mini|Jean Cotelle der Ältere – Anne de Rohan, princesse de Guéméné Jean Cotelle der Ältere (getauft am 24. Dezember 1607 in Meaux; † 25. März 1676 in Paris), auch bekannt als Jean I. Cotelle, Jean Cotelle le Père oder Jean Cotelle le Vieux, war ein französischer Dekorations- und Ornamentmaler sowie Zeichner und Kupferstecher. Er war zu Lebzeiten ein gefragter Dekorations- und Ornamentmaler. Seine hochrangige Klientel (Krone, hoher Adel, Finanzverwaltung), die zahlreichen Aufträge und die erheblichen Honorare belegen seine berufliche Anerkennung. Der überwiegende Teil seines Œuvres ist jedoch nicht erhalten, sodass seine Rezeption heute im Wesentlichen auf archivalischen Quellen und der wenigen erhaltenen Druckgrafik beruht. Sein Sohn Jean Cotelle der Jüngere (1646–1708) wurde ebenfalls Maler und ist vor allem für die Galerie des Cotelle im Grand Trianon von Versailles bekannt.

Leben Jean Cotelle war der Sohn des Maurermeisters Richard Cotelle, der als Wegebaumeister der Stadt Meaux tätig war. Trotz seiner vergleichsweise einfachen Herkunft gelang ihm der berufliche und soziale Aufstieg. 1633 heiratete er Marguerite Jean, die Tochter und Witwe eines Pariser Spenglers. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor: Madeleine, verheiratet mit einem parlamentarischen Prokurator, Marguerite, verheiratet mit dem Maler Nicolas-Pierre Loir, Raphaël, Kanoniker und Pfarrer der Abteikirche in Jouarre, Anne, Nonne in der Abtei von Pont-aux-Dames, Catherine, in erster Ehe verheiratet mit dem Maler Jacques Gervaise und in zweiter Ehe mit einem Brigadier der Gens d’armes d’Anjou sowie Jeanne, verheiratet mit dem Maler François de Troy. Cotelle sowie Jeanne, die 1668 den Maler François de Troy heiratete.

Jean Cotelle war ausschließlich in Paris als Dekorations- und Ornamentmaler, Zeichner und Kupferstecher tätig. Tafelmalerei ist bei ihm nicht dokumentiert. Er wurde wahrscheinlich von Laurent Guyot ausgebildet und arbeitete unter dessen Leitung an Tapisserien für die Gobelin-Manufaktur. Für Simon Vouet fertigte er Entwürfe für Teppichborten an. Am 24. Mai 1635 wurde er in die Communauté des maîtres peintres et sculpteurs de Paris aufgenommen.

mini|Galerie des Cotelle im Grand Trianon des Schlosses von Versailles Die zahlreichen, überwiegend archivalisch belegten Arbeiten Cotelles betreffen dekorative Malereien in Pariser Wohnhäusern, von denen heute kaum etwas erhalten ist. Im Jahr 1644 gestaltete er gemeinsam mit Toussaint Dumée eine Antichambre, eine Chambre und ein Cabinet des bains im Hôtel d’Albret für den Staatssekretär Henri de Guénégaud. Um 1644/45 entstanden bedeutende Dekorationen im Grand Appartement Haut der Anne de Rohan, Prinzessin von Guémené, an der Place Royale (heute Sitz des Maison de Victor Hugo). 1647 war er im Schloss Petit-Bourg (Brie, nicht erhalten) für den Abbé de La Rivière tätig. Ab 1647/48 führte Cotelle den Titel peintre ordinaire du roi. Am 6. Februar 1647 erhielt er die Druckgenehmigung für das Livre de divers ornemens pour plafonds, das er konzipiert hatte und das mit Kupferstichen von François de Poilly dem Älteren und François Boulanger ausgestattet war. Ein von Cotelle en grisaille gezeichnetes (nicht gemaltes) Porträt der Prinzessin Anne de Rohan, dem das Buch gewidmet war, schmückte dessen Titelseite. Dieses Bildnis gilt als verschollen.

