mini|Germaine de Rothschild Germaine Alice de Rothschild (geborene Halphen am 29. Februar 1884 in Paris; gestorben 1. Januar 1975 ebenda) war ein Mitglied der Familie Rothschild und Philanthropin.
Leben mini|Rothschild-Fabergé-Ei Germaine Halphen wurde am 29. Februar 1884 in Paris geboren. Sie war die Tochter des Finanziers Émile Halphen und der Philanthropin Louise Fould. Ihr Onkel war der Komponist Fernand Halphen und ihre Cousine war Noémie Halphen, die Ehefrau von Maurice de Rothschild. Im Jahr 1905 heiratete sie Edouard de Rothschild. Anlässlich der Verlobung schenkte ihr ihre zukünftige Schwägerin Béatrice de Rothschild das Rothschild-Fabergé-Ei.
Sie hatten vier Kinder: Alphonse, Guy, Jacqueline und Bethsabée de Rothschild. Der älteste Sohn Alphonse (1906–1911) starb im Alter von 5 Jahren an einer zu spät erkannten Blinddarmentzündung während einer dadurch erforderlichen Notoperation im Schloss Ferrieres-en-Brie, dem damaligen Wohnsitz der Familie.
Philanthropie Germaine de Rothschild gründete 1938 das Comité Israélite pour les Enfants venant d’Allemagne et de l’Europe Centrale (Israelitische Komitee für Kinder aus Deutschland und Mitteleuropa) für jüdische Kinder, die in Frankreich Zuflucht vor nationalsozialistischer Verfolgung suchten. Die Privatsekretärin der Wohltätigkeitsorganisation wurde Hannah Arendt.
Dieses Engagement ging auf eine Anfrage von zwei österreichischen Jüdinnen, die nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 ein neues Zuhause für Mädchen aus dem jüdischen Waisenhaus Merores in Wien suchten. Sie bekamen vom Rothschild-Waisenhaus, welches maßgeblich von Germaine de Rothschild geführt wurde, die Zusage, für die Aufnahme in Frankreich. Dieses Engagement weitete De Rothschild im Dezember 1938 aus und beantragte bei der französischen Regierung die Einreiseerlaubnis für fünfzig Kinder unter ihrer Schirmherrschaft. Dafür erhielt sie eine Ausnahmegenehmigung. Ihr Komitee unterstützte zwischen 350 und 450 jüdische Kinder bei der Einreise nach Frankreich und auch Kinder, die illegal nach Frankreich eingereist waren im Rahmen der Kindertransporte nach den Novemberpogromen nach Frankreich. Dazu gab es eine Parallele zu den britischen Kindertransporten, bei denen auch ihre Vertraute Dorothy de Rothschild aktiv war und die Kinder auf das Rothschild-Anwesen Waddesdon Manor, nördlich von London, evakuierte. Für die Kinder verwandelte Germaine de Rothschild das Jagdschloss der Familie Rothschild, das Château de la Guette in Villeneuve-Saint-Denis in ein erstklassiges Kinderheim. Nach der Deutschen Besetzung Frankreichs floh die Familie Rothschild in den Süden Frankreichs, in den Kurort La Bourboule in der Auvergne, auch das Bankhaus wurde dahin verlegt und die geflüchteten Kinder zogen ebenfalls dahin um. Nachdem die Familie Rothschild in das Visier des Vichy-Regimes geraten war, flohen sie im Juli 1940 nach New York. Dort sorgte Germaine de Rothschild mit ihrem Schmuck im Wert von einer Million Dollar für Aufsehen.
Im Exil in New York Auch in New York setzte Germaine de Rothschild ihr Engagement für Flüchtlingskinder fort. Sie suchte beim Joint Distribution Committee Unterstützung für die Kinder und nahm das Angebot des National Refugee Service an, den Vorsitz eines Ausschusses für die Unterbringung von Flüchtlingskindern während der Sommermonate zu übernehmen. Nach ihrer Übersiedlung in die Vereinigten Staaten, setzte sich Germaine de Rothschild nicht mehr als Philanthropin, die im Hintergrund wirkte, ein, sondern trat zunehmend öffentlich auf. Sie hielt Reden vor Tausenden von Menschen auf Englisch und knüpfte Kontakte zur First Lady Eleanor Roosevelt.
Im Oktober 1940 konnte sie dem Gremium des „United States Committee for the Care of European Children“ aus erster Hand die Notlage der Flüchtlingskinder von La Guette schildern. Vermutlich dürfte auch ihre Schilderung dazu beigetragen haben, dass das Komitee im Februar 1941 beschloss, Flüchtlingskinder aus Frankreich zu evakuieren. Es konnten mehrere Kindertransporte organisiert werden, bei denen Kinder Frankreich in den Jahren 1941 und 1942 über Spanien, Portugal und Marokko in Richtung Vereinigte Staaten verlassen konnten. Dies wurde ab 1942 bis zum Ende des Kriegs über Portugal fortgeführt. Dadurch konnten etwa 300 Kinder gerettet werden.
Rückkehr nach Frankreich und späte Jahre Germaine de Rothschild kehrte nach dem Ende des Krieges nach Frankreich zurück. Sie engagierte sich für jüdische Kinder, die durch den Holocaust zu Waisen geworden waren. Sie wurden im Château de la Guette betreut.
1952 verfasste sie einen illustrierten Band über das Werk des französischen Töpfers Bernard Palissy und 1962 über den italienischen Komponisten Luigi Boccherini.
1958 wurde sie zur Chevalier de la Légion d'honneur ernannt.
Germaine de Rothschild starb am 1. Januar 1975 in Paris und wurde auf dem Pariser Friedhof Cimetière du Père-Lachaise beigesetzt.
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Einzelnachweise
Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Ritter) ⚭Noémie Kategorie:Geboren 1884 Kategorie:Gestorben 1975 Kategorie:Frau