mini|H 1 Vampyr im Deutschen Museum Die Akaflieg Hannover (AFH; Akademische Fliegergruppe an der Universität Hannover e. V.) ist eine studentische Hochschulgruppe an der Leibniz Universität Hannover, die sich mit der Konstruktion, dem Bau und dem Fliegen von Segelflugzeugen befasst. Sie ist Gründungsmitglied der Idaflieg. Der Vampyr von 1921 war wegweisend für den modernen Flugzeugbau. Weitere Entwicklungen waren Pelikan, Phönix und AFH 4. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen mit AFH 22 und AFH 24 eigene Konstruktionen erst wieder 1982 und 1991 zum Erstflug.

Geschichte Der Hannoversche Verein für Flugwesen (HVF) wurde im April 1921 gegründet. Georg Madelung konstruierte den Vampyr und zog zum Bau des Projekts Studenten hinzu. Diese bildeten innerhalb des HVF die Akademische Fliegergruppe Hannover (AFH). Initiator des Projekts war Arthur Pröll („Papa Pröll“), der Leiter des Flugtechnischen Instituts an der TH Hannover. Die AFH meldete den Vampyr zum Rhönwettbewerb an und gehörte 1922 zu den Gründungsgruppen der Idaflieg, blieb aber eine Gruppierung innerhalb des HVF. Nachdem die HVF 1928 mit einer anderen Organisation den Hannoverscher Aero-Club (HAeC) bildete, wurde die AFH 1929 als eigenständiger Verein eingetragen. Das heutige Logo stammt aus dieser Zeit. Im Zuge der Gleichschaltung traten die Mitglieder 1933 in den Deutschen Luftsportverband (DLV) ein, Flugzeuge und Flugzeughalle gingen an den DLV. AFH-Mitglieder konnten die Motormaschinen aber weitgehend weiter nutzen. Wie bei anderen Akafliegs wurde 1935 eine Flugwissenschaftliche Fachgruppe (FFG Hannover) gegründet, die mit der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) zusammenarbeitete. Die Typenbezeichnungen der Neukonstruktionen lauteten weiterhin AFH. Mit Freigabe des Segelflugs in Deutschland war 1951 keine Neugründung erforderlich, da sich die AFH nie aufgelöst hatte. Da jedoch in Hannover kein Lehrstuhl für Flugzeugbau mehr vorhanden war, entwickelte die Gruppe Bauteile und Messinstrumente, bevor in den 1980er Jahren wieder Segelflugzeuge konstruiert wurden.Frank-Dieter Lemke, Rolf Jacob: Die akademischen Fliegergruppen in Deutschland bis 1945. Teil 2 in: Flieger Revue Extra. Nr. 32, 2011, S. 60–66.

Zum Flugzeugpark gehören neben der AFH 24 die Einsitzer Astir CS und Discus bT sowie die Doppelsitzer Twin Astir Trainer und Janus C (Stand ab 2023).Flugzeugpark. Abgerufen am 13. August 2026.

Flugzeugentwicklungen 1921 bis 1945 mini|Vampyr mit Tragflächenverwindung im Überflug, 1922 H 1 Vampyr: Erstes Flugzeug (1921) mit drehsteifer Torsionsnase, richtungweisend für die weitere Entwicklung im Flugzeugbau, gebaut bei HAWA; Teilnahme an den Rhönwettbewerben 1921–1923, 1923 beschädigt und nach Reparatur dem Deutschen Museum gestiftet, nach Kriegsschäden restauriert und wieder ausgestellt.

mini|Greif in der Rhön, August 1922 H 2 Greif: Weiterentwicklung des Vampyr (1922) mit aerodynamisch verbessertem Rumpf und kleinerem Querschnitt; in Summe keine leistungsmäßige Verbesserung und schlechtere Flugeigenschaften. H 3 Mucki: Konstruktion für gruppenfremde Interessenten, Daten liegen nicht vor. H 4: Hängegleiter mit 6 Meter Spannweite; beim Rhönwettbewerb 1923 ohne Teilnahme angemeldet. H 5 Spatz: Segelflugzeug (1923) mit 7,5 Metern Spannweite und Flügelsteuerung; bei der Erprobung auf der Wasserkuppe zerstört. H 6 Pelikan: Segelflugzeug (1924) mit verspanntem, extrem dünnen Flügel; 1925 Bruch beim ersten Start. H 7: Gleitschuldoppeldecker (1923) mit 5,2 Metern Spannweite. AFH-Entwurf von Walter Mertens, HVF-Bau; an der Wasserkuppe geflogen. H 8 Phönix: Weiterentwicklung der H 6 (1925), flog als Prüfstand für Fluginstrumente in Rossitten. Die Gruppe erhielt 1926 einen Sh-10-Motor, Pröll vergab Studienarbeiten zum Bau eines Kleinflugzeuges zu Mess- und Schulungsflügen: AFS 1 Schnecke (AFH 1/H 9?): Doppeldecker, konstruiert von Siegfried Günter, gebaut bei Bäumer Aero; Erstflug 1929 in Hamburg (45 km/h Mindest-, 135 km/h Höchstgeschwindigkeit). Projekte der FFG Hannover: AFH 4: Segelflugzeug mit Flächenklappe (1938), große Wendigkeit und hohe Geschwindigkeit über Land; nach tödlichem Absturz 1939 wieder aufgebaut, in eine Gewitterfront hineingesteuert und endgültig zerstört – der Pilot konnte sich mit dem Fallschirm retten. AFH 10: AFH 4 (1939) mit vergrößerter Flügelfläche und Wölbklappen; kam 1945 als Beute nach Farnborough, Anfang der 1950er-Jahre abgebrochen. AFH 11: Stahlrohrrumpf und Spannweite von 18 Metern; Baubeginn 1941, wegen der Kriegsereignisse nicht mehr beendet.

