Die geheimnisvolle Minusch (niederländischer Originaltitel: Minoes) ist ein niederländisches Kinderbuch der Autorin Annie M. G. Schmidt aus dem Jahr 1970.

Inhalt Tibbe ist ein junger und schüchterner Reporter bei der Lokalzeitung von Killstadt (im Original Killendoorn), der am liebsten über Katzen schreibt. Seinem Chef gefällt dies jedoch gar nicht und er droht Tibbe mit der Kündigung. Dieser trifft daraufhin eine geheimnisvolle junge Frau mit roten Haaren und schräg stehenden Augen, die sich als Minusch (im Original Minoes) vorstellt. Minusch war einmal eine Katze, die nach dem Verzehr von Abfällen eines chemischen Untersuchungslabors zur Frau wurde. Trotz ihres menschlichen Aussehens, hat sich Minusch viele ihrer kätzischen Eigenschaften bewahrt, so versteht sie weiterhin die Katzensprache, klettert auf den Dächern herum und schläft in einem Pappkarton.

Sie nistet sich bei dem erfolglosen Reporter ein und beginnt ihn mit ihrem Katzenpresse-Nachrichtendienst bei seiner Pressearbeit zu unterstützen. Über ihre Katzenfreunde erfährt Minusch und damit auch Tibbe von wichtigen lokalen Ereignissen, wie dem Dienstjubiläum eines Lehrers, der Eröffnung eines Schwimmbades und der Erweiterung der Deodorantfabrik von Herrn Ellenmaß (im Original Ellemeet). Minusch ist weiterhin sehr mit ihrem alten Leben als Katze verbunden und kümmert sich um die Katze Schluderpuss (im Original Jakkepoes), die ihre Jungen in einem alten Wohnwagen aufzieht. Da sie ihr katzenhaftes Verhalten auch in der Öffentlichkeit nicht ablegt, wird sie gedrängt, sich zwischen dem Leben als Katze und als Mensch zu entscheiden.

Herr Ellenmaß, der als gut angesehener Bürger gilt, wird von Minuschs Katzenfreunden dabei beobachtet, wie er den Verkaufswagen des Fischverkäufers umfährt und Fahrerflucht begeht. Als Tibbe hierüber einen Artikel schreibt, wird er entlassen. Minusch, die Katzen und Minuschs jugendliche Freundin Bibi, planen daraufhin einen Rachefeldzug gegen den Fabrikdirektor, der zuvor bereits Schluderpuss verletzt hatte. Sie provozieren ihn und seinen Hund Mars bis dieser auf die Katzen losgeht und Bibi eine Ohrfeige gibt. Bei einem Festakt des Tierschutzvereins, zu dessen Vorsitzendem Herr Ellenmaß ernannt werden soll, zeigt Bibi den versammelten Bürgerinnen und Bürgern Dias von Fotografien, die sie heimlich bei Herrn Ellenmaß' Angriff auf Minusch, die Katzen und sie selber gemacht hatte. Die Anwesenden sind entsetzt.

Minusch verschwindet aus der Menge und trifft sich mit ihrer Schwester, die ihr eine Drossel bringt. Diese soll Minusch essen, um wieder die Gestalt einer Katze annehmen zu können. Minusch wendet sich jedoch angewidert ab und kehrt zu Tibbe und Bibi zurück. Am Schluss wird angedeutet, dass Tibbe und Minusch vielleicht mehr als nur der Katzenpresse-Nachrichtendienst verbindet.

Zum Werk In den Niederlanden ist Die geheimnisvolle Minusch als Kinderbuch bis heute sehr erfolgreich. Bereits 1955 hatte Annie M. G. Schmidt die Idee der Verwandlung einer Katze in eine junge Frau in einem Gedicht in ihrer Veröffentlichung Ik ben lekker stout (Ich bin fein unartig) verarbeitet. Sie erhielt für Die geheimnisvolle Minusch, das 1970 erstmals im Exilverlag Querido erschien, 1971 den niederländischen Literaturpreis Zilveren Griffel. Cover und Textillustrationen stammten vom Amsterdamer Illustrator Carl Hollander (1934–1995). Im selben Jahr erschien die deutsche Übersetzung des Buches. 1972 wurde Die geheimnisvolle Minusch für den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Kinderbuch nominiert. Die Jury hob bei der Nominierung die ungewöhnlich fantasievolle Erzählung und die witzigen karikierenden Zeichnungen hervor.

