Architektur in Irland ist im Landschaftsbild der irischen Insel sehr sichtbar und umfasst alle Epochen seit der Steinzeit. Die Anglo-Normannische Architektur ist unter anderem mit zahlreichen Burgen und Burgruinen vertreten. Bekannt ist Irland auch für kleine weiß getünchte, strohgedeckte Cottages und georgianische Stadtgebäude. Besonders bekannt ist das georgianische Dublin. Hervorzuheben sind außerdem diverse vollständige palladianische und rokokoartige Landhäuser sowie die vielen gotischen und neugotischen Kathedralen und Gebäude des Landes.
Bei allem bedeutenden britischen und breiteren europäischen Einfluss wurden Mode und Trends der Architektur an die Besonderheiten des jeweiligen Ortes angepasst. Was die verwendeten Materialien betrifft, sind Variationen von Stein (insbesondere Kalkstein, Granit und Sandstein), Kalkmörtel, Holz, Grassode, Stroh und Lehm im Lehmwellerbau in der traditionellen irischen Architektur weit verbreitet. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich Holzbauten, die beispielsweise in Dublin um 841 von den Wikingern errichtet wurden, nicht erhalten haben.
Irland hat auch diverse Beispiele moderner und zeitgenössischer Architektur vorzuweisen, die mit Architekturpreisen ausgezeichnet wurden. Eine herausgehobene Bauaufgabe der Gegenwart ist die Revitalisierung der Hafengebiete, nicht nur in Dublin, sondern in zahlreichen weiteren Hafenstädten in der Republik Irland und in Nordirland.
Vorchristliche Zeit rechts|175px|mini|Eingang in das Newgrange-Grab im Brú-na-Bóinne-Komplex im County Meath Der Steinkreis von Newgrange ist das größte Megalith-Bauwerk dieser Art in Irland. Die frühesten stammen aus der Jungsteinzeit oder der späten Steinzeit. Megalith-Gräber sind relativ häufig, wobei Court Tombs die ältesten sind. Einige von ihnen gehen auf etwa 3500 v. Chr. zurück. Solche Gräber haben eine lange Kammer mit einem großen offenen Bereich am Eingang. Letzterer war im Allgemeinen mit Menhiren markiert, wobei der Rest der Anlage ebenfalls aus Stein errichtet war.
Ganggräber bestanden aus einer zentralen Grabkammer mit einem langen Verbindungsgang zum Eingang. Auch hier wurden oft Menhire für die Mauern verwendet, Steinplatten markieren das Dach. Newgrange ist besonders interessant, da mit Konsolen beim Dachaufbau gearbeitet wurde. Kammer und Durchgang waren meist in einem Erdhügel verborgen, wobei die Kammer in der Mitte lag (auch in dieser Beziehung ist Newgrange ein besonderer Fall, weil es äußeres Mauerwerk am Erdhügel aufzuweisen hat). Weitere hervorzuhebende Ganggräber sind Knowth und Dowth, wie Newgrange im Tal des Boyne gelegen, in der Nähe von Drogheda. Newgrange, Knowth und Dowth gehören seit 1993 zum Weltkulturerbe.
Mit Beginn in der Eisenzeit erscheinen in Irland Tausende von Ringforts, sogenannte „Raths“. Diese bestehen aus einem Erddamm, der einen Bereich in der Mitte umschließt, und liegen manchmal auf einem erhöhten Hügel. In einigen Fällen ist ein Souterrain (Tunnel) Teil der Anlage. Je nach lokalem Gelände wurden diese Forts auch als Wallburgen oder als Promontory Forts errichtet. Dún Aonghasa auf den Aran-Inseln ist eines der besten Beispiele dieser Festungen, die möglicherweise zu verschiedenen Zeiten, sogar im Mittelalter, besetzt waren.
Frühchristliche Zeit mini|Nachbildung eines frühen christlichen Klosters im Irish National Heritage Park Die St. Crónán’s Church in Tuamgraney, County Clare, eine vorromanische Kirche aus dem 10. Jahrhundert, ist die älteste ununterbrochen genutzte Kirche sowohl in Irland als auch in Großbritannien.
