Eine Matrosengeschichte (Originaltitel: No Rest for the Wicked) ist ein dänisch-färöisch-isländischer Horror- und Liebesfilm von Kasper Kalle aus dem Jahr 2026. Der auf den Färöern im Jahr 1862 angesiedelte Film erzählt von der Liebesbeziehung zwischen einem jungen Fischer und einem gestrandeten dänischen Walfänger. Die Hauptrollen spielen Egor Venned und Pilou Asbæk.
Der Film basiert auf der Erzählung Manor von Karl Heinrich Ulrichs, die 1884 veröffentlicht wurde. Seine Weltpremiere hatte Eine Matrosengeschichte im Juli 2026 beim Fantasia International Film Festival in Montreal, wo Kasper Kalle mit dem Preis für die beste Regie und Pilou Asbæk für seine schauspielerische Leistung ausgezeichnet wurden.
Handlung Im Jahr 1862 lebt der junge Fischer Baldur mit seiner Mutter Ásla in einem abgelegenen Dorf auf den Färöern. Seit dem Tod seines Vaters sorgt Baldur für den gemeinsamen Lebensunterhalt. Das Leben der Dorfgemeinschaft wird von der gefährlichen See, harter körperlicher Arbeit und christlichen Traditionen bestimmt.
Während einer Fahrt gerät Baldur in einen Sturm und entdeckt den gestrandeten dänischen Walfänger Helge. Er nimmt ihn mit nach Hause, wo Helge zunächst bei Baldur und dessen Mutter lebt. Ásla fühlt sich zu dem Fremden hingezogen und sieht in ihm einen möglichen Partner. Gleichzeitig entwickelt sich zwischen Baldur und Helge eine zunehmende gegenseitige Anziehung.
Die beiden Männer beginnen eine Liebesbeziehung, die sie vor der Dorfgemeinschaft verbergen. Baldur gerät dadurch in Konflikt mit den Erwartungen seiner Mutter und den religiösen Normen seines Umfelds. Nach einem tragischen Ereignis nimmt die Geschichte eine übernatürliche Wendung. Baldurs Wunsch, seine Verbindung zu Helge über den Tod hinaus zu bewahren, setzt Kräfte frei, die von den Bewohnern des Dorfes als Bedrohung wahrgenommen werden.
Hintergrund und Produktion Eine Matrosengeschichte beruht auf der Erzählung ‘‘Manor’’ des deutschen Juristen, Schriftstellers und frühen Vorkämpfers für die Rechte homosexueller Menschen Karl Heinrich Ulrichs. Die 1884 erschienene Geschichte verbindet eine Liebesbeziehung zwischen Männern mit übernatürlichen Motiven und entstand mehrere Jahre vor Bram Stokers Roman Dracula.
Regisseur Kasper Kalle verlegte die Geschichte auf die Färöer und drehte den Film dort. Für ihn bildeten die Abgeschiedenheit, das wechselhafte Wetter und die Landschaft der Inselgruppe einen wesentlichen Bestandteil der Erzählung. Teile des Films wurden in historischen Gebäuden gedreht.
Produziert wurde der Film von SF Studios in Dänemark gemeinsam mit Outlier Projects von den Färöern und dem isländischen Unternehmen Truenorth. Die Kamera führte Jacob Møller. Für die Filmmusik zeichneten Torleik Mortensen und Andreas Tyekjær Restorff verantwortlich.
Die Rolle des Baldur übernahm der von den Färöern stammende Egor Venned, für den der Film die erste größere Schauspielrolle darstellt. Pilou Asbæk spielt den dänischen Walfänger Helge.
Die literarische Vorlage Der Film basiert auf der Erzählung Manor von Karl Heinrich Ulrichs. Ulrichs schrieb den Text nach eigener Datierung zwischen dem 22. und 30. Juli 1884. Veröffentlicht wurde er 1885 in Leipzig als Teil des Bandes Matrosengeschichten. Sulitelma. Atlantis. Manor. Der Mönch von Sumbö. Die Sammlung wurde 1998 von Wolfram Setz unter dem Titel ‘‘Matrosengeschichten und Gedichte. Ein Lesebuch’’ neu herausgegeben.
