Aus einem Briefe ist ein dramatisches Gedicht von Heinrich Heine das als fünftes im Zyklus Romanzen als Teil der Neuen Gedichte 1844 erschienen ist.
Inhalt Das Gedicht besteht aus 6 Teilen mit jeweils verschiedenen Sprechern und mit jeweils verschiedenen Strophenformen. Zunächst fragt die Sonne: „Was gehn dich meine Blicke an?“ Dann erwidern der Dichter, die Chöre der Affen, der Frösche und der Maulwürfe und zuletzt das Glühwürmchen aus ihren verschiedenen Perspektiven und erörtern ihr Verhältnis zur Sonne. Der Dichter, der aus seiner ewigen Seelenjugend heraus früher dem Blick der Sonne stand gehalten hat, fühlt nunDieses und die folgenden Zitate (wo nicht anders vermerkt) nach dem Text des Erstdrucks. […] ein Ermatten Der Sehkraft, und es sinken nieder, Wie schwarze Flöre, nächt’ge Schatten Auf meine armen AugenliederSo in beiden überlieferten Handschriften und im Erstdruck. Neue Ausgaben haben „Augenlider“.…
Eines der Symptome von Heines Krankheit waren zunehmende Sehstörungen und Schwäche des Augenlids, gegen Ende war Heine fast blind. Dann folgen die Affen, die „glotzen und gaffen“, die Frösche quaken: Im Wasser, im Wasser, Da ist es noch nasser
und der Chor der Maulwürfe spürt von den Sonnenblicken „nur ein warmes Jücken“, worauf sie sich zu kratzen pflegen. Zuletzt kündet das Glühwürmchen von seiner Bedeutung:
Wie sich die Sonne wichtig macht, Mit ihrer kurzen Tagespracht! So unbescheiden zeig’ ich mich nicht, Und bin doch auch ein großes Licht, In der Nacht, in der Nacht!
Überlieferung
Das Gedicht liegt in zwei stark voneinander abweichenden Handschriften vor. Die spätere entspricht dabei der Druckfassung, die frühere war gefaltet wie ein Brief, ist aber ohne Anschrift. Sie hat als Titel die Eingangszeile „Was gehn dich meine Blicke an!“, als Untertitel Ein Mysterium in einem Aufzuge und neben einer Personenliste als ergänzenden Hinweis „Das Stück spielt während dem Guizotschen Ministerium 1841“, woraus sich als terminus post quem für die Entstehung der Fassung der 29. Oktober 1840 ergibt. In dieser älteren Fassung fehlt außerdem der letzte Teil, in dem das Glühwürmchen spricht. Stattdessen finden sich dort die Zeilen:
Ein krankes Nachtlämpchen tritt auf, denkt an die Asche von Napoleon und erlischt, ohne ein Wort zu sagen. Man hört in der Ferne eine traurige Musik von Meyerbeer oder Halevy. Der Vorhang fällt (NB. ohne sich zu beschädigen.)
Napoleons Leichnam wurde nach der Überführung von St. Helena am 15. Dezember 1840 im Invalidendom in Paris beigesetzt.
Schließlich ist in der älteren Fassung der zweite Sprecher nicht der „Dichter“, sondern durchaus Heines Selbsteinschätzung entsprechend ein „erblindender Adler“.
Ausgaben Erstdruck: Aus einem Briefe. In: Neue Gedichte von H. Heine. Hoffmann und Campe, Hamburg 1844, S. 172–174.
Werkausgaben: Aus einem Briefe. In: Düsseldorfer Heine-Ausgabe. Band 2: Neue Gedichte. Bearbeitet von Elisabeth Genton. Hoffmann & Campe, Hamburg 1983, ISBN 3-455-03002-5, S. 77f. Aus einem Briefe. In: Heine-Säkularausgabe Band 2 : Gedichte 1827-1844 und Versepen. Hrsg. von Irmgard Möller und Hans Böhm. Akademie Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-05-005297-X, S. 70f.
Literatur Irmgard Möller, Hans Böhm: Heinrich Heine Säkularausgabe Band 2. Gedichte 1827-1844 und Versepen. Kommentar I. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-005299-6, S. 324–328.
Weblinks
Aus einem Briefe im LiederNet Archive
Einzelnachweise Irmgard Möller, Hans Böhm: Heinrich Heine Säkularausgabe Band 2. Gedichte 1827-1844 und Versepen. Kommentar I. Akademie Verlag, Berlin 1995, S. 324–328.
Kategorie:Gedicht Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Werk von Heinrich Heine Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Sonne in der Kultur