Seit 1961 AFH 18: Forschungsauftrag (1961) zum Bau einer Ka 6 in Kunststoffbauweise; nicht realisiert, weil es zweckmäßiger war, Neukonstruktionen dem Werkstoff anzupassen. AFH 21 Diomedea: Bau eines Bausatzes der Elfe S4D; Erstflug 1976. AFH 22 Pegasus: Konstruktion eines Doppelsitzers mit hydraulisch betriebenem Fahrwerk unter Verwendung von Vorserien-Tragflächen des Twin Astirs; Erstflug am 31. Oktober 1982.AFH 22. Abgerufen am 13. August 2026. AFH 24 Papa Pröll: Segelflugzeug der Standardklasse (1983–1990), Optimierung des Rumpfs mit starker Einschnürung und einem vollständig verschiebbaren und abnehmbaren Rumpfvorderteils zur Verlagerung des Haubenspalts hinter den Piloten, Flächen der DG-300 und Leitwerk nach ASW-24-Vorbild; Erstflug am 30. September 1991.AFH 24. Abgerufen am 13. August 2026. AFH 26: 18-Meter-Einsitzer (1990 ff), Rumpf der AFH 24 mit selbst entwickelten Tragflächen; nach dem Formenbau wurde das Projekts mangels Kapazität eingestellt.

Weitere Projekte Bis 1945 AFH 5: vermutlich Thermiksucher mittels Druckdifferenzmessung. AFH 6: wahrscheinlich Änderungen an der AFH 4 an Haube und Höhen- und Seitenruderbeschlag. AFH 7 und AFH 8: Entwicklung und anschließende Flugerprobung eines Funkgeräts. AFH 9: vermutlich Planungen zur Querruder- und Wölbklappenüberlagerung am Nachfolger der AFH 4.

Seit 1951 AFH 12: Funkanlage mit Bord- und Bodenstation; fertiggestellt 1953. AFH 13: Startwinde mit einer Seiltrommel und hydraulischer Kupplung (Ford V8 mit 95 PS); fertiggestellt 1953, bis 1971 im Einsatz. AFH 14: Serienproduktion der Funkanlage AFH 12; 1956 auf den Markt eingeführt. AFH 15: Staustrahlpropeller, Forschungsprojekt (1957) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Physik der Strahlantriebe (Eugen Sänger); technisch nicht umsetzbar.Die Projektnummern wurden nachträglich, nicht chronologisch vergeben. AFH 16: Temperaturdifferenzmessgerät (1956 ff), erprobt auf Kranich und Doppelraab; aus der Messung der Lufttemperaturdifferenzen zwischen den beiden Endkeulen der Tragflächen beim Einflug in die Thermik ließ sich kein Thermiksuchgerät entwickeln. AFH 17: Leistungsmessungsgerät (1955) zur Bestimmung der Flugleistungen von Segelflugzeugen auf einer Messstrecke; eingestellt mangels geeigneter Instrumente. AFH 19: Messungen der Windenseil-Belastung im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums: Seilkraft, Geschwindigkeit und Motordrehzahl an der AFH 13 mit hydraulischer Kupplung wurden mit den Werten der Röder-Winde mit Starrkupplung verglichen. AFH 20: Doppeltrommelwinde (1966 ff), Nachfolger der AFH 13, GM-V8 mit 190 PS auf selbstfahrenden Unimog. AFH 23: Bau eines Solarhöhenleitwerks (1982) für die DG-200. AFH 25: Neukonstruktion einer Diesel-Doppeltrommelwinde, im November 1989 „Anemoi“ getauft; seither im Einsatz.AFH 25. Abgerufen am 13. August 2026. AFH 27: Streckenflugrechner. AFH 28: Ansteckflügel für die DG-600, 1998 fertiggestellt, 2001 Flatteruntersuchungen bei der DLR; die endgültige Zulassung wurde nicht vorangetrieben und nach erhöhten Anforderungen wurde das Projekt 2020 beendet. AFH 29: „Lufo-Projekt“ (seit 2019), Forschungsauftrag „Nachrüstbares Sicherheitscockpit (NaSiCo)“ mit der Akaflieg München, der Forschungsverbund „CraCpit“ entwickelt Einbauelemente, die das Cockpit eines Segelflugzeuges im Falle eines Absturzes sicherer machen sollen.Crashversuche in der Flugwerft Oberschleißheim. Abgerufen am 13. August 2026.Crashversuch im LuFo Projekt CraCpit. Abgerufen am 13. August 2026.

Literatur Markus Klemmer: 100 Jahre Akaflieg Hannover. Hannover 2021, ISBN 978-3-00-070197-9.

Weblinks

Website der Akaflieg Hannover Liste der Projekte

Belege

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