mini|Schambachtalbahn-Radweg: Strecke mit Zwischenorten mini|Schambachtalbahn-Radweg: Steigungen maximal 1 % Der Schambachtalbahn-Radweg ist ein etwa 45 Kilometer langer Radwanderweg in Bayern. Er verbindet Ingolstadt mit Riedenburg im Landkreis Kelheim und führt über Lenting, Kösching, Oberdolling, Sandersdorf, Neuenhinzenhausen, Altmannstein und Hexenagger. Ein großer Teil der Strecke verläuft auf der Trasse der ehemaligen Bahnstrecke Ingolstadt–Riedenburg, die von 1903 bis 1972 dem Personenverkehr und bis 1973 dem Güterverkehr diente.

Der Radweg verbindet den Donauradweg im Raum Ingolstadt mit dem Altmühltal-Radweg in Riedenburg. Aufgrund seiner weitgehend ebenen Streckenführung, des hohen Anteils an autofreien Wegen und seiner landschaftlichen und kulturgeschichtlichen Sehenswürdigkeiten gilt er als familienfreundliche Radroute.

Verlauf 250px|mini|Ehemalige Bahnstrecke Ingolstadt-Riedenburg Der Schambachtalbahn-Radweg beginnt am Ingolstädter Hauptbahnhof. Nach der Durchquerung des Stadtgebietes führt er am Bahnhof Ingolstadt Nord aus der Stadt über Oberhaunstadt und Lenting nach Kösching. Anschließend verläuft die Route über Oberdolling, Unterdolling und Offendorf nach Tettenagger und Sandersdorf. Von Sandersdorf erreicht der Weg das eigentliche Schambachtal. Über Neuenhinzenhausen und Altmannstein folgt er dem Tal der Schambach nach Hexenagger und weiter nach Riedenburg, wo Anschluss an den Altmühltal-Radweg besteht.

Die heutige touristische Beschreibung weist eine Länge von 45 km aus. Die tatsächliche Länge kann je nach gewähltem Einstieg und der Führung durch Ingolstadt variieren. Die ehemalige Bahnstrecke hatte eine Länge von 38 km.

Streckencharakter Der Radweg ist nahezu durchgehend asphaltiert und verläuft größtenteils abseits des motorisierten Straßenverkehrs. Charakteristisch ist die geringe Steigung der ehemaligen Bahntrasse von maximal 1 Prozent. Insbesondere zwischen Sandersdorf und Riedenburg führt die Strecke durch das landschaftlich reizvolle Schambachtal mit Wiesen, Auwäldern, Dolomitfelsen, Trockenrasen und Wacholderheiden.

Der Weg wird sowohl für Freizeit- und Familienradler als auch für Alltagsradverkehr genutzt. Seine Bedeutung für den Alltagsverkehr wurde zuletzt durch den Ausbau des Abschnitts zwischen Altmannstein und Leistmühle unterstrichen. Dieser Abschnitt wurde 2025 asphaltiert und am 12. August 2025 für den Radverkehr freigegeben. Nur noch ein kurzes Stück bei Hexenagger ist noch nicht asphaltiert.

Geschichte

Die Lokalbahn Ingolstadt–Riedenburg mini|250x250px|Am Beginn des Schambachtalbahn-Radwegs vor dem Hauptbahnhof in Ingolstadt steht eine auf der Strecke ehemals benutzte Dampflok Die Geschichte des Radweges ist eng mit der ehemaligen Lokalbahn Ingolstadt–Riedenburg verbunden. Riedenburg bemühte sich bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts um einen Eisenbahnanschluss. Eine ursprünglich erwogene Verbindung über die Sulztalbahn erwies sich unter anderem wegen notwendiger Brückenbauten als aufwendig und teuer. Deshalb wurde eine Nebenbahn von Ingolstadt über Kösching und Altmannstein nach Riedenburg geplant.

1898 wurde eine Trasse festgelegt. Die beteiligten Gemeinden verpflichteten sich unter anderem zur kostenlosen Bereitstellung von Grund und zu erheblichen finanziellen Beiträgen. Der Bau der rund 38,7 Kilometer langen Nebenbahn wurde durch Gesetz des Bayerischen Landtags vom 30. Juni 1900 genehmigt.

Mit dem Bau wurde 1901 bei Ingolstadt-Nord begonnen. Bereits ab Herbst 1902 wurde der erste Abschnitt für den Güterverkehr genutzt. Der Personenverkehr auf dem ersten Teilstück begann am 1. Mai 1903; am 1. Mai 1904 wurde die Gesamtstrecke bis Riedenburg eröffnet. Die heutige touristische Darstellung des Radweges bezieht sich deshalb häufig auf das Jahr 1904 als Eröffnungsjahr der Bahnverbindung.

