mini|Antoine Trouvain: Fünf Männer mit Turban und einer mit Hut in einer Loge hinter einer Balustrade. Rijksmuseum, Amsterdam Antoine Trouvain (* um 1652 in Favères bei Montdidier, Somme; † 18. März 1708 in Paris, begraben in der Pfarrkirche St-Séverin in Paris)Nach AKL um 1652 (nicht 1666); nach Thieme-Becker 1656. Als Geburtsort nennt Thieme-Becker lediglich Montdidier, ohne den Weiler Favères. war ein französischer Zeichner, Kupferstecher, Stichverleger und Kunsthändler.

Leben Antoine Trouvain war der Sohn des Landwirts Alexandre Trouvain und der Marguerite Grégoire. Am 2. September 1670 begann er im Alter von etwa 18 Jahren eine fünfjährige Lehre beim Pariser Kupferstecher Louis Cossin. Am 23. März 1680 heiratete er Élisabeth de Nogent, die Tochter des Pariser Buchhändlers Antoine de Nogent, in der Kirche Saint-Étienne-du-Mont. Der zivilrechtliche Ehevertrag wurde am 13. November 1680 geschlossen. Zu den Trauzeugen zählten der Drucker und Buchhändler Pierre Le Petit, sein Bruder, der Kupferstecher Charles Trouvain, sowie sein früherer Lehrmeister Louis Cossin. Unter den Zeugen der Braut befand sich der Drucker Frédéric Léonard. Aus der Ehe gingen zwischen 1681 und 1695 fünf Kinder hervor, von denen vermutlich nur die beiden jüngsten das Erwachsenenalter erreichten. Nach Trouvains Tod heiratete seine Witwe am 21. Januar 1712 in zweiter Ehe Jean Thierry, den Sekretär eines königlichen Ratgebers.

Trouvain bildete mehrere Lehrlinge aus: Étienne Jahandier Desrochers vom 30. Juni 1686 an für zwei Jahre, Michel Dossier vom 17. September 1686 an für fünf Jahre und Simon Jollivet vom 21. März 1692 an für zwei Jahre. Am 22. Februar 1699 nahm er an der Beisetzung von Roch-Guillaume, dem Sohn des Kupferstechers Guillaume Lorrain-Montbard, in der Kirche Saint-Séverin teil. Am 13. April 1704 war er Taufpate von Antoine-Jean-Baptiste, dem Sohn des Kupferstechers Jean-Baptiste Scotin.

mini|Antoine Trouvain nach einem Gemälde von Jean-Baptiste Jouvenet: Porträt von Jean Jouvenet, 1707. National Gallery of Art, Washington, D.C. Für seine Aufnahme in die Académie royale de peinture et de sculpture wurde Trouvain am 4. Juli 1705 beauftragt, einen Porträtstich von René Antoine Houasse anzufertigen. Houasse war ehemaliger Rektor und Schatzmeister der Akademie. Der Stich basierte auf einem Gemälde von Jean Tortebat sowie auf einem Selbstbildnis von Jean Jouvenet, dem damaligen Akademiedirektor. Am 30. Juli 1707 wurde Trouvain schließlich Mitglied der Akademie.AKL unterscheidet zwischen dem Beauftragungsdatum des Aufnahmestichs (4. Juli 1705) und dem Aufnahmedatum als Mitglied (30. Juli 1707); Thieme-Becker nennt nur pauschal das Jahr 1707.

Ab dem 3. Juli 1687 mietete er für drei Jahre ein Haus des Pariser Couvent des Mathurins in der Rue Saint-Jacques in der Pfarrei Saint-Benoît nahe der Klosterkirche an. Unter der Firmenbezeichnung Au Grand Monarque erschien 1688 sein erstes dort verlegtes Werk, ein Almanach. Spätestens am 25. März 1696 ließ er sich endgültig in der Pfarrei Saint-Séverin nieder, ebenfalls in der Rue Saint-Jacques, im Haus Zum weißen Pfau, und führte weiterhin die Firmenbezeichnung Au Grand Monarque. Nach seinem Tod verpachtete seine Witwe das Haus am 22. Juli 1708 weiter.

Im Nachlassinventar vom 22. Mai 1708 wurde er als Kupferstecher, Stichverleger und -händler geführt. Die Schätzung der von ihm hinterlassenen Kupferplatten, Bilddarstellungen und Druckutensilien nahmen Gaspard Duchange, Kupferstecher des Königs, und Guillaume Lorrain-Montbard, Kupferstecher und Kupferstichhändler, vor. Das Inventar verzeichnete drei Kupferstichdruckpressen samt Zubehör. Bereits am 29. März 1697 wurden zwei Pressen, die sich widerrechtlich im Besitz von Antoine Malbouré befanden, bei diesem beschlagnahmt. Trouvain übernahm zudem die von François Ragot hinterlassenen und nach Peter Paul Rubens gestochenen Kupferplatten in seinen eigenen Bestand.

