mini|Kasteel Borgharen (2007) Das Kasteel Borgharen liegt an der Kasteelstraat 4a in Borgharen auf einem rechteckigen, von einem Wassergraben umgebenen Gelände unweit der Maas. Der Hauptflügel weist einen halbovalen Grundriss von rund 27 Metern Durchmesser auf; die nach Westen zur Maas gerichtete Rundung birgt noch Reste der Ringmauer der ursprünglichen Burg aus dem 13. Jahrhundert. Zu dieser gehörte auch ein quadratischer Donjon, dessen 1318 zerstörter und wiederaufgebauter Teil in den heutigen Bau einbezogen ist und mit einer Seite die Vorderfassade mit bildet. Diese wird von zwei quadratischen, wohl nach 1483 errichteten Seitentürmen flankiert, an die sich beiderseits des Vorhofs zwei teils dem 16., teils dem 17. Jahrhundert entstammende niedrige Flügel anschließen; 1776 wurde der Vorhof anstelle eines niedrigen Flügels durch ein Gitter geschlossen.
Seit 1217 sind Ritter von Haren belegt, die zunächst die „Poort van Haren“ bewohnten und im 13. Jahrhundert vermutlich die spätere Burg errichteten – einen Stützpunkt des Lehnsherrn, des Herrn von Valkenburg, von dessen Herrschaft die Maas die Westgrenze bildete; die Befestigung beherrschte den Versorgungsweg zur rivalisierenden Stadt Maastricht. Da man von dort zunehmend höhere Zölle von Maastrichter Kaufleuten erhob, griff der Fürstbischof von Lüttich, Adolf van der Marck, persönlich ein: Am 5. August 1318 nahm er Haren ein, ließ die Besatzung niedermachen und die Burg zerstören – der Turm sei, so eine zeitgenössische Quelle, „zur selben Stunde bis auf den Grund niedergebrochen“ worden, wenngleich ein vollständiger Abbruch unwahrscheinlich ist. Borgharen fiel zunächst an Brabant und wurde erst 1330 Adam van Haren als Lehen zurück übertragen, der wohl umgehend mit dem Wiederaufbau begann. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts ging der Besitz an die Familie Van Hamal van Elderen über, 1450 durch Heirat an die Scheiffart van Merode. 1483 wurde das Haus durch Truppen Roberts von Arenberg erneut geplündert und zerstört, danach vor allem durch Herman Scheiffart van Merode nach 1552 wiederhergestellt. 1647 erwarb Philibert van Isendorn à Blois das Kasteel käuflich, um 1680 kam es an die Familie Van der Heyden à Blisia, 1732 durch Heirat an die Familie De Rosen. Der belgische Baron de Moffard verkaufte es später an A. de Cock, der es teilweise an Prof. Dr. J. J. M. Timmers vermietete; danach dienten Räume Bergarbeitern, Studenten und berufstätigen Jugendlichen als Wohnung.
Baugeschichtlich lässt sich das mit einiger Sicherheit ins 13. Jahrhundert datierte Kasteel auf einen quadratischen, von einer Ringmauer umgebenen Donjon zurückführen – ob diese Mauer durch eine Böschung geschützt war oder unmittelbar aus dem Grabenwasser aufstieg, bleibt ungeklärt. Nach den Zerstörungen von 1318 und 1483 erfolgten jeweils Wiederaufbauten. Rentmeister-Rechnungen belegen 1498 Verputzarbeiten im Donjon und die Instandsetzung des Schlosstors, 1508 die Ausbesserung der Mauern mit rund 500 Mergelsteinblöcken sowie die Dachreparatur mit 8000 Schieferplatten. Ab 1552 ließ sich Herman Scheiffart van Merode auf dem Kasteel nieder, versah zunächst die Wirtschaftsgebäude mit Schieferdächern und ließ 1555 das Haus erweitern sowie ein von Wasser umgebenes „somerhuys“ mit kettenbetriebener Zugbrücke errichten. In den Folgejahren entstand ein neuer Keller mit Portaltür; im Graben wurden Fische ausgesetzt und Schwäne zur Reinhaltung des Wassers eingesetzt, während an der alten Burg Pfeiler abgebrochen und Erdreich abgetragen wurde. Nach 1648 ließ Philibert van Isendorn à Blois erneut umbauen, 1760 erfolgten weitere Umbauten, ehe das Haus unter Charles Servais de Rosen sein heutiges Aussehen erhielt.
Die ovale Westfassade sowie die zentralen Hallen im Erd- und Obergeschoss ruhen auf schwerem, aus großen Natursteinblöcken gefügtem Mauerwerk; im Keller finden sich 2 bis 2,30 Meter starke Mauern des quadratischen Donjons der Ursprungsburg, dessen südwestliche Ecke mit der Außenmauer verbunden ist. Das ovale Mauerwerk – Teil der alten Ringmauer – stammt in einem höheren Abschnitt aus der Zeit nach 1318, die Außenwände beider Geschosse aus der Zeit nach 1555. Der Keller unter der Halle sowie der westlich anschließende Weinkeller sind tonnengewölbt, der südliche Keller trägt Kappen auf Segmentbögen, die nordseitige Küche ein Muldengewölbe. Vom Weinkeller abgetrennt liegt an der Nordseite ein kleiner Raum, der als Gruft für Philibert van Isendorn à Blois, seine Frau und ihre beiden Kinder diente; sein mumifizierter Leichnam wird auf das Jahr 1677 datiert.
Die nach 1483 erbauten, dreigeschossigen Seitentürme der Ostfassade – unten aus Sandstein, im Obergeschoss aus Backstein – wurden nach 1555 sowie im 17. Jahrhundert dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. Die walmgedeckten, den Vorhof umschließenden Flügel besitzen feldseitig noch Mauern des 16. Jahrhunderts aus Backstein mit Mergelstein-Eckquadern, sind bis zu beträchtlicher Höhe mit Blaustein verkleidet und mit Schießscharten versehen; im 17. Jahrhundert wurden die hofseitigen Fassaden im Stil der maasländischen Renaissance erneuert. Vermutlich im 18. Jahrhundert wich der Torflügel einem monumentalen schmiedeeisernen Gitter Mathias Soirons mit doppeltem Zugang zur Brücke, während die Vorderfassade in französischem Geist neu mit Mergelstein verkleidet und über die volle Breite von einer Terrasse mit doppelter Freitreppe und schmiedeeisernen Geländern erschlossen wurde. Der Mittelturm verlor seinen oberen Abschluss zugunsten eines Mansarddachs; die Turmbekrönungen wurden laut den Wetterfahnen 1821/22 instand gesetzt und möglicherweise zugleich verändert. Im 19. Jahrhundert wurde der gegenüberliegende, aus dem 17. Jahrhundert stammende Gutshof tiefgreifend umgebaut; das dem Dorf zugewandte Torgebäude mit Pförtnerwohnung entstand Ende des 19. Jahrhunderts, vermutlich nach Entwurf von Dr. P. Cuypers.
Literatur Ernst Wilhelm Moes und Karel Sluijterman: Nederlandsche kasteelen en hun historie. Erster Teil, Amsterdam, 1912, S. 287–310. Kastelen in Limburg. Burchten en landhuizen 1000-1800. Utrecht, 2005, S. 347–351. Taco Hermans: Woontorens in Nederland. Bouwhistorische gids voor middeleeuwse woontorens. Wijk bij Duurstede, 2015, S. 56–59.
Weblinks
Kasteel Borgharen bei visitzuidlimburg.de Bouwhistorie bei kasteelborgharen.nl
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