Bettina Kümmerling-Meibauer sieht in Die geheimnisvolle Minusch insbesondere ein Beispiel für die antiautoritäre Kinderliteratur der 1970er Jahre. Bezeichnend hierfür sei vor allem die deutliche Kritik an der bürgerlichen Welt, im Buch vertreten durch den Fabrikdirektor Herrn Ellenmaß, der zwar als Honoratior des Ortes in Erscheinung trete, dessen Wesen und Handeln jedoch trotzdem zu hinterfragen sei. Das damals zeitgemäße Setting einer kleinen niederländischen Gemeinde mit Problemen der Erwachsenenwelt, verbunden mit dem märchenhaften Aspekt der in eine Frau verwandelten Katze, ließe Anklänge an die Märchen Hans Christian Andersens erkennen und sei dennoch zeitgemäß für junge Leserinnen und Leser gewesen.

Das Zusammentreffen zweier Welten wird im niederländischen Originalbuch zudem durch die Verwendung von genauer Hochsprache und Alltagssprache immer wieder konterkariert. So erreicht Die geheimnisvolle Minusch eine ironisch-komödiantische Ebene, die sich auch in diversen Missverständnissen und Verständnisproblemen zwischen der Welt der Katzen und der Welt der Menschen zeigt. So ist es für Minusch unbegreiflich, dass Katzen keine Vögel fangen sollen, aber Menschen Geflügel essen dürfen.

Deutsche Übersetzungen Wie auch Annie M. G. Schmidts Kinderbuch Pluck mit dem Kranwagen, übersetzte Rosel Oehlke Die geheimnisvolle Minusch ins Deutsche. Das Kinderbuch erschien erstmals 1971 als gebundene Ausgabe beim damaligen Verlag Friedrich Oetinger (heute Medienhaus Oetinger). Das Cover sowie die Textillustrationen von Carl Hollander wurden für die deutsche Erstausgabe übernommen.

2003 erschien eine neue Übersetzung von Silke Schmidt. Diese Übersetzung, die als gebundene Ausgabe bei Oetinger erschien, wurde von Karsten Teich illustriert.

Vielen der Namen wurden bedeutungsgemäß übersetzt, so etwa Meneer Ellemeet zu Herr Ellenmaß. Es finden sich jedoch auch lautmalerische Übertragungen und Teilübersetzungen, wie Minusch statt Minoes und Schluderpuss für Jakkepoes. Der Ortsname Killendoorn wurde zu Killstadt vereinfacht.

Verarbeitungen Als bekannteste Umsetzung des Kinderbuches gilt Vincent Bals niederländische Verfilmung Die geheimnisvolle Minusch aus dem Jahr 2001. Carice van Houten und Theo Maassen sind hier als Minusch und Tibbe zu sehen. In Nebenrollen sind die Kinderdarstellerin Sarah Bannier als Bibi und der niederländische Theaterschauspieler Pierre Bokma als Herr Ellemeet zu sehen. Die deutsche Synchronfassung orientierte sich nur betreffend des Titels und der titelgebenden Hauptfigur an der deutschen Buchübersetzung. Die Figur der Jakkepoes (Schluderpuss) wurde in der deutschen Filmfassung in Kratzbürste umbenannt.

Der Spielfilm spielt in der heutigen Zeit. Tibbe schreibt seine Artikel so beispielsweise nicht, wie im Buch, auf einer Schreibmaschine, sondern auf einem Computer und Bibi zeigt den Bürgerinnen und Bürgern auf der Versammlung keine Dias, sondern Videoaufnahmen. Der Film deutet Figuren teilweise um (insbesondere bei den Katzen) oder verbindet sie. Die Handlung wird insofern umgeschrieben, dass der Fabrikdirektor nachts heimlich gefährliche Hormone zur Deodorantherstellung in den Ort schmuggelt. Minusch schleckt zu Beginn des Filmes an einem vom Lastwagen gefallenen, lecken Fass und verwandelt sich daraufhin in eine Frau. Der Direktor fährt bei einem seiner Touren zudem den Verkaufswagen des Fischverkäufers um. Die Figur wird im Film, anders als im Buch, zu einem tatsächlichen Wirtschaftsverbrecher, der versucht, als seine Machenschaften auffliegen, mit seiner Frau nach Argentinien zu fliehen. Anders als im Buch, heiraten Tibbe und Minusch am Ende der Geschichte.

