mini|Bethsabée de Rothschild Bethsabée Louise Emilie Beatrix de Rothschild später Batsheva (geboren 23. September 1914 in Paris; gestorben 20. April 1999 in Tel Aviv) war ein französisches Mitglied der Familie Rothschild, Philanthropin und Kunstsammlerin.
Leben Bethsabée de Rothschild wurde am 23. September 1914 in Paris geboren. Sie war die Tochter von Édouard Alphonse James de Rothschild und Germaine Halphen (1884–1975). Sie hatte zwei Brüder, Alphonse, der jung starb, und Guy sowie eine Schwester Jacqueline. Zu ihren Geschwistern hatte sie ein enges Verhältnis, jedoch soll sie sich von der Lebensweise ihrer wohlhabenden Familie distanziert haben. Sie wuchs auf dem Château de Ferrières und im Palais Talleyrand auf. An der Sorbonne in Paris erwarb sie einen Bachelor-Abschluss in Biologie. Während ihrer Studienzeit arbeitete sie am Institut Pasteur in Paris. Nach der deutschen Besetzung von Frankreich im Zweiten Weltkrieg ging sie mit ihrer Familie nach New York ins Exil. Dort besuchte sie Kurse an der Columbia University. Danach ging sie noch während des Kriegs nach London und schloss sich den Streitkräften des Freien Frankreich an, begleitete die Truppen bei der Invasion der Normandie und nahm an der Befreiung von Paris teil, wo sie fortan als Vermittlerin zwischen der französischen und der amerikanischen Armee fungierte.
Nach Kriegsende kehrte sie nach New York zurück und schrieb sich an der Tanzschule von Martha Graham ein. In New York lernte sie Donald Bloomingdale (1913–1954) kennen, den Enkel von Lyman G. Bloomingdale, einem Mitbegründer des Kaufhauses Bloomingdale’s. Donald Bloomingdale war zu der Zeit Attaché an der amerikanischen Botschaft in Paris. Bereits 1953 ließ sich das Paar scheiden. Batsheva de Rothschild heiratete nicht wieder und starb 1999 nach langer Krankheit in ihrem Haus in Tel Aviv. Sie wurde in Israel beigesetzt.
Tanzkompanien Nach der Scheidung von Bloomingdale engagierte sich Bethsabée de Rothschild weiter im Bereich des Tanzes. Sie wurde zu einer Anhängerin und Förderin von Martha Graham. Sie finanzierte die Aktivitäten der Truppe, die filmische Dokumentation der Tänze sowie den Erwerb eines festen Standorts in New York. Zudem unterstützte sie junge Komponisten und Tänzer. Als die Martha Graham Dance Company im Jahr 1956 eine Ostasientournee antrat, begleitete Bethsabée de Rothschild sie auf dieser Tournee. Durch ihre Unterstützung endete die Reise nicht im Iran, sondern es fanden noch Auftritte in Israel statt. In der Folgezeit organisierte de Rothschild zwei weitere Tourneen der Graham-Kompanie in Israel. De Rothschild organisierte Tanzkurse in Israel unter der künstlerischen Leitung von Graham. Zudem vergab sie Stipendien für herausragende Tänzer ihrer Schule.
Sie reiste 1951 erstmals nach Israel und besuchte das Land immer öfter und länger, bis sie sich 1962 dauerhaft in Tel Aviv niederließ. In Israel nahm sie den Namen Batsheva an und gründete die Batsheva Dance Company, deren künstlerische Beraterin Graham wurde. Ihre Tanzkompanie wurde zu einem einflussreichen kulturellen Vorbild und leistete einen bedeutenden Beitrag für die Tanzszene in Israel.
In der Mitte der 1960er Jahre lernte sie Jeannette Ordman kennen. Ordman stammte aus Südafrika und war eine klassisch ausgebildete Tänzerin. Sie war 1965 von London aus nach Israel eingewandert. Die zwei wurden beruflich Partnerinnen und durch die finanzielle Unterstützung von de Rothschild gründeten sie eine Tanzschule und die Bat-Dor Dance Company, deren künstlerische Leitung Ordman übernahm. Im Jahr 1985 gründete Batsheva de Rothschild das Zentrum für Tanzmedizin. In Tel Aviv ließ de Rothschild ein Zentrum für diese Kompanie errichten, das für die damaligen Verhältnisse einen beispiellosen Standard setzte. Nachdem jedoch der Plan, beide Kompanien zusammenzulegen, im Jahr 1975 gescheitert war, stellte sie die Unterstützung ein.
Philanthropie In Israel gründete Batsheva de Rothschild zwei Stiftungen zur Förderung von Kunsthandwerk, Kunst und Bildung sowie von Wissenschaft und Technologie, die „Batsheva de Rothschild Foundation for Arts and Sciences“ sowie die „Batsheva Society for the Arts“, die vor allem Künstler mit ethnischem Hintergrund förderte. Dazu gehörten auch das Modehaus Maskit, die Vereinigung für Kammermusik und das Kammerensemble. Zudem setzte sie sich für die israelische Kultur ein, indem sie Aufnahmen israelischer Musik sowie die Übersetzung literarischer Meisterwerke ins Hebräische unterstützte.
In den Vereinigten Staaten rief sie 1952 eine nach ihr benannte Stiftung für Kunst und Wissenschaft, die Bethsabée de Rothschild Foundation for the Arts and Sciences ins Leben.
Kunstsammlerin Von ihrem Großvater Baron Alphonse de Rothschild hatte sie über eine Stiftung einen Teil einer bedeutenden Kunstsammlung geerbt. Dazu gehörten Gemälde Alter Meister, Ölgemälde von Rembrandt aus dem 17. Jahrhundert sowie islamisches und venezianisches Glas, Kunstgewerbeobjekte, Porzellan und Schmuck im Stil der Renaissance. Diese Sammlung wurde nach ihrem Tod versteigert. Rembrandts „Bildnis einer Dame“ wurde bei Christie’s in London für den Rekordpreis von 28,7 Millionen US-Dollar an den niederländischen Kunsthändler Robert Noortman verkauft. Ein Krug aus der Mamluken-Zeit erzielte mit 3.307.750 Pfund Sterling einen Weltrekord für islamisches Glas. Zwei Moscheelampen wurden für 1.763.750 Pfund beziehungsweise 641.750 Pfund verkauft.
Ehrungen Für besondere Verdienste um die Gesellschaft und den Staat Israel wurde ihr 1989 der Israel-Preis verliehen.
Weblinks
Bethsabée de Rothschild auf Jewish Women Archive The Batsheva de Rothschild Fund
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