Die armenisch-österreichischen Beziehungen sind das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Armenien und Österreich. Diplomatische Beziehungen zwischen beiden Ländern bestehen seit dem 24. Jänner 1992 und gelten traditionell als freundschaftlich. Beide Staaten sind Mitglier in der OSZE und im Europarat.

Schon seit Jahrhunderten besteht ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Armeniern und Österreichern. Historisch sind beide Länder durch den armenischen Mechitaristenorden der bereits seit über 200 Jahren in Wien beheimatet ist, und die im 18. Jahrhundert gegründete Armenisch-Apostolische Kirche in Österreich verbunden. Die armenische Diasporagemeinschaft innerhalb Österreichs entstand im 17. Jahrhundert und zählt heute etwa 7000 Angehörige.

Geschichte

Bis zum 19. Jahrhundert Schon im Mittelalter gab es im damaligen Herzogtum Österreich vereinzelt Armenier. Die meisten von ihnen standen im Dienste des Hofes. Eine armenische Gemeinde in Wien bestand bereits zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia im 18. Jahrhundert und umfasste laut der damaligen Volkszählung 21 armenische Familien. Einer von ihnen war der Armenier Johannes Theodat (armenisch Owanes Astouatzatur) der 1685 das erste Wiener Kaffeehaus eröffnete.

Die armenisch-apostolische Kirche gründete ihre erste Gemeinde auf dem Gebiet Österreichs im Jahr 1775 in Suceava in der Bukowina, die damals ein Teil der Habsburgermonarchie war. Der armenische Orden der Mechitaristen in Triest verließ aufgrund der Napoleonischen Kriege seine ursprüngliche Heimat und ließ sich darauf ab 1805 in Wien nieder. Die Wiener Mechitaristenkirche wurde zwischen 1871 und 1873 erbaut.

20. Jahrhundert Nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) siedelten sich in Österreich viele Armenier an die aus dem Osmanischen Reich stammten und von dort im Zuge des dort zwischen 1915 und 1916 begangenen Völkermords geflohen waren. Sowohl der Völkermord an den Armeniern als auch der armenische Widerstand auf dem Berg Musa Dagh wurden im 1933 erschienenen historische Roman Die vierzig Tage des Musa Dagh des österreichischen Schriftstellers Franz Werfel, literarisch verarbeitet.

Ein bekannter Vertreter der Armenier in Wien während der Nachkriegszeit war Raoul Aslan, der als Direktor des Burgtheaters zwischen 1945 und 1948 maßgeblich zu dessen Wiederbelebung beitrug.

Mit der Gründung der Demokratischen Republik Armenien im Mai 1918 erhielt Armenien seine Unabhängigkeit, die jedoch bereits 1920 mit der Eroberung durch die Rote Armee endete. Die Beziehungen zwischen Österreich und der Armenischen Sozialistischen Sowjetrepublik wurden daher bis 1991 durch die österreichisch-sowjetischen Beziehungen bestimmt.

Am 21. September 1991 erklärte Armenien seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion und ist seitdem eine eigenständige Republik. Österreich erkannte die Unabhängigkeit Armeniens am 15. Jänner 1992 an und nahm daraufhin am 24. Jänner 1992 diplomatischen Beziehungen zu Armenien auf.

21. Jahrhundert Die Beteiligung Österreichs an der 2023 eingerichteten Mission der Europäischen Union in Armenien sowie an der Europäischen Friedensfazilität wurde von der Regierung Armeniens wertgeschätzt. In Bezug auf den Bergkarabachkonflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan, bemüht sich Österreich mit der restlichen EU, beide Konfliktparteien zum Frieden zu bewegen.

Nachdem der Großteil der armenischen Bevölkerung im September 2023 aus der Region Bergkarabach geflohen war, leistete Österreich dort über den EU-Zivilschutz-Mechanismus und das Rote Kreuz humanitäre Hilfe. Armenien gilt zudem als Schwerpunktland der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.

Österreichs Anerkennung des Völkermords an den Armeniern Am 21. April 2015, anlässlich des 100. Jahrestags des Völkermords an den Armeniern, gab der Nationalrat eine Erklärung ab, die von den Vorsitzenden aller Parlamentsparteien unterzeichnet wurde. In diesem Dokument wird der Genozid an den Armeniern ausdrücklich als solcher benannt und verurteilt. Zudem wird darin betont, dass Österreich aufgrund seiner historischen Verantwortung als früherer Verbündeter des Osmanischen Reiches zu diesem Schritt verpflichtet sei. Die Türkei wurde dabei aufgerufen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und die an den Armeniern verübten Verbrechen ebenfalls als Völkermord anzuerkennen.

In diesem Zusammenhang betonten gleichzeitig die Klubobleute, dass es keinesfalls darum gehe, türkische Mitbürgerinnen und Mitbürger in Österreich oder die Türkei zu beleidigen. Stattdessen liege der Fokus auf die Versöhnung zwischen der Türkei und Armenien.

Wirtschaftsbeziehungen Im Jahr 2022 betrugen die Exportprodukte Österreichs nach Armenien einen Wert von 36 Mio. Euro und umfassten hauptsächlich Maschinen, Medikamente sowie Papier- und Pappeprodukte. Die armenischen Exportprodukte nach Österreich sind überwiegend Bekleidungen und Ferrolegierungen.

Armenisch-Apostolische Kirche in Österreich

Die armenisch-apostolische Kirche ist seit 1965 Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich und umfasst ungefähr 3000 Mitglieder. Neben Wien existieren auch Gemeinden in Bregenz, Graz, Klagenfurt, Linz und Salzburg. Die Kirche wird von Bischof Tiran Petrosyan geleitet.

Diplomatische Vertretungen

Armenien hat seit Dezember 1993 eine Botschaft in Wien. Die österreichische Botschaft in Tiflis ist für Armenien zuständig. Österreich hat seit 2011 ein Honorarkonsulat in Jerewan.

Siehe auch

Österreichische Botschaft für Armenien Armenische Botschaft in Wien Armenische Diaspora

Weblinks

Einzelnachweise