mini|Porträt von Paul Pierre Sevin, Kupferstich nach einem Gemälde von Jean Cotelle (1670), gestochen von Claudius Vermeulen im Jahr 1688. Musée des Beaux-Arts de Rennes Pierre Paul Sevin (* 8. Mai 1646 in Tournon-sur-Rhône; † 2. Februar 1710 ebenda) war ein französischer Maler, Zeichner und Illustrator. Er gilt als einer der bedeutendsten Schöpfer von Dekorationsentwürfen für höfische Feste, Triumphzüge und Trauerfeierlichkeiten im Frankreich Ludwigs XIV.

Leben Pierre Paul Sevin war der Sohn des Malers François Sevin, bei dem er seine künstlerische Ausbildung erhielt. Ab etwa 1661 war er als Maler, vor allem von Freskendekorationen, in seiner Heimatstadt Tournon tätig. Zwischen 1662 und 1666 schuf er Dekorationen in Lyon, Chambéry und Annecy, bevor er 1666 nach Rom reiste. Dort blieb er bis 1671; auf der Rückreise machte er Station in Venedig, bevor er nach Tournon zurückkehrte. Im Jahr 1673 ließ er sich in Paris nieder, eröffnete ein Atelier und wurde 1677 in die Académie de Saint-Luc aufgenommen. 1689 zog er nach Lyon, wo er zum Stadtmaler (Peintre ordinaire de la Ville) ernannt wurde, jedoch bereits nach weniger als einem Jahr wieder entlassen wurde. 1690 kehrte er nach Tournon zurück und blieb bis zu seinem Lebensende dort.

Sevins Werk ist eng mit dem des Jesuitenpaters Claude-François Ménestrier (1631–1705) verknüpft. Ménestrier entwarf die Konzepte zu zahlreichen seiner Bildwerke. Bereits 1662 arbeiteten beide anlässlich der Dekoration des Hofs des Collège des Jésuites de Lyon zusammen, wovon Zeichnungen zeugen, die Sevin zugeschrieben werden. Diese befinden sich in der École nationale supérieure des beaux-arts in Paris und in den Archives municipales de Lyon.

Während seiner Zeit in Rom entstand eine Vielzahl von Zeichnungen, darunter auch Studien nach italienischen Gemälden, Antiken und Monumenten. Vor allem aber zeichnete Pierre Paul Sevin Feste, Bankette, Prozessionen sowie Konzert- und Theateraufführungen. Ein Beispiel ist das von Papst Clemens IX. für Christina von Schweden im Jahr 1668 ausgerichtete Bankett, das sich heute im Nationalmuseum Stockholm befindet. In Rom traf er auch den Maler Jean Cotelle, der 1670 ein Porträt von ihm schuf. Dieses wurde 1688 von Cornelis Vermeulen gestochen. mini|Pierre Paul Sevin – Die Gesandtschaft von Jan Gniński in Istanbul (Audienz beim Sultan Mehmed IV.) 1679 Während seiner Pariser Jahre arbeitete Pierre Paul Sevin hauptsächlich für die Jesuiten. Unter der konzeptuellen Leitung Ménestriers entstanden ephemere Dekorationen für Festlichkeiten im Umfeld der königlichen Familie. Besonders hervorzuheben sind seine zahlreichen Entwürfe für die Ausgestaltung von Trauerfeierlichkeiten. So war er an der Dekoration der Trauerfeier für die französische Königin Maria Theresia von Spanien in Saint-Denis im Jahr 1683 sowie an derjenigen für den Prince de Condé in Notre-Dame de Paris im Jahr 1687 beteiligt. Für Letztere schuf er Entwürfe für den Katafalk und die Ausschmückung des Kirchenschiffs (Zeichnungen, Bibliothèque municipale de Lyon). In detaillierten Gouachen hielt er die künstlerische Ausschmückung solcher Trauer- und Gedenkzeremonien fest, unter anderem für Henri bzw. Louis de Bourbon, den Prince de Condé (Musée Carnavalet, Paris). Daneben entwarf er Triumphbögen für feierliche Einzüge und Wanddekorationen für Kirchen. Im Jahr 1682 realisierte er zudem ein Feuerwerk anlässlich der Geburt des Duc de Bourgogne. Auch Miniaturen wurden wohl vom König bei ihm in Auftrag gegeben. Im Jahr 1698 erhielt Pierre Paul Sevin den Auftrag, den Audienzsaal des Parlements von Dombes in Trévoux auszumalen.