Bereits die erste der Matrosengeschichten, Sulitelma, enthält homoerotische Motive. In Manor steht die Liebesbeziehung zwischen zwei männlichen Figuren im Zentrum. Die auf den Färöern angesiedelte Erzählung handelt von dem 15-jährigen Fischersohn Har und dem vier Jahre älteren Seemann Manor. Nachdem Manor Har bei einem Bootsunglück vor dem Ertrinken gerettet hat, entwickeln die beiden eine Liebesbeziehung. Manor kommt später beim Untergang eines Walfängerschiffs ums Leben und kehrt aus Sehnsucht nach Har aus dem Grab zurück. Seine nächtlichen Besuche verbinden körperliche Nähe mit dem Trinken von Hars Blut. Die Dorfbewohner versuchen schließlich, den Toten durch einen Pfahl in seinem Grab festzuhalten. Har stirbt daraufhin aus Sehnsucht nach Manor und wird auf eigenen Wunsch mit ihm begraben.
Kasper Kalle übernahm den färöischen Schauplatz sowie die Verbindung von Männerliebe, Seefahrt, Tod und übernatürlicher Wiederkehr, veränderte jedoch Figuren und historischen Kontext. Während Ulrichs seine Geschichte in einer mythischen Vergangenheit ansiedelte, in der auf den Färöern noch der alte nordische Glaube vorherrscht, spielt der Film im Jahr 1862 in einer christlich geprägten Dorfgemeinschaft. Aus Har und Manor wurden der Fischer Baldur und der dänische Walfänger Helge.
Kalle bezeichnete Manor im Zusammenhang mit dem Film als einen wichtigen Text der queeren Geschichte. Die Verbindung einer homosexuellen Liebesgeschichte mit Horror entspreche seinem Interesse an Sexualität, gesellschaftlichen Geschlechternormen und der Erfahrung, gleichgeschlechtliche Liebe verbergen zu müssen.
Veröffentlichung No Rest for the Wicked feierte am 22. Juli 2026 beim Fantasia International Film Festival in Montreal seine Weltpremiere. Der Film lief dort im internationalen Wettbewerb Cheval Noir.
In Deutschland wird der Film unter dem Titel Eine Matrosengeschichte gezeigt. Er gehört zum Programm des Queerfilmfestivals 2026, das im September 2026 in mehreren deutschen Städten stattfindet.
Rezeption Nikki Baughan bezeichnete den Film in Screen Daily als queeres Drama, das insbesondere aus seinem Schauplatz auf den Färöern Kapital schlage. Sie hob die visuelle Gestaltung der Landschaft sowie die Verbindung von Liebesgeschichte, historischem Drama und Folk-Horror hervor.
In Variety beschrieb Dennis Harvey den Film als atmosphärisches übernatürliches Liebesdrama über zwei Männer, deren Beziehung durch gesellschaftliche und schließlich übernatürliche Kräfte bedroht wird.
Veronica Orciari schrieb für Cineuropa, die Verbindung bereits bekannter Elemente mache die Geschichte besonders wirkungsvoll. Sie lobte die Besetzung von Pilou Asbæk neben dem Leinwanddebütanten Egor Venned sowie Sofia Nolsøe Mikkelsens Darstellung von Baldurs Mutter. Einen besonderen Stellenwert maß sie Jacob Møllers Landschaftsaufnahmen und der Verbindung von Folk-Horror, Liebesgeschichte und dem Motiv einer den Tod überwindenden Liebe bei.
Auszeichnungen
2026: Cheval Noir Award – Beste Regie für Kasper Kalle 2026: Cheval Noir Award – Outstanding Performance für Pilou Asbæk 2026: Publikumspreis – Silber, Bester internationaler Langfilm
Literatur Karl Heinrich Ulrichs: Matrosengeschichten und Gedichte. Verlag rosa Winkel, Berlin, 1998. Darin Manor, S. 73–84Eintrag in der Deutschen Nationalbibliografie
Weblinks
No Rest for the Wicked in der Filmdatenbank des Danish Film Institute Eine Matrosengeschichte beim Queerfilmfestival Eine Matrosengeschichte beim deutschen Verleih Salzgeber
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2026 Kategorie:Dänischer Film Kategorie:Isländischer Film Kategorie:Liebesfilm Kategorie:Horrorfilm Kategorie:Homosexualität im Film Kategorie:Literaturverfilmung Kategorie:Vampire im Film