Wir haben keine Antimemetik-Abteilung (englisch There is no Antimemetics Division) ist ein Science-Fiction-Roman des britischen Schriftstellers Sam Hughes (Pseudonym qntm). Die englische Ausgabe des Romans erschien am 20. Juni 2020 im Selbstverlag und am 11. November 2025 bei Del Rey Books und Ballatine Books. Die deutsche Ausgabe des Romans erschien am 12. November 2025 beim Heyne Verlag. Die Übersetzung stammt von Urban Hofstetter. Der Roman schildet den Kampf gegen Kreaturen antimemetischer Natur, die dafür sorgt, dass sich an sie nicht erinnert werden kann oder Aufzeichnungen von ihnen erstellt werden können. Der Roman begann als Webserie im durch das SCP Wiki online geteilten Universum der SCP Foundation.
Handlung Marie Quinn ist Direktorin der Antimemetik-Abteilung, welche sich auf die Erforschung von Antimemes konzentriert, nämlich Gedanken, an die sich nicht erinnert werden kann oder die nicht kommuniziert werden können. Tatsächlich können Antimemes sogar in Gestalt von unbeobachtbaren Kreaturen auftreten, genannt Unbekannte, die Erinnerungen konsumieren. Auch in freier Wildbahn hat die evolutionäre Entwicklung von antimemetischem Schutz zur Tarnung so die Entdeckung zahlreicher Spezies wie Cryptomorpha gigantes verhindert, einer einen Kilometer großen Kreatur mit einem natürlichen antimemetischen Schutz, die trotzdem inzwischen ausgestorben ist. Zwar verfügt die Antimemetik-Abteilung über viele eingesperre Unbekannte, jedoch weiß niemand, wann oder wie diese genau eingesperrt wurden. Auch das Studium der Unbekannten wird erschwert, wenn Beobachtungen nicht festgehalten werden können. Etwa sind schriftliche Aufzeichnungen vollkommen unlesbar und Videoaufnahmen zeigen überhaupt nichts. In der Antimemetik-Abteilung werden Mnestika und Amnestika eingenommen, um sich entweder möglichst gut zu erinnern oder sogar absichtlich zu vergessen. Marie Quinn schützt sich zudem durch weitere Maßnahmen wie das Lesen eines Buches mit unnützen Fakten, welche ein ihr folgendes Unbekanntes, genannt Sonnenschein aufgrund der gelegentlichen Manifestation als hellgelber Fleck in ihrem Sichtfeld, auf Kommando statt wichtiger Erinnerungen konsumieren kann. Neue Rekruten haben ihren ersten Tag in der Antimemetik-Abteilung häufig mehrmals und können nicht einmal sagen, wann sie angefangen haben. Entlassene Rekruten verlieren häufig ihr Gedächtnis vollständig, bei der Erinnerung an ihre alte Arbeitsstelle wird ihnen nur gesagt: „Wir haben keine Antimemetik-Abteilung“.
Marie Quinn ist durch verbleibende Aufzeichnungen klar, dass die Antimemetik-Abteilung enorm schrumpft, von fünftausend auf nun achtzig Leute, und sicher sogar ein antimemetischer Krieg bevorsteht. Bekannt ist ein früherer solcher Krieg, vermutet werden zahlreiche weitere. Eventuell ist der neue Krieg sogar bereits ausgebrochen, indem Unbekannte nun nicht nur Erinnerungen, sondern sogar Menschen selbst konsumieren. Tatsächlich wird die Perspektive eines „neuen“ Mitarbeiters der Antimemetik-Abteilung geschildert, der eines Tages in einer Aufzeichnung entdeckt, nun von einem Unbekannten verschlungen worden zu sein. Sämtliche Erinnerungen an ihn außerhalb dessen Einflussbereiches wurden entfernt. Eine andere „neue“ Mitarbeiterin sieht bei ihrem „ersten“ Tag auf Mnestika plötzlich einen monumentalen Monolithen vor der Antimemetik-Abteilung, ein Denkmal an den einen bekannten antimemetischen Krieg. Sie konzeptualisiert bei dessen Erkundung mit Marie Quinn das Unbekannte U-3125 und erleidet dadurch einen Herzinfarkt. Marie Quinn konnte es nicht konzeptualisieren und ist besorgt, dass selbst die talentiertesten Antimemetiker scheinbar machtlos gegen die Unbekannten sind. Eines Tages kommt ihr Ehemann Adam Quinn in die Antimemetik-Abteilung, jedoch hat Marie Quinn ihre siebzehnjährige Ehe vollkommen vergessen sowie auch den potentiellen Willen, sich doch noch zu erinnern. Adam beschreibt Hobbys von ihm wie das Geigenspiel, welche Marie fälscherlicherweise sich selbst zuordnet. Ihre Erinnerungen an ihre Wohnung sind daneben auf kurze Anwesenheiten für Essen und Schlafen beschränkt. Unbeeindruckt ordnet sie daraufhin an, ihren Ehemann mit gelöschtem Gedächtnis fernab auszusetzen und daraufhin von allen Beteiligten ebenfalls das Gedächtnis zu löschen. Später liest Marie Quinn die Akte des Unbekannten U-3125, wonach dieses zwar alle 63 Tage besucht werden muss, aber jede Erinnerung an die Begegnung gelöscht werden muss und keine Aufzeichnungen erstellt werden dürfen. In der Gefängniskammer selbst findet Marie Quinn jedoch nur eine Aufzeichnung von sich selbst, in der unter anderem ein ihr unbekannter Adam erwähnt wird. Tatsächlich befindet sich U-3125 nämlich überall außerhalb der Gefängniskammer und nur darin durch die antimemetische Abschirmung nicht, was sich zur Kriegsplanung verwenden lässt.