Außerhalb Irlands wohl kaum zu finden ist der irische Rundturm,Bracken/Bracken (2016), S. 234 (englisch) wie der in Clonmacnoise im County Offaly oder der im Kloster Devenish bei Enniskillen im County Fermanagh. Solche Rundtürme wurden meist innerhalb der Klöster errichtet, die auf der ganzen Insel entstanden, als Irland zum „Land der Heiligen und Gelehrten“ wurde. Sie waren möglicherweise defensiv von Natur aus und dienten als Ausguckposten und als Zufluchtsort bei einem Angriff (die Tür zu solchen Gebäuden war meist ziemlich hoch über dem Boden). Wikingerüberfälle an Irlands Küsten und auf Klöster waren relativ häufig. mini|175px|rechts|Der Rundturm in Glendalough ist etwa 30 Meter hoch Schließlich ließen sich einige Wikinger dauerhaft in Irland nieder, und die hauptsächlichen Städte wurden von Wikingern gegründet. Obwohl heute keine Gebäude aus dieser Zeit intakt sind, haben einige Straßenanordnungen ihren Ursprung in der Wikingerzeit. Überreste von Wikingerhäusern wurden an vielen Orten entdeckt, insbesondere am Wood Quay in Dublin, King John’s Castle in Limerick und in der Nähe von Waterford (wo beim Bau der Stadtringstraße der bisher bedeutendste Fund gemacht wurde).
Mittelalter Im Landschaftsbild sind außer den genannten frühen Steinresten unzählige Reste von Burgen, Wohntürme und intakte Burgen unübersehbar. Abgesehen von bekannten und restaurierten Burgen wie Bunratty Castle befinden sich viele weniger bekannte Überreste und Ruinen (insbesondere von Wohntürmen) neben neueren Bauernhäusern oder einfach auf Feldern. Carrickfergus Castle, das 1177 von John de Courcy als sein Hauptquartier nach seiner Invasion Ulsters erbaut wurde, ist die am besten erhaltene normannische Burg auf der Insel. Die Burg von Cahir ist ebenfalls ein besonders gut erhaltenes Beispiel.
In dieser Zeit wurden in Irland auch viele Kirchen erbaut, wie die Sankt-Cainnech-Kathedrale in Kilkenny und St. Mary's Cathedral in Limerick. Am gebräuchlichsten war der romanische Stil, wie er in Cormacs Kapelle auf dem Felsen von Cashel und in der Kathedrale von Clonfert im County Galway zu sehen ist. Es waren die Normannen, die den gotischen Stil nach Irland brachten, mit Gebäuden wie der Christ ChurchBracken/Bracken (2016), S. 23-25 (englisch) und der St. Patrick’s Cathedral in Dublin.Bracken/Bracken (2016), S. 10-13 (englisch)
Einige der wichtigsten Städte Irlands wurden vor und während des Mittelalters gebaut und befestigt. Limerick blieb bis ins 18. Jahrhundert eine ummauerte Stadt, während die mittelalterlichen Mauern von Derry noch heute erhalten sind. Es wurden bedeutende Befestigungen wie King John’s Castle in Limerick errichtet.
Cork und Galway blühten als Seehäfen auf, mit der Einrichtung ausgedehnter Kais in diesen Städten sowie in Limerick und Dublin. Für die Häfen wurden viele Nebengebäude errichtet, wie Getreidespeicher, Lagerhäuser und frühe Verwaltungsgebäude, zu denen Zollhäuser, „Thosels“Beispiel für ein „Tholsel“ genanntes Gebäude: und „Market Houses“Beispiel für ein „Market House“ genanntes Gebäude: genannte Gebäude zu zählen sind. Einige wurden ersetzt, umgebaut oder entfernt – viele verbliebene Hafenanlagen stammen jedoch aus jüngeren Jahrhunderten.
Stuart-Restaurationszeit und später In den Jahrzehnten nach der Stuart-Restauration waren englische Barockarchitekturstile in Irland beliebt. Dies wurde durch die von Sir William Robinson zwischen den 1670er und frühen 1700er Jahren entworfenen Gebäude verkörpert, insbesondere das Royal Hospital KilmainhamBracken/Bracken (2016), S. 212-215 (englisch) und die Marsh's LibraryBracken/Bracken (2016), S. 14-16 (englisch) in Dublin. Ebenfalls zu nennen ist Thomas Burgh (1670–1730), der Architekt der Bibliothek des Trinity College (1712),Bracken/Bracken (2016), S. 112 (englisch) des Dr. Steevens' Hospital (1720)Bracken/Bracken (2016), S. 206-207 (englisch) und der Royal Barracks (1702).
Im frühen 18. Jahrhundert eroberte die klassische palladianische Architektur Irland. Die treibende Kraft hinter dieser neuen Mode war der irische Architekt Edward Lovett Pearce. Pearce, geboren 1699 im County Meath, hatte Architektur in Italien studiert, bevor er 1725 nach Irland zurückkehrte, um die Bauüberwachung von Irlands erstem palladianischen Herrenhaus Castletown House zu übernehmen und es daraufhin mitzugestalten.