Werk mini|Pierre Paul Sevin – Fronleichnamsfest in Venedig. Schwedisches Nationalmuseum Neben den Dekorationsentwürfen bilden Illustrationen einen zentralen Schwerpunkt in Sevins Werk. Seine Zeichnungen wurden vor allem von Cornelis Vermeulen, Franz Ferdinand Ertinger, Antoine Trouvain, Jean Dolivar und Charles Simonneau in Stiche umgesetzt. Es handelt sich dabei häufig um allegorische oder ornamentale Darstellungen für Frontispize, Illustrationen zu Emblembüchern oder Almanachen. Pierre Paul Sevin war zudem an den Illustrationen einiger Bücher Ménestriers beteiligt, darunter Histoire du règne de Louis le Grand par les médailles (1689 und 1693), La devise du Roy justifiée (1679) und Des Décorations funèbres (1683). Außerdem illustrierte er zahlreiche Madrigale, darunter eines für den Kardinal de Bouillon anlässlich des Todes von Turenne (1676, Gouache, Musée Carnavalet) sowie ein Madrigal über sich selbst (1688, gestochen von Ertinger). Darüber hinaus schuf Pierre Paul Sevin Ölgemälde, überwiegend religiöse Szenen, kopierte Gemälde von Zeitgenossen und malte auch Porträts. Seine meist lavierten Federzeichnungen zeichnen sich durch einen spontanen Charakter und einen nervösen Duktus aus. Seine mit Aquarellfarben kolorierten oder als Gouachen ausgeführten Darstellungen, insbesondere jene der Trauerfeierlichkeiten, sind hingegen sehr exakt und detailliert gestaltet.

Werke von Pierre Paul Sevin befinden sich unter anderem im Musée d’Art et d’Histoire in Auxerre, im Czartoryski-Museum in Krakau, im Victoria and Albert Museum in London sowie in der Bibliothèque nationale de France und im Louvre in Paris.

Rezeption Pierre Paul Sevins Porträtmalerei fand bei seinen Zeitgenossen wenig Anklang und gilt als wahrscheinlicher Grund für seine Entlassung in Lyon. Er wurde häufig lediglich als Zeichner für die Werke Ménestriers wahrgenommen und stand zudem im Schatten von Jean Bérain (I.), dessen Dekorationen einem stärker zeitgenössischen Stilempfinden entsprachen. Gleichwohl gilt seine künstlerische Umsetzung allegorischer Programme für Illustrationen – meist als Vorlagen für Druckgrafiken – und für Feste als eigenständige Leistung. Seine detailreichen Zeichnungen sind eine wichtige Quelle, um diese ephemeren Dekorationen kennenzulernen.

Literatur Maurice Audin, Eugène Vial: Dictionnaire des artistes et ouvriers d’art du Lyonnais. Bd. 2, Lyon/Paris 1919. Léo Schidlof: Un dessinateur oublié: Pierre Sevin. In: Gazette des Beaux-Arts. 1911.

Élisabeth Lemoine-Bouchard: Les peintres en miniature actifs en France, 1650–1850. Paris 2008. Damien Chantrenne: Sevin, Pierre Paul. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker.(AKL Online) bzw. Bd. 30, München/Leipzig 2001. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 12: Rouco – Sommer. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009. Damien Chantrenne: Pierre Paul Sevin (Tournon, 1646–1710): illustrateur et créateur de décors de fêtes et de cérémonies sous Louis XIV. Dissertation, Université Paris-Sorbonne (Paris IV), 2012.

Weblinks

MutualArt Agorha

Einzelnachweise

Kategorie:Maler (Frankreich) Kategorie:Zeichner (Frankreich) Kategorie:Illustrator (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1646 Kategorie:Gestorben 1710 Kategorie:Mann