Als Marie Quinn klar wird, dass der Krieg gegen U-3125 längst begonnen hat, opfert sie ihr Leben durch die Einnahme eines extrem starken Klasse Z-Mnestikums, welches ihr temporär vollkommene Klarheit über die fragmentierte Kriegsführung verschafft und ihr die Möglichkeit der Verbindung gibt. Zur Planung des Krieges gegen U-3215 benutzt die Antimemetik-Abteilung sogenannte Vegas-Räume, benannt nach dem bekannten Spruch „Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas“. Diese funktionieren genau wie das angebliche Gefängnis von U-3215 selbst, nämlich indem jede Erinnerung an alles darin beim Verlassen entfernt wird. Ein solcher Vegas-Raum ist der ausgehölte Schädel eines Cryptomorpha gigantes. Marie Quinn vollendet ihren eigenen Plan in einem solchen Vegas-Raum und stirbt daraufhin. Nach einem Zeitsprung wird geschildet wie das Bewusstsein von Ed Hix, ein Mitarbeiter der Antimemetik-Abteilung, mit einem Keim verbunden wird, einer biologischen Hardware in Form einer kleinen unbelebten Kreatur mit Tentakeln und einem einzelnen Auge, die fortan seine Erinnerungen statt ihm aufnimmt und später mit diesen zerstört wird. Ed Hix wird beim anschließenden Treffen in einem Vegas-Raum durch eine antimemetische Anomalie getötet, woraufhin sein Bewusstsein komplett im verbundenen Keimkörper verbleibt. Später gelingt ihm die Flucht zu einer kryogenischen Kammer mit einem Klonkörper von ihm. Mit seinen Tentakeln stellt er dort die gleiche Verbindung her, als U-3215 ihn angreift. Obwohl ihm die Verteidigung stark erschwert ist, gelingt ihm die Abwehr von U-3215 und später die Besitznahme seines Klons. Ed Hix zerstört daraufhin den Keim mit der Anmerkung dies noch zu bereuen, doch sein weiterer Verbleib, ob Tod, Flucht oder die ewige Versteckung in einem antimemetischen Feld, bleibt unbekannt. Lediglich Adam Quinn, der sich durch vergessenen Rauswurf noch immer in der Antimemetik-Abteilung befand, konnte noch ein letztes Gespräch mit ihm in Gestalt des Keims führen, was nur extrem rudimentär möglich war, da Ed Hix weder hören noch sprechen konnte. Er erklärte, viele Jahre so versteckt verbracht zu haben und durch den natürlichen antimemetischen Schutz seiner verkümmerten Form an einer Verteidigung mitgearbeitet zu haben, nämlich einem Irrealitätsverstärker. Adam Quinn sucht den Irrealitätsverstärker im ebenfalls von Marie Quinn vor ihrem Tod benutzten Vegas-Raum auf, findet dort jedoch ganz dessen Natur eine ganz andere Waffe vor, nämlich eine Erinnerungsbombe. Deren Wirkung ist die Auslöschung sämtlicher Erinnerungen an den Krieg gegen U-3215, durch welchen es weiter an der Existenz gehalten wird, um es dadurch endgültig zu besiegen. Durch eine Aktivierung gehen jedoch auch alle Erinnerungen an die Antimemetik-Abteilung verloren. Adam Quinn findet zusätzlich den alternativen Plan von Marie Quinn vor, ein noch stärkeres Kontermeme zu U-3215 zu entwickeln. Zur absoluten Sicherheit beschließt er daher, genau wie sie ein Klasse Z-Mnestikum einzunehmen, wodurch sie in seinem Verstand wieder klar hervorkommt und dadurch indirekt alle notwendigen Information zu dem von ihr entwickelten Kontermeme. U-3215 wird dabei für ihn sichtbar zerfetzt und auch Sonnenschein fällt dem Kampf zum Opfer. Adam Quinn stirbt nach einem letzten Gespräch mit Marie Quinn in seinem Verstand, dann löscht die aktivierte Erinnerungsbombe sämtliche Spuren aus, sodass U-3215 auch niemals eine Rückkehr möglich sein wird. Zudem stellt sich heraus, dass Cryptomorpha gigantes durch stärkeren antimemetischen Schutz doch nicht ausgestorben ist und zudem ein natürlicher Fressfeind der von U-3215 geschaffenen und ebenfalls antimemetischen Spinnenkreaturen ist. Es bleibt unklar, ob die antimemetische Seite der Welt von den Menschen jemals wiederentdeckt werden wird.