Das Castletown House war ein Meilenstein in der irischen Architektur. Es wurde um 1717 vom italienischen Architekten Alessandro Galilei im Stil eines italienischen Stadtpalazzos für Irlands einflussreichsten Mann, dem Sprecher des irischen Unterhauses William Conolly, entworfen. Es setzte einen neuen Standard und eine neue Mode in der irischen Architektur. Alessandro Galilei kehrte nach Italien zurück, bevor der erste Stein gelegt wurde. Danach war der irische Architekt Edward Lovett Pearce nicht nur für den Bau, sondern auch für Änderungen und Verbesserungen am ursprünglichen Plan verantwortlich. Ab Mitte der 1720er Jahre wurde fast jedes größere Gebäude in Irland im palladianischen Stil entworfen.
Durch Castletown und seine späteren Arbeiten, einschließlich des irischen Parlamentsgebäudes, hatte Pearce viele der italienischen architektonischen Konzepte in Irland fest etabliert. Nach Pearces Tod im Jahr 1733 sollte sein Schützling, der deutsche Architekt Richard Cassels (in Irland auch bekannt als Richard Castle), viele der schönsten Gebäude Irlands in einem ähnlichen, wenn nicht sogar robusteren Palladio-Stil entwerfen. Viele feine Landhäuser wurden quer durch das ganze Land von der reichen protestantischen Herrscherschicht im palladianischen Stil errichtet. Einige, wie das Leinster House,Bracken/Bracken (2016), S. 97-99 (englisch) entworfen von Sir William Chamber und das Russborough House, gehörten zu den schönsten Beispielen palladianischer Architektur. Der Palladianismus in Irland unterschied sich in vielen Fällen von dem in Europa durch die kunstvollen Rokoko-Innenräume, oft mit Stuck von Robert West und den Gebrüdern Lafranchini ausgestattet. Obwohl viele dieser Landhäuser, wie das von Pearce und Cassels gemeinsam entworfene Summerhill House, bei den zahlreichen irischen Aufständen zerstört wurden, sind zahlreiche Beispiele dieser Verbindung von Rokoko und Palladianismus heute noch als einzigartige Beispiele irischen Palladianismus erhalten.
In Dublin baute George Semple das St. Patrick's Hospital (1753)Bracken/Bracken (2016), S. 208 (englisch) und Thomas Cooley den Royal Exchange (1769; heute City Hall).Bracken/Bracken (2016), S. 35–36 (englisch)
Georgianische Zeit
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war der in London geborene James Gandon einer der bedeutendsten Architekten in Irland.Bracken/Bracken (2016), S. 121 (englisch) Gandon kam 1781 auf Einladung von Lord Carlow und John Beresford, dem irischen Steuerkommissar, nach Irland. Gandons Gebäude in Dublin umfassen das Zollhaus,Bracken/Bracken (2016), S. 119-122 (englisch) die Four Courts,Bracken/Bracken (2016), S. 194-195 (englisch) die King’s InnsBracken/Bracken (2016), S. 182-183 (englisch) und die östliche Erweiterung des irischen Parlamentsgebäudes in College Green. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der palladianische Stil weiterentwickelt, und die strengen Regeln für mathematische Proportionen und Achsen, die Palladio vorgegeben hatte, waren nahezu vollständig aufgegeben worden. Die neue Stilrichtung wird allgemein als georgianische Architektur bezeichnet. In diesem Stil wurden große Teile Dublins neu aufgebaut, die deshalb als georgianisches Dublin bezeichnet werden.
Francis Johnston war der dritte große irische Architekt dieser Zeit. Johnston war zeitweise Architekt des Board of Works und war somit für einen Großteil der Planung des georgianischen Dublin verantwortlich. Er hinterließ auch eine Reihe sehr prächtiger Gebäude, darunter die St. George’s Church in Hardwicke PlaceBracken/Bracken (2016), S. 141 (englisch) und die Vizekönigsloge im Phoenix Park. Letztere dient heute als Áras an Uachtaráin, die offizielle Residenz des Präsidenten Irlands, und war möglicherweise Vorbild für das Weiße Haus in Washington. Auch Leinster House beansprucht diese Vorbildwirkung für sich. Das klassizistische Castle Coole in County Fermanagh, entworfen von James Wyatt, weist eine noch größere Ähnlichkeit auf.