Die Bahn diente nicht nur dem Personenverkehr. Eine wichtige wirtschaftliche Funktion hatte sie beim Transport land- und forstwirtschaftlicher Erzeugnisse. Insbesondere die Holzabfuhr aus den staatlichen Waldungen des Köschinger Forstes war ein Argument für die gewählte Streckenführung.

Bedeutung für die Orte Die Bahn verband die kleineren Orte mit den beiden Städten Ingolstadt und Riedenburg und erleichterte damit den Personen- und Güterverkehr. Für Orte wie Kösching, Oberdolling, Sandersdorf, Altmannstein und Hexenagger stellte die Bahn über Jahrzehnte eine wichtige regionale Verkehrsverbindung dar.

Die ehemaligen Bahnhofsgebäude an der Strecke wurden abgerissen oder privatisiert (Theissing). Dort hatte die Verbindung auch für die örtliche Wirtschaft Bedeutung; die Gemeinden waren unter anderem durch ihre Holzwirtschaft den Zuckerrübenanbau geprägt. Der Eisenbahnverkehr zwischen Ingolstadt und Riedenburg wurde sukzessive zwischen 1972 und 1995 eingestellt.

Stilllegung Der Personenverkehr wurde am 28. Mai 1972 eingestellt. Der Güterverkehr bestand noch länger und endete abschnittsweise. Der letzte verbliebene Abschnitt zwischen Ingolstadt und Offendorf wurde am 1. August 1995 stillgelegt. Danach wurde die Bahntrasse schrittweise zurückgebaut. 2004 begann beziehungsweise erfolgte der Abbau der Gleisanlagen; anschließend wurde die Trasse für den Radverkehr hergerichtet.

Im Jahr 2008 wurde der durchgängige Schambachtalbahn-Radweg eröffnet. Damit erhielt die ehemalige Eisenbahntrasse eine neue Funktion als Freizeit- und Verkehrsweg. Mehrere Informationstafeln erinnern entlang der Strecke an die Geschichte der Bahn und die mit ihr verbundenen Orte.

Historische Information am Radweg Eine Besonderheit des Schambachtalbahn-Radweges ist die Verbindung von Radverkehr und Eisenbahngeschichte. Entlang der ehemaligen Bahntrasse erinnern Informationstafeln an den Bau, den Betrieb und die Stilllegung der Lokalbahn sowie an die Geschichte der anliegenden Orte. Nach einer touristischen Beschreibung sind insgesamt 16 Stationen mit entsprechenden Informationen ausgestattet. mini|250px|Noch vorhandener Lagerschuppen in Offendorf 250px|mini|Achse einer Güterzugdampflokomotive der Reihe 043, ausgestellt in Dolling 250px|mini|Dampflokomotive der Reihe 043 des sächsischen Eisenbahnmuseums Hilbersdorf Damit unterscheidet sich der Radweg von reinen Fluss- oder Landschaftsrouten: Die ehemalige technische Infrastruktur selbst ist Bestandteil des touristischen Erlebnisses. An einigen Stellen sind auch noch kleinere bis große Relikte der Eisenbahnstrecke vorhanden. Zu den kleineren gehören Kilometertafeln zu den größeren Relikten die ehemaligen Bahnhofsbauten, die heute in privater Nutzung sind. Gut erhalten ist der Lagerschuppen in Offendorf. In Dolling ist seit 2021 die imposante Achse einer Güterzugdampflokomotive der Reihe 043 ausgestellt.

Sehenswürdigkeiten Der Radweg verbindet Natur- und Kulturlandschaft mit zahlreichen historischen Sehenswürdigkeiten.

Ingolstadt Ausgangspunkt ist die historische Stadt Ingolstadt. Zu den Sehenswürdigkeiten in der Altstadt gehören unter anderem das Neue Schloss mit dem Bayerischen Armeemuseum, die Asamkirche Maria de Victoria, das Liebfrauen Münster und die Hohe Schule.

Kösching und Umgebung Im Bereich Kösching verläuft die Route durch die Übergangslandschaft zwischen Donautal und Jura. Die barocke Pfarrkirche Maria Himmelfahrt gehört zu den kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten des Ortes.

Sandersdorf und Neuenhinzenhausen Im weiteren Verlauf erreicht der Radweg Sandersdorf und Neuenhinzenhausen. Hier wird die historische Bahntrasse zunehmend von der Landschaft des Schambachtals geprägt. Gleichzeitig bestehen Verbindungen zu weiteren regionalen Radwegen und Ausflugszielen.

Altmannstein mini|Blick auf Altmannstein Altmannstein liegt im Naturpark Altmühltal und gehört zu den wichtigsten Orten am Radweg. Über dem Markt erhebt sich die Burgruine Altmannstein. Der Ort ist außerdem mit dem Bildhauer Ignaz Günther verbunden, dem ein Museum gewidmet ist.