Entwicklung Die Entwicklung des Romans begann mit der Veröffentlichung der Kurzgeschichte SCP-055 im SCP Wiki im Jahr 2008. Wir haben keine Antimemetik-Abteilung wurde als Ausarbeitung vom 31. Januar 2015 bis zum 1. Januar 2016 veröffentlicht. Die Fortsetzung Five Five Five Five Five wurde vom 4. Mai 2017 bis zum 13. Juni 2020 veröffentlicht. Am 20. Juni 2020 erschien zudem ein von Sam Hughes selbst aus den Kurzgeschichten zusammengestellter Roman. Im Jahr 2024 erwarb Del Rey Books die Veröffentlichungsrechte für das Vereinigte Königreich und Ballantine Books die für die Vereinigten Staaten. Der Roman erschien am 11. November 2025. Obwohl einige Eigenheiten des SCP Wiki wie zensierte Informationen und fehlende Buchstaben beibehalten wurden, wurden zahlreiche Bezeichnungen ersetzt, etwa „Foundation“ durch „Organisation“ oder „SCP“ durch „Unbekannte“. Auf Publishers Weekly heißt es, der („“).
Auszeichnungen Wir haben keine Antimemetik-Abteilung war für den Arthur C. Clarke Award im Jahr 2026 nominiert gewesen.
Kritik Jess Kreiser schrieb für die The Washington Post, dass der Roman eine Geschichte wie von Lovecraft sei, jedoch adaptiert für das moderne Zeitalter („a story worthy of Lovecraft — updated for an online and increasingly unhinged age“). Lisa Tuttle bezeichnete den Roman im The Guardian als unvergesslich, verstandverbiegend und brillant („unforgettable, mind-bendingly brilliant novel“). Meghna Rao schrieb für Dirt, die Geschichte sei um die Ängste und Trümpfe der Erinnerung im 21. Jahrhundert gestrickt. („The book’s world is woven around the anxieties and small triumphs of memory in the 21st century.“) Es sei dadurch eine kleine spekulative Handlung über eine sehr viel tiefere Geschichte („small, breakneck, speculative plot masking a deeper story“). Auf Kirkus Reviews hieß es, Sam Hughes verwebe den fundamentalen weltveränderten Konflikt im Roman mit einem Haufen nudelverbiegender Quantenmechanik („weaves the novel’s fundamental, world-altering conflict underneath a whole lot of noodle-bending quantum mechanics“). Insbesondere sei ein schlauer Twist mit einem unstoppbaren Gegner sowohl cool als auch beruhigend („clever twist matched with an adversary this unstoppable is both cool and unsettling“). Auf Publishers Weekly hieß es, Fans von harter Science-Fiction auf der Suche nach Rätseln und Spektakel würden unterhalten werden, wenn nicht sogar erstaunt. („Hard sci-fi fans looking for riddles and spectacle will be entertained, if occasionally baffled.“)
Adaptionen Eine vierteilige Adaption betitelt SCP: There Is No Antimemetics Division unter der Regie von Andrea Joshua wurde vom 27. März bis 16. April 2024 veröffentlicht. We Need To Talk About Fifty-Five, ein Kapitel der Serie, wurde unter der Regie von Adria Lang mit Beteiligung von Jasika Nicole in einen eigenen Kurzfilm erweitert. Dieser wurde beim Chattanooga Film Festival gezeigt und von DUST am 2. Februar 2026 veröffentlicht.
Weblinks
There Is No Antimemetics Division auf der Webseite von Sam Hughes Antimemetics Division Hub im SCP Wiki
Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Science-Fiction-Literatur Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Englisch)