Niederländisch-Malakka (1641–1825) bezeichnet die längste Phase der Fremdherrschaft über Malakka. Die Niederlande herrschten insgesamt fast 183 Jahre über die Stadt, unterbrochen durch eine britische Besetzung während der Französischen Revolutionskriege und der späteren Napoleonischen Kriege von 1795 bis 1818. Diese Epoche verlief vergleichsweise friedlich und wurde nur selten durch ernsthafte Auseinandersetzungen mit den malaiischen Sultanaten gestört. Dies war insbesondere auf eine 1606 geschlossene Verständigung zwischen den Niederländern und dem Sultanat Johor zurückzuführen.

Die niederländische Herrschaft war zugleich von einem Bedeutungsverlust Malakkas geprägt. Die Niederländer bevorzugten Batavia, das heutige Jakarta, als wirtschaftliches und administratives Zentrum ihrer Besitzungen in der Region. Ihr Interesse an Malakka bestand vor allem darin, die Stadt nicht an andere europäische Mächte zu verlieren und damit neue wirtschaftliche Konkurrenz zu verhindern. Nachdem Malakka im 17. Jahrhundert seine frühere Bedeutung als Hafen eingebüßt hatte, entwickelte sich das Sultanat Johor durch die Öffnung seiner Häfen und sein Bündnis mit den Niederländern zur bedeutendsten regionalen Macht.

Geschichte

Niederländische Eroberung Portugiesisch-Malakkas

mini|links|Niederländisch-Malakka um 1665

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts begann die Niederländische Ostindien-Kompanie (, VOC), die portugiesische Vormachtstellung in Ost- und Südostasien zurückzudrängen. Die Portugiesen hatten Malakka zu einer stark befestigten Festung, der Fortaleza de Malaca, ausgebaut und kontrollierten damit den Zugang zu den Seewegen durch die Straße von Malakka und zum dortigen Gewürzhandel. Die Niederländer begannen zunächst mit kleineren Angriffen und Gefechten gegen die Portugiesen.

Der erste größere Versuch zur Einnahme der Stadt war die Belagerung Malakkas im Jahr 1606 durch die dritte VOC-Flotte aus der Republik der Vereinigten Niederlande. Die elf Schiffe standen unter dem Kommando des Admirals Cornelis Matelief de Jonge. Die Belagerung führte zur Seeschlacht bei Kap Rachado. Obwohl die Niederländer dort geschlagen wurden, erlitt die portugiesische Flotte unter Martim Afonso de Castro, dem Vizekönig von Goa, schwerere Verluste. Die Auseinandersetzung trug dazu bei, dass sich das Sultanat Johor mit den Niederländern und später auch mit dem Sultanat Aceh gegen Portugal verbündete.

Im Januar 1641 griffen rund 700 Niederländer und mit ihnen verbündete Javaner Malakka an und eroberten die Stadt von den Portugiesen. Das Sultanat Johor unterstützte die Niederländer mit weiteren etwa 500 bis 600 Soldaten. Darüber hinaus erhielten die Belagerer Nachschub und Lebensmittel aus der Umgebung sowie von ihrem kurz zuvor eroberten Stützpunkt Batavia. Mit der Eroberung Malakkas wurde der letzte bedeutende portugiesische Stützpunkt in der Region ausgeschaltet und der portugiesische Einfluss im Malaiischen Archipel erheblich geschwächt. Entsprechend der 1606 mit Johor geschlossenen Vereinbarung übernahmen die Niederländer die Kontrolle über Malakka und verpflichteten sich im Gegenzug, keine Gebiete der malaiischen Königreiche zu erobern und keinen Krieg gegen diese zu führen.

Niedergang des Handels

Nach der Eroberung erwirtschaftete Malakka im 17. Jahrhundert zunächst beträchtliche Einnahmen, die vor allem auf dem Zinnhandel mit Perak beruhten. Um 1700 hatten die Niederländer jedoch zunehmend Schwierigkeiten, den Handel der Stadt wiederzubeleben. Malakka konnte zu dieser Zeit häufig nicht einmal die vorgesehenen Zinnlieferungen nach Batavia erfüllen.

Die Gouverneure von Malakka unternahmen verschiedene Versuche zur Förderung des Handels. Die VOC-Verwaltung in Batavia zeigte jedoch wenig Interesse daran, den Zinnhandel Malakkas auszubauen, und verfolgte stattdessen eine Politik, die möglichst große Teile des Handels nach Batavia lenken sollte. Ein englischer Beobachter vermerkte 1711, dass Malakka nur über geringen Handel verfüge. Der zunehmende Einfluss der Bugis im Sultanat Johor belebte gleichzeitig den Handel über Riau und verringerte die wirtschaftliche Bedeutung Malakkas zusätzlich.

Roger de Laver, Gouverneur von Malakka in den 1730er und frühen 1740er Jahren, stellte fest, dass seine Bemühungen zur Belebung des Zinnhandels kaum Wirkung gezeigt hätten. Als einen wichtigen Grund nannte er die starke Konkurrenz anderer Häfen, da insbesondere indische Kaufleute ihren Handel über Aceh, Kedah und Perak abwickelten.