Werk mini|Antoine Trouvain nach einem Gemälde von Pierre Mignard: Armande de Lorraine d’Harcourt (1640-1684), abbesse de Notre-Dame de Soissons Im Jahr 1676 veröffentlichte Trouvain erstmals unter eigenem Namen einen Kupferstich mit einem Schmuckband anlässlich der von Pater Claude-François Ménestrier vorgenommenen Oraison funèbre für Henri de La Tour d’Auvergne, Vicomte de Turenne. Im selben Jahr stach er nach eigener Zeichnung ein Porträt von Jacques Jubert, Marquis du Thil. Trouvains Werk umfasst vor allem Porträts in unterschiedlichen Formaten, überwiegend Reproduktionsstiche nach Vorlagen von Henri Lefebvre, Pierre Mignard, Pierre Simon, Jean Tortebat und François de Troy. Daneben widmete er sich historischen Darstellungen nach Sébastien Bourdon, Antoine Coypel und Nicolas Poussin.Thieme-Becker führt zusätzlich einen Bildnisstich Trouvains nach Robert de Cotte (nach Tortebat) an, den auch Pierre Simon nach derselben Vorlage gestochen habe. Diese Angabe fehlt im vorliegenden AKL-Auszug und ist bislang nicht durch eine zweite Quelle bestätigt. Laut dem Werkverzeichnis von Anne-Sophie Legrand aus dem Jahr 1995 umfasst sein Œuvre 549 Nummern, darunter 123 eigenhändige Stiche, von denen wiederum 74 Porträts sind.

Als Verleger brachte Trouvain jährlich einen Almanach heraus, zunächst von 1697 bis 1702 in Zusammenarbeit mit Nicolas I. Langlois und nach dessen Tod ab 1703 allein. Der letzte Almanach für das Jahr 1709 wurde vermutlich von seiner Witwe herausgegeben. Zu seinem verlegerischen Schaffen zählen außerdem die sechsteilige Folge Appartements mit Darstellungen der Zerstreuungen der königlichen Familie und des Hofstaates in Versailles (1694–1696) sowie die Folge Recueil de modes mit Modestichen nach Art der Familie Bonnart. Werke Trouvains befinden sich unter anderem in der Bibliothèque nationale de France in Paris.

Literatur Anne-Sophie Legrand: Antoine Trouvain, 1652–1708 : graveur et éditeur d’estampes. Mémoire de maîtrise, Université Paris 4, 2 Bde., Paris 1995. Auguste Jal: Dictionnaire critique de biographie et d’histoire. Errata et supplément pour tous les dictionnaires historiques, d’après des documents authentiques inédits. 2. éd. corr. et augm., Paris, H. Plon, 1872. Henri Herluison: Actes d’état-civil d’artistes français, peintres, graveurs, architectes, etc., extraits des registres de l’Hôtel-de-Ville de Paris, détruits dans l’incendie du 24 mai 1871. Paris, J. Baur, 1873. Maxime Préaud, Pierre Casselle, Marianne Grivel, Corinne Le Bitouzé: Dictionnaire des éditeurs d’estampes à Paris sous l’Ancien Régime. Paris, Promodis, 1987. Charles Maumené: Les Appartements gravés par Antoine Trouvain, de 1694 à 1698. In: L’Amateur d’estampes, 1925–1926, S. 97–106. Charles Maumené: Les Almanachs au XVIIe siècle : Almanach pour 1697 gravé par Antoine Trouvain. In: L’Amateur d’estampes, 1925–1926, S. 176–184. W. McAllister Johnson (Hrsg.): French Royal Academy of Painting and Sculpture: Engraved Reception Pieces, 1672–1789. Ausstellungskatalog, Agnes Etherington Art Centre, Queen’s University, Kingston 1982. Anne Gall: La diffusion des œuvres de Rubens à Paris au XVIIe siècle autour de François Ragot. Mémoire de maîtrise, École du Louvre, Paris 1989. Didier Bodart (Hrsg.): Rubens e l’incisione nelle collezioni del Gabinetto nazionale delle stampe. Ausstellungskatalog, Roma, Villa della Farnesina alla Lungara, 8. Februar–30. April 1977, Rom, De Luca, 1977. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 13: Sommer – Valverane. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online, De Gruyter, 2009.

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Einzelnachweise

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