Er gravierte das von Poilly herausgegebene Nouveau Livre de Chansons mit eigenen Stichen. Ihm werden Wappentrophäen zugeschrieben, die ursprünglich von Daniel Hopfer gestochen wurden, sowie sieben Vignetten für ein Gebetbuch, die er selbst entworfen und gestochen hat. Im Jahr 1649 dekorierte er einen Raum und einen Alkoven im Pariser Hôtel des Marschalls Duc de Gramont; diese Dekorationen sind heute nicht mehr erhalten. 1651 gehörte er zu den ersten Meistern, die die Urkunde zur Vereinigung der Maîtrise mit der Académie royale de peinture et de sculpture unterzeichneten. Nach deren Auflösung kehrte er zur Maîtrise zurück. Eine mögliche Beteiligung an den ab 1653 begonnenen dekorativen Malereien im Louvre gilt als nicht gesichert. mini|Galerie des Cotelle im Grand Trianon des Schlosses von Versailles Von 1657 bis 1661 arbeitete er für den Surintendant Nicolas Fouquet, zunächst in dessen Haus in Saint-Mandé, das heute fast vollständig zerstört ist, anschließend im Schloss Vaux-le-Vicomte und im Pariser Hôtel des Finanziers Nicolas Monnerot, die beide heute nicht mehr erhalten sind. Zur gleichen Zeit dekorierte er gemeinsam mit Nicolas Loir das Schloss von Le Plessis-Belleville (Oise) für den Trésorier de l’épargne, Claude de Guénégaud (nicht erhalten). Ein Schätzprotokoll (procès-verbal de prisée et estimation) aus dem Jahr 1670, das sich im Institut Néerlandais in Paris befindet, beziffert den Wert der Arbeiten beider Künstler auf 57.814 Livres. Zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt soll Cotelle das Zimmer und das Grand Cabinet im Appartement des Reines-Mères im Schloss Fontainebleau für Anne d’Autriche ausgestaltet haben. Diese Zuschreibung ist nicht urkundlich belegt, gilt jedoch als wahrscheinlich. Ein Teil dieser Dekoration ist erhalten.

Ab 1664 sind ausschließlich Gemeinschaftsarbeiten mit Nicolas Loir dokumentiert: 1664 eine Galerie im Pariser Hôtel des Marschalls de La Ferté-Senneterre (nicht erhalten), anschließend Arbeiten auf königlichen Baustellen, darunter 1666 im Schloss Vincennes, 1668–1671 die Ausgestaltung der Salle des Gardes und der Antichambre im Appartement haut des Königs im Palais des Tuileries in Paris, 1671/72 in einem der Appartements des Attiques sowie in zwei Räumen des Appartement des Bains im Schloss Versailles (Deckenmalereien in der Chambre ionique und der Chambre dorique) und 1673 die Ausgestaltung des Appartements der Madame de Montespan im Schloss Saint-Germain-en-Laye. Diese Dekorationen, die zuvor teilweise allein Nicolas Loir zugeschrieben wurden, wurden nachweislich von beiden Künstlern in enger Zusammenarbeit ausgeführt, und die Entlohnung erfolgte jeweils zu gleichen Anteilen.

Werk Von Jean Cotelles dekorativem Werk ist nahezu nichts erhalten. Überliefert sind lediglich Zeichnungen und Druckgraphik, die sich in folgenden Sammlungen befinden: Berlin, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Kunstbibliothek Ottawa, National Gallery of Canada Oxford, Ashmolean Museum Paris, Musée du Louvre Paris, Musée des Arts décoratifs Paris, École nationale supérieure des Beaux-Arts Warschau, Narodowe Museum

Literatur Béatrice Sarrazin (Hrsg.): Jean Cotelle (1646–1708). Des jardins et des dieux. Ausstellungskatalog, Musée national du Château de Versailles et de Trianon, Grand Trianon, 12. Juni–16. September 2018, Liénart, Paris 2018. Jacqueline de Lacroix-Vaubois: Les Cotelle. Biographie de Jean I Cotelle. Mémoire de maîtrise, Université Paris IV-Sorbonne, unter der Leitung von Antoine Schnapper, 1998. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 4: Cossintino – Dyck. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online, De Gruyter, 2009.

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Einzelnachweise

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