Zum Jahreswechsel 1972/73 brachte der Bayerische Rundfunk eine zweiteilige Hörspielfassung unter der Regie von Kurt Wilhelm im Programm von Bayern 2 zur Aufführung. Zu den Sprechern gehörten u. a. Wolfgang Büttner, Klaus Havenstein, Herbert Bötticher, Klaus W. Krause, Karin Anselm, Regina Hackethal, Hans Jürgen Diedrich und Hans Korte.ARD-Hörspieldatenbank (Die geheimnisvolle Minusch (2. Teil), BR 1972) 2004 setzte der Südwestrundfunk das Buch unter der Regie Oliver Sturms als Hörspiel um. Kathrin Angerer sprach hier Minusch. Jona Mues übernahm die Rolle des Tibbe und Helmut Krauss vertonte Herrn Ellenmaß. Das Hörspielskript verwandte die Neuübersetzung des Buches von Silke Schmidt als Grundlage.

Von 2014 bis 2015 war in den Niederlanden das Musical Minoes (auch Minoes de Musical) zu sehen, produziert von Bos Theaterproducties. Die Hauptrollen spielten und sangen Sytske van der Ster als Minusch, David Lucieer als Tibbe und Rop Verheijen als Meneer Ellemeet.

Ausgaben (Auswahl)

Minoes, Ill. Carl Hollander, Querido Verlag, Amsterdam 1970 (gebunden; niederländische Erstausgabe) Minoes, mit Filmmotiv, Querido Verlag, Amsterdam 2003, ISBN 978-9021481777 (Taschenbuch; Buch zum Film) Minoes: musical editie, Ill. Carl Hollander, Querido Verlag, Amsterdam 2014, ISBN 978-9045117270 (Taschenbuch; Buch zum Musical) Minoes, Ill. Carl Hollander, Querido Verlag, Amsterdam 2018, ISBN 978-9045105772 (gebunden; Reprint der Erstausgabe) Minoes, Ill. Eda Kaban, Querido Verlag, Amsterdam 2020, ISBN 978-9045124698 (gebunden)

Deutsche Ausgaben

Die geheimnisvolle Minusch, Übers. Rosel Oehlke, Ill. Carl Hollander, Verlag Friedrich Oetinger 1971 (gebunden; deutsche Erstausgabe) Die geheimnisvolle Minusch, Übers. Rosel Oehlke, Ill. Carl Hollander, Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv) 1990, ISBN 978-3423702034 (Taschenbuch) Die geheimnisvolle Minusch, Übers. Silke Schmidt, Ill. Karsten Teich, Oetinger Verlag 2003, ISBN 978-3789147210 (gebunden; Neuübersetzung) Die geheimnisvolle Minusch, mit Filmmotiv, Übers. Silke Schmidt, Ill. Karsten Teich, Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv junior) 2003, ISBN 978-3423709460 (Taschenbuch; Buch zum Film)

Quellen

Dachverband Jugendliteratur: Die geheimnisvolle Minusch, Kurzbesprechung zur Nominierung 1972 (abgerufen am 14. August 2026). Die geheimnisvolle Minusch in der ARD-Hörspieldatenbank (abgerufen am 14. August 2026). Bettina Kümmerling-Meibauer: Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Ein internationales Lexikon, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 1999, S. 977ff. Musical: Minoes bei Musicalweb (niederländisch, abgerufen am 14. August 2026). Universität Leiden: Literaturübersetzung Silke Schmidt - Auszug aus der Übersetzung von Die geheimnisvolle Minusch, 2003, Kinderbuch-Projekt der Universität Leiden (abgerufen am 14. August 2026).

Einzelnachweise

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