Übergang der Kontrolle an Großbritannien

Im Januar 1795 veröffentlichte der niederländische Statthalter Wilhelm V. von Oranien, der nach Großbritannien geflohen war, die sogenannten Kew-Briefe. Darin wies er die niederländischen Gouverneure in den Kolonien an, ihre Gebiete vorübergehend den Briten zu übergeben und mit ihnen im Krieg gegen Frankreich zusammenzuarbeiten, solange die Niederlande selbst von einer französischen Besetzung bedroht waren. Malakka wurde daraufhin an Großbritannien übergeben und blieb bis 1818 unter britischer Verwaltung. Während dieser Zeit bestand formal jedoch weiterhin eine niederländische Souveränität über das Gebiet.

Unter britischer Verwaltung wurde ab 1807 die noch aus portugiesischer Zeit stammende Festung Malakkas schrittweise abgerissen. Die Briten befürchteten, dass die Niederländer sie bei einem zukünftigen regionalen Konflikt gegen Großbritannien verwenden könnten. Lediglich das Tor Porta de Santiago der Festung A Famosa blieb erhalten, nachdem Stamford Raffles verspätet gegen dessen Zerstörung interveniert hatte.

Der Britisch-Niederländische Vertrag von 1814 sah die Rückgabe Malakkas an die Niederländer vor. Tatsächlich übernahmen diese jedoch erst 1818 wieder die vollständige Kontrolle. Mit dem Britisch-Niederländischen Vertrag von 1824 wurde Malakka schließlich dauerhaft an Großbritannien abgetreten. Die Übergabe erfolgte am 1. März 1825.

Verwaltung

mini|Die 1660 errichtete Bastion Middelburg an der Mündung des Malakka-Flusses mini|Der niederländische Platz mit der Christ Church von 1753 und dem Stadthuys

Malakka wurde zunächst als Kolonie der Niederländischen Ostindien-Kompanie verwaltet. Die obersten Verwaltungsbeamten waren niederländische Gouverneure. Eine Ausnahme bildete die britische Besatzungszeit während der Koalitions- und Napoleonischen Kriege, in der britische Residents die Verwaltung übernahmen. Die Bedeutung Malakkas innerhalb der niederländischen Kolonialverwaltung nahm im Laufe der Zeit ab, da sich die VOC zunehmend auf Batavia konzentrierte.

Nach der Wiederherstellung der niederländischen Herrschaft 1818 gehörte Malakka bis zu seiner Abtretung 1825 zu Niederländisch-Indien.

Gouverneure von Malakka

+ 50px|randGouverneure von Niederländisch-Malakka (1641–1795) Gouverneur von bis Johan van Twist 1641 1642 Jeremias van Vliet 1642 1645 Arnout de Vlamingh van Oudtshoorn 1645 1646 Jan Thyszoon Payart 1646 1662 Jan Anthonisz van Riebeeck 1662 1665 Balthasar Bort 1665 1679 Jacob Joriszoon Pits 1679 1680 Cornelis van Quaelberg 1680 1684 Nikolaas Schaghen 1684 1685 François Tack 1685 1686 Dirk Komans (1. Amtszeit) 1686 1686 Thomas Slicher 1686 1691 Dirk Komans (2. Amtszeit) 1691 1692 Gelmer Vosberg 1692 1697 Goevert van Hoorn 1697 1700 Bernhard Phoonsen 1700 1704 Johan Grotenhuys (kommissarisch) 1704 1704 Karel Bolner 1704 1707 Pieter Rooselaar 1707 1709 Willem Six 1709 1711 Willem Moerman 1711 1717 Herman van Suchtelen 1717 1726 Johan Frederik Gobius 1726 1730 Pieter Rochus Pasques de Chavonnes 1730 1735 Roger de Laver 1735 1741 Willem Bernard Albinus 1741 1748 Pieter van Heemskerk 1748 1753 Willem Dekker 1753 1758 David Boelen 1758 1764 Thomas Schippers 1764 1771 Jan Crans 1771 1775 Pieter Gerardus de Bruijn 1775 1788 Abraham Couperus 1788 1795

+ 50px|randBritische Residents von Malakka (1795–1818) Resident von bis Archibald Brown 1795 1795 Thomas Parr 1795 1796 Richard Tolson 1796 1797 David Campbell 1797 1798 Aldwell Taylor 1798 1803 Willem Jacob Cranssen (niederländischer Gouverneur) 1802 William Farquhar 1803 1818

+ 50px|randGouverneure von Niederländisch-Malakka (1818–1825) Gouverneur von bis Jan Samuel Timmermann Thijssen 1818 1822 Adriaan Koek (kommissarisch) 1822 1824 Hendrik Stephanus van Son 1824 1825

Stadt und Festung Malakka

Die Niederländer verbesserten und erweiterten die aus portugiesischer Zeit stammende Festung A Famosa. Im Jahr 1670 wurde unter anderem das Festungstor renoviert. Zudem wurden Mauern zum Schutz des Hafens errichtet und die Stadt erweitert.

Mitte des 17. Jahrhunderts entstand das Stadthuys, das als Verwaltungszentrum der niederländischen Kolonie diente und bis heute erhalten ist.

Im Jahr 1757 errichteten die Niederländer gemeinsam mit den Bugis die Festung Kota Supai in Kuala Linggi. Sie wurde bereits einige Jahre später wieder aufgegeben.

Literatur

Einzelnachweise

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