Joachim Christian Pincier (* 1. September 1671 in Lübeck; † 5. April 1708 ebenda) war ein deutscher Jurist und Domherr.

Leben Joachim Christian Pincier war ein Sohn des Lübecker Domherrn und eutinischen Hof- und Kanzleirats Ludwig Pincier (der Jüngere) und Urenkel des Lübecker Domdechanten Ludwig Pincier. Johann Ludwig von Pincier, Freiherr von Königstein, war sein älterer Bruder.

Er besuchte das Katharineum zu Lübeck und studierte ab 1692 Rechtswissenschaften an der Universität Jena.Lebensstationen im Wesentlichen nach Heinrich Wilhelm Rotermund: Fortsetzung und Ergänzungen zu Christian Gottlieb Jöchers allgemeinem Gelehrten-Lexicon, worin die Schriftsteller aller Stände nach ihren vornehmsten Lebensumständen und Schriften beschrieben werden ... Band 6, Bremen 1819, Sp. 219 Aus diesem Jahr ist ein Eintrag von ihm im Album Amicorum von Johann Gottfried Borgehl (1671–1720) erhalten.Eintrag im Repertorium Alborum Amicorum; Borgehl war Mediziner und praktizierte später in Lübeck, ab 1718 als Stadtphysikus, siehe Verzeichnis von Lübeckischen Ärzten der Vorzeit, in Neue Lübeckische Blätter 8 (1842), S. 348 1695 ging er an die Universität Leiden, wo er am 8. Januar 1697 mit einer Disputation über fürstliche Mitgift unter dem Rektor Govard Bidloo zum Dr. jur. promoviert wurde.Catalogus promotorum, in: P.C. Molhuysen (Hrsg.): Bronnen tot de geschiedenis der Leidsche Universitet. Band 4 (1682–1725) (=Rijks geschiedkundige publicatiën, Grote serie 45), 's-Gravenhage: Nijhoff 1920, S. 222 Nach Norddeutschland zurückgekehrt, trat er der Familientradition entsprechend in Gottorfer Dienste und wurde Hof- und Kanzleirat am fürstbischöflichen Hof in Eutin.

Schon am 14. Oktober 1682, im Alter von 11 Jahren, hatte er im Turnus seines Vaters eine Präbende als Domherr im Lübecker Domkapitel erhalten.Wolfgang Prange: Verzeichnis der Domherren. In: Ders.: Bischof und Domkapitel zu Lübeck: Hochstift, Fürstentum und Landesteil 1160-1937. Lübeck: Schmidt-Römhild 2014, ISBN 978-3-7950-5215-7, S. 400 Nr. 298 Nach Abschluss seines Studiums übernahm er im Kapitel die Ämter Thesaurarius (Schatzmeister) und Structuarius (Baubeauftragter). Bei der Bischofswahl nach dem Tod von Fürstbischof August Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf 1705, die von einer militärischen Auseinandersetzung und zu Weihnachten 1705 von der Belagerung und Besetzung von Schloss Eutin durch die Dänen begleitet war, gehörte Pincier zusammen mit seinem Bruder, der seit 1701 Domdekan war, zur letztlich siegreichen gottorfischen Partei im Kapitel, während die Gegenseite den dänischen Koadjutor, Prinz Carl von Dänemark (* 26. Oktober 1680; † 8. August 1729), einen jüngeren Bruder des dänischen Königs Friedrich IV., unterstützte.Peter von Kobbe: Schleswig-Holsteinische Geschichte vom Tode des Herzogs Christian Albrecht bis zum Tode Königs Christian VII. (1694 bis 1808). Altona: Hammerich 1834, S. 42 Durch diplomatisches Eingreifen der englischen Königin Anne sowie der Generalstaaten und nach Zusicherung einer Rente wurde dieser jedoch zur Aufgabe seines Anspruches gebracht, so dass der Kandidat der gottorfischen und mit Schweden verbündeten Partei, Christian August von Schleswig-Holstein-Gottorf, die Nachfolge antreten konnte.Eduard Vehse: Geschichte der kleinen deutschen Höfe seit der Reformation. 14. Teil: Die geistlichen Höfe, Band 4, Hamburg: Hoffmann & Campe 1860, S. 85 Endgültig beigelegt wurde die Auseinandersetzung erst nach Abschluss der Altranstädter Konvention, als Christian August 1709 von Kaiser Joseph I. mit dem Hochstift Lübeck belehnt wurde.C. R. Rasmussen, E. Imberger, D. Lohmeier, I. Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg. Wachholtz Verlag, Neumünster 2008., S. 195.

Joachim Christian Pincier war verheiratet mit Margaretha Dorothea, einer Verwandten des Lübecker Ratsherrn Joachim von Dale auf Brandenbaum.Johannes Baltzer, Friedrich Bruns, Hugo Rahtgens: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Hansestadt Lübeck. Band IV: Die Klöster. Die kleineren Gotteshäuser der Stadt. Die Kirchen und Kapellen in den Außengebieten. Denk- und Wegekreuze und der Leidensweg Christi. Nöhring, Lübeck 1928. (Faksimile-Nachdruck 2001, ISBN 3-89557-168-7), S. 70.

Einen Monat nach seinem Tod ging die Possession seiner Präbende am 4. Mai 1708 „auf Erste Bitte des Kaisers“ an den neunjährigen Otto Dietrich von Bülow (* 5. Dezember 1698 in Gudow; † 18. August 1722 in London), einen Neffen des Landkomturs Otto Diedrich von Bülow und Enkel des Generalmajors Jakob von Bülow.Wolfgang Prange: Verzeichnis der Domherren. In: Ders.: Bischof und Domkapitel zu Lübeck: Hochstift, Fürstentum und Landesteil 1160-1937. Lübeck: Schmidt-Römhild 2014, ISBN 978-3-7950-5215-7, S. 404 Nr. 324

Werke Disputatio inauguralis de privilegiis Dotium principalioribus. Leiden 1697

Literatur Johann Henrich von Seelen: Athenae Lubecenses. Band 2, Lübeck 1720 (Digitalisat), S. 100–102 Heinrich Wilhelm Rotermund: Fortsetzung und Ergänzungen zu Christian Gottlieb Jöchers allgemeinem Gelehrten-Lexicon, worin die Schriftsteller aller Stände nach ihren vornehmsten Lebensumständen und Schriften beschrieben werden ... Band 6, Bremen 1819, Sp. 219 Wolfgang Prange: Verzeichnis der Domherren. In: Ders.: Bischof und Domkapitel zu Lübeck: Hochstift, Fürstentum und Landesteil 1160-1937. Lübeck: Schmidt-Römhild 2014, ISBN 978-3-7950-5215-7, S. 400 Nr. 298

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