Von Altmannstein aus bestehen Verbindungen zum Deutschen Limes-Radweg. Dadurch kann der Schambachtalbahn-Radweg mit weiteren historischen Radrouten des Naturparks Altmühltal kombiniert werden.

Hexenagger 250px|mini|Schloss Hexenagger In Hexenagger trifft der Radfahrer auf Schloss Hexenagger und die historische Kulturlandschaft des unteren Schambachtals. Der Ort war bereits vor dem Bau der Eisenbahn wirtschaftlich geprägt. Die dortige Schlossbrauerei bestand von 1486 bis 1986. Die ehemalige Bahntrasse ist hier besonders eng mit der Landschaft des Schambachtals verbunden. Eine Waffen-, Huf- und Hammer-Schmiede mit Fallhämmern von 1633 und der Hauptfeuerstelle von 1639 befindet sich an der Schambach.

Riedenburg Am Ende der Strecke liegt Riedenburg, die sogenannte Drei-Burgen-Stadt an der Altmühl. Hier besteht Anschluss an den Altmühltal-Radweg, wodurch der Schambachtalbahn-Radweg Bestandteil eines größeren regionalen Radwegenetzes wird.

Naturraum Schambachtal Der landschaftlich eindrucksvollste Abschnitt befindet sich zwischen Sandersdorf, Altmannstein und Riedenburg. Das Schambachtal ist durch eine abwechslungsreiche Kombination aus Bachauen, Wiesen, Wäldern und Kalkfelsen geprägt. Hinzu kommen Trockenrasen und Wacholderheiden, die für den Naturraum der südlichen Frankenalb charakteristisch sind.

Das Gebiet ist auch aus naturschutzfachlicher Sicht bemerkenswert. Im Schambachtal kommen unter anderem Eisvogel, Pirol, Neuntöter, Braunkehlchen und verschiedene Greifvogelarten vor. Die ehemalige Bahntrasse bildet dabei teilweise einen Rückzugsraum für Pflanzen und Tiere.

Ein bekanntes Naturdenkmal des Tales war der sogenannte Steinpilz, eine durch Erosion entstandene markante Felsformation. Wegen Einsturzgefahr wurde der rund 60 Tonnen schwere Fels am 16. Juli 2007 gesprengt. Im sogenannten Felsengarten ist unter anderem der als „Kreutberglöwe“ bezeichnete Felsen erhalten.

Aktuelle Nutzung Der Schambachtalbahn-Radweg wird heute vor allem als Freizeitradweg, aber zunehmend auch als Bestandteil des regionalen Alltagsradverkehrs genutzt. Seine nahezu ebene Trasse und die weitgehende Führung abseits stark befahrener Straßen machen ihn insbesondere für Familien und weniger geübte Radfahrer geeignet.

Der Ausbau des Radverkehrsnetzes wird fortgesetzt. 2025 wurde beispielsweise der Abschnitt zwischen Altmannstein und Leistmühle asphaltiert. Das Staatliche Bauamt Ingolstadt ordnete ihn dabei ausdrücklich dem Radverkehrsnetz Bayern zu. Ziel dieses Netzes ist eine möglichst durchgängige und witterungsunabhängige Verbindung der bayerischen Städte und Gemeinden.

Der Radweg besitzt darüber hinaus eine touristische Verbindungsfunktion. In Ingolstadt besteht Anschluss an den Donauradweg und weitere regionale Routen, während in Riedenburg der Übergang zum Altmühltal-Radweg möglich ist. Über Altmannstein bestehen außerdem Verbindungen zum Limes-Radweg und zur Via Raetica.

Bedeutung Der Schambachtalbahn-Radweg steht exemplarisch für die Umnutzung stillgelegter Eisenbahntrassen zu Radwegen. Die ehemalige Verkehrsachse zwischen Ingolstadt und Riedenburg wurde nach ihrer Stilllegung nicht vollständig aufgegeben, sondern als Teil der regionalen Radverkehrsinfrastruktur erhalten.

Dabei verbindet der Weg drei unterschiedliche Funktionen:

Verkehrsweg touristische Route Erinnerungsort an die Eisenbahngeschichte der Region

Die ehemalige Bahntrasse macht die historische Entwicklung der Mobilität sichtbar: Wo einst Lokalbahnzüge Menschen und Güter zwischen Donau und Altmühltal transportierten, verkehren heute Fahrräder.

Literatur

Walther Zeitler: Eisenbahnen in Niederbayern und in der Oberpfalz, 2. Auflage, Amberg, 1997. Staatliches Bauamt Ingolstadt: St 2231, Asphaltierung des Radwegs zwischen Altmannstein und Leistmühle, Pressemitteilung vom 8. August 2025.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Radwanderweg in Deutschland Kategorie:Radweg auf ehemaliger Bahnstrecke in Bayern Kategorie:Verkehrsbauwerk im Landkreis Eichstätt Kategorie:Verkehrsbauwerk im Landkreis Kelheim