werk mini|Grundriss des ersten Obergeschosses der Enveloppe von Schloss Versailles, um 1676–1680; das Appartement des Königs ist blau, das der Königin gelb markiert. National Museum, Stockholm, Cronstedt Collection Zu den nach François d’Orbays Entwürfen ausgeführten oder ihm zugeschriebenen Bauten zählen: Schloss Chambord: Umgestaltungsarbeiten 1680–1685; ein Kapellenprojekt wurde nicht ausgeführt. Schloss Fontainebleau: Neubau eines Hundezwingers 1676 (nicht erhalten); ein Ermitage-Projekt wurde nicht ausgeführt. Montauban, Kathedrale: ursprünglicher Baukörper ab 1691, nach d’Orbays Tod verändert weitergeführt. Paris, Quai de Conti: Fertigstellung des Collège Mazarin (heute Palais de l’Institut), 1670–1688. Palais du Louvre, Paris: Umgestaltungsarbeiten 1670–1697 (nicht erhalten); ein 1692 entworfenes Projekt zur Unterbringung der königlichen Akademien wurde nicht ausgeführt. Paris, 14, Rue de l’Ancienne-Comédie: Théâtre des Comédiens français, 1687/88 (Reste erhalten). Schloss Saint-Germain-en-Laye: Appartement der Madame de Montespan, 1673 (nicht erhalten). Versailles, Schloss: Vollendung der Enveloppe, des Appartements des Bains (nicht erhalten) und der Escalier des Ambassadeurs (nicht erhalten), alle 1670–1676; Umgestaltung des Parterre d’Eau im Park, 1672. Paris, Rue de la Chancellerie: Hôtel de la Chancellerie, 1673–1677, gemeinsam mit François d’Orbay dem Älteren. Nach d’Orbays Zeichnungen errichtete der Architekt Charles Augustin d’Aviler den Arc de Triomphe du Peyrou in Montpellier. Zeichnerische und druckgrafische Werke sowie Pläne befinden sich unter anderem in der Bibliothèque nationale de France und den Archives nationales in Paris, in der Bibliothek des Institut de France, in der Bibliothèque historique de la Ville de Paris sowie im Nationalmuseum Stockholm.

Literatur Albert Laprade: François d’Orbay, architecte de Louis XIV. Éditions Vincent, Fréal et Cie., Paris, 1960. Louis Hautecœur: Histoire de l’architecture classique en France. Tome II: Le règne de Louis XIV. A. Picard, Paris, 1948. Louis Hautecœur: „L’auteur de la colonnade du Louvre“, Gazette des Beaux-Arts. 5. Série, Bd. 9, 1924, S. 151–168. Louis Hautecœur: „François d’Orbay“, Journal des Savants. 1960, Nr. 2, S. 59–66. Robert W. Berger: The Palace of the Sun: The Louvre of Louis XIV. Pennsylvania State University Press, University Park, 1993. Frédéric Tiberghien: Versailles. Le chantier de Louis XIV, 1662–1715. Perrin, Paris, 2002. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 4: Cossintino – Dyck. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009.

Weblinks

Review: François d'Orbay architect de Louis XIV by Albert Laprade, Nicole Bourdel, Jean Lafond; Jules Hardouin Mansart by Pierre Bourget, Georges Cattaui

Einzelnachweise

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