Die Étudiants socialistes révolutionnaires internationalistes (ESRI; Internationalistische revolutionäre sozialistische Studenten) waren eine von 1891 bis 1903 bestehende sozialistische Studentenorganisation.
Geschichte mini|alt=Porträtfoto schwarz-weiß|Jules-Louis Breton, 1913mini|alt=Porträtbild, schwarz-weiß|Alexandre Zévaès, 1898, Radierung Die Gruppe wurde am 25. Dezember 1891 von Jules-Louis Breton und Alexandre Zévaès gegründet (der Catalogue général des éditions et collections anarchistes francophones nennt auch noch Léon Thivrier als Gründer). Sie verstand sich als Teil des „intellektuellen Proletariats“ und veröffentlichte ein Manifest, in dem die Jugend aufgerufen wurde, „gegen alle Ordnungen der Ausbeuter zu rebellieren“.
Die ESRI sah ihre Hauptziele in „Studium, Propaganda und sozialistischem Handeln“. Sie befasste sich mit den Werken von Karl Marx, von denen einige zu jener Zeit noch recht unbekannt waren, und an ihren Treffen nahm auch der Syndikalist Georges Sorel teil. Die Gruppe setzte sich für den proletarischen Internationalismus ein und stand Arbeitern und Studenten aus allen Ländern offen; die Hälfte ihrer Mitglieder bestand aus im Ausland geborenen Exilanten aus Rumänien, Russland und Polen. Sie gewann an Stärke nach einer Reihe von Unruhen im Quartier Latin, die durch die Verhaftung eines Studenten an der École des Beaux-Arts im Juli 1893 ausgelöst worden waren. Die Zusammenstöße zwischen Studenten und der Polizei brachten die Studentenbewegung in engen Kontakt mit der organisierten Arbeiterbewegung.
Obwohl es sich ursprünglich um eine Organisation mit verschiedenen Strömungen handelte, hatten Marie Goldsmith und Léon Rémy die ESRI bis 1897 dazu bewegt, eine entschiedener anarchistische Haltung einzunehmen. Goldsmith leitete zudem die Veröffentlichung einer Reihe von Broschüren der Organisation, die sich mit Themen wie anarchistischem Feminismus und Antizionismus befassten und alle gemeinsam unter den Initialen der Organisation unterzeichnet waren. Der Sitz der Gruppe befand sich in der Rue Mouffetard 89, in unmittelbarer Nähe der Redaktionsräume von Jean Graves Zeitung Le Révolté. Mehrere Mitglieder der ESRI, darunter Goldsmith, Rémy, Marc Pierrot und Georges Willaume, trugen zu Graves Publikationen bei.
Im Mai 1893 spalteten sich einige Studenten unter der Führung von Alexandre Zévaès von der ESRI-Gruppe ab und gründeten die Groupe des Étudiants Collectivistes de Paris (GEC, Gruppe der kollektivistischen Studenten von Paris), die sich im September 1893 nach einigem Zögern der Parti ouvrier français anschloss. Ihr erklärtes Ziel war es, im „Quartier Latin den guten sozialistischen Kampf zu führen“ und die Gleichgültigkeit einer allzu großen Zahl von Studenten zu durchbrechen.
Die ESRI-Gruppe wurde 1903 aufgelöst, Pierre Monatte war ihr letzter Generalsekretär.
Bekannte Mitglieder Jules-Louis Breton (1872–1940), späterer Gesundheitsminister Christiaan Cornelissen (1864–1942), niederländischer Aktivist, Autor, Vertreter des libertären Kommunismus und Syndikalismus Marie Goldsmith (1871–1933), französische Biologin und Anarchistin Pierre Monatte, späterer Gewerkschaftsführer Marc Pierrot († 1950), französischer Arzt und Anarchist Léon Rémy, französischer Literat und Übersetzer Alfred Rosmer (1877–1964), französischer Syndikalist und Kommunist Georges Sorel (1847–1922), späterer Philosoph Léon Thivrier, späterer Parlamentsabgeordneter Georges Willaume (1876–1962), französischer Maler, Anarchist Alexandre Zévaès (1873–1973), Journalist und Historiker, späterer Parlamentsabgeordneter
Anmerkung zu Werken Die französische Sprachversion nennt eine Vielzahl von Publikationen, allerdings ohne den Bezug zur ESRI zu belegen. In ihrem Artikel Groupe des étudiants socialistes révolutionnaires internationalistes de Paris führt die Bibliothèque nationale de France ebenfalls einige dieser Werke auf; allerdings mit einem anderen Kontext. Ein großer Teil wird Carlo Cafiero zugeschrieben, der sicherlich nie Teil der ESRI war.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Politische Studentenorganisation Kategorie:Politik (Dritte Französische Republik) Kategorie:Gründung einer politischen Organisation 1891 Kategorie:Aufgelöst 1903