Richard Langenbeck (* 20. Dezember 1848 in Lahr; † 24. November 1914 in Heidelberg) war ein deutscher Geograph, Pädagoge und Geomorphologe. Er erlangte bleibende wissenschaftliche Bedeutung durch die erste lückenlose historische Chronik der seismischen Aktivitäten im Oberrheingraben und leistete damit wesentliche wissenschaftliche Vorarbeiten für die Erdbebenkommission des Naturwissenschaftlichen Vereins in Karlsruhe.
Leben und Wirken Langenbeck schlug nach dem Besuch des Gymnasiums in Lahr und dem Studium der Philologie, Geographie und Naturwissenschaften an den Universitäten Heidelberg und Leipzig eine Laufbahn im höheren Schuldienst und in der akademischen Forschung ein. Im Jahr 1874 promovierte er in Leipzig zum Dr. phil. mit einer geomorphologischen Arbeit über Die Thäler des Schwarzwaldes mit besonderer Berücksichtigung ihrer Ausbildung. Er wirkte über Jahrzehnte als Gymnasialprofessor, Oberschulrat und Geograph im Großherzogtum Baden sowie im Reichsland Elsaß-Lothringen, vornehmlich im Raum Straßburg.
Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt lag auf der Geomorphologie und der Tektonik des Rheintals. Zu einer Zeit, als die instrumentelle Seismologie mittels Seismographen erst in den Kinderschuhen steckte, erkannte Langenbeck den unschätzbaren Wert historischer Quellen zur Erfassung des langfristigen Erdbebenrisikos. Er unterzog historische Chroniken, kirchliche Aufzeichnungen und amtliche Berichte einer systematischen geowissenschaftlichen Quellenkritik.
Im Jahr 1892 veröffentlichte er in Straßburg sein Hauptwerk Die Erdbebenerscheinungen in der oberrheinischen Tiefebene und ihrer Umgebung. In diesem Werk trug er akribisch sämtliche dokumentierten Erdbeben der Region vom Jahr 801 bis zum Jahr 1889 zusammen. Diese Chronik wurde zur zentralen Arbeitsgrundlage für die badischen und württembergischen Erdbebenkommissionen, da sie erstmals statistische Rückschlüsse auf die Wiederkehrperioden schwerer Erdstöße im Südwesten Deutschlands erlaubte. In den Folgejahren erweiterte er seine Forschungen um die Auswertungen der makroseismischen Netze der 1890er-Jahre und publizierte im Jahr 1911 eine umfassende Arbeit über die Entstehung des Rheingrabens.
Schriften (Auswahl) Die Thäler des Schwarzwaldes mit besonderer Berücksichtigung ihrer Ausbildung. Leipzig, Univ., Diss., 1874.Eintrag im K10plus-Verbundkatalog, PPN: 032128828. Die Erdbebenerscheinungen in der oberrheinischen Tiefebene und ihrer Umgebung. Heitz Verlag, Straßburg 1892. Beiträge zur Landeskunde des Elsasses. Heft 1. Heitz Verlag, Straßburg 1893. Die Erdbebenerscheinungen in der oberrheinischen Tiefebene. Heft 2: Ergänzungen und neuere Beobachtungen. Straßburg 1895. Die Quellentypen des Schwarzwaldes. In: Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins in Karlsruhe. Band 12, 1897, S. 201–215. Der geographische Unterricht an den höheren Lehranstalten Badens. G. Braunsche Hofbuchdruckerei, Karlsruhe 1902. Die Bildung der Rheintalspalte und die Oberrheinischen Erdbeben. In: Geographische Zeitschrift. Band 17, 1911.
Literatur Erdbebenkommission des Naturwissenschaftlichen Vereins in Karlsruhe (Hrsg.): Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins in Karlsruhe. 1893. Band 11, S. 44–48 Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB): Makroseismischer Atlas von Baden-Württemberg. 2015. Freiburg im Breisgau.
Einzelnachweise
Kategorie:Geograph (19. Jahrhundert) Kategorie:Geograph (20. Jahrhundert) Kategorie:Seismologe Kategorie:Chronist Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1848 Kategorie:Gestorben 1914 Kategorie:Mann