mini|150x150px|Judenstern, Pflicht des sichtbaren Tragens auf der Kleidung ab September 1941 Das Mädchen aus Harrys Straße ist ein Kinderbuch des deutschen Journalisten und Kinderbuchautors Sigmar Schollack für Kinder ab 10 Jahren von 1978 über die Konsequenzen einer Begegnung eines 10-Jährigen mit einer gleichaltrigen Jüdin zur Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Veröffentlichungen Die Erstausgabe erschien zuerst im Jahr 1978 im Kinderbuchverlag Berlin in der DDR.

Die Erzählung wurde 1990 beim Verlag Elefanten Press neu aufgelegt, war ab 1998 vergriffen und kam in der Neuauflage von 2011 mit vom Autor deutlicher formuliertem Ende und Glossar beim Donat Verlag erneut heraus. Das Buch wurde in den unterschiedlichen Ausgaben von verschiedenen Personen illustriert: Horst Rudolph, Sabine Jaene und Anna Schilling.

In den Niederlanden erschien das Buch 1983 beim Verlag Zwijsen, Tilburg. Die Erzählung eignet sich zur Lektüre für Kinder ab ca. 10 Jahren.

Hintergrund Sigmar Schollack erlebte während der Zeit des Nationalsozialismus wegen des jüdischen Glaubens des Vaters mehrfach Bedrohungen für die eigene Familie und schrieb im Vorwort, dass vieles autobiographisch sei, was in der Erzählung stehe, und er gegen jegliche Diskriminierung sei.

Inhalt Hauptfigur der 1942 spielenden Erzählung ist der zehnjährige Harry Kleinfeld, der in einem Berliner Mietshaus in der Christburger Straße im Stadtteil Neukölln lebt. Während des Krieges müssen die Familien wegen der Luftangriffe durch die Alliierten wiederholt im Keller Schutz suchen. Am Folgetag ist es jeweils Aufgabe der Kinder, Bombensplitter zu sammeln.

Er lernt in der Schule, dass Juden Feinde sind, was für ihn schwierig zu verstehen ist. Er begegnete im Vorfeld zufällig dem jüdischen Mädchen Miriam Wasserstein aus seiner Straße, die sich das Knie aufgeschlagen hat. Zu dem Zeitpunkt war er mit seinem verspäteten Freund Klaus Wolter zum Sammeln von Bombensplittern verabredet. Das Mädchen erscheint ihm nett zu sein und nicht gefährlich, auch wenn es einen Judenstern trägt.Pflicht des sichtbaren Tragens auf der Kleidung für alle Juden ab 19. September 1941, siehe Arbeitsblätter Bildung Bremen (AB 4) Das Mädchen nimmt er als dunkeläugig, zierlich und schüchtern wahr. Sie will allerdings zunächst nicht mit ihm sprechen und geht humpelnd an ihm vorbei. Harry ist bekannt, dass man mit Juden nicht sprechen darf, aber er kann sich nicht daran halten. Obwohl ihn sein Freund Klaus, der Fähnleinführer des Jungvolks, und seine Mutter warnen, will er Miriam retten und versucht heimlich, dem Mädchen zu helfen, besonders, als er von seinem Freund Klaus erfährt, dass die Juden in Arbeitslager gebracht werden. Seine Mutter hat Angst und will nicht über Arbeitslager sprechen. Harrys Vater deutet an, dass die Juden ein noch schlimmeres Schicksal erwarten würde als nur ein Aufenthalt mit harter Arbeit. Harry baut ein Versteck für Miriam, um sie darin retten zu können. Es stört ihn kaum, dass die Freundschaft zu Klaus leidet, der von ihm abgerückt ist, um zu zeigen, dass er nichts mit Harry zu tun hat, als der beim Fähnleinführer nach den Juden gefragt hat, da ihn sein Plan beschäftigt. Als er Miriam wieder trifft und sie nicht ausweichen kann, wünscht sie sich Vogelfutter. Er stiehlt daraufhin der Mutter Lebensmittelmarken, welche ihm als Konsequenz – auch wegen seiner Verschwiegenheit bezüglich des Grundes – Hausarrest erteilt, kann aber zum ausgemachten Termin das Vogelfutter zum Treffpunkt bringen. Miriam erscheint nicht. Harry geht zu ihrer Haustür, die versiegelt ist. Von den Nachbarn erfährt er, dass das Mädchen mit der Familie abgeholt worden war.

Als die Mutter das nun unnütze Vogelfutter und die restlichen Lebensmittelmarken zurückerhält, ist sie betroffen und beendet den Hausarrest. Harry entscheidet sich für eine neue Freundschaft mit Rolf Pieske, den er zu Beginn nicht gemocht hat, der aber als Einziger im Vorfeld seine Fragen bezüglich der Juden gelobt hat. Durch die Begegnung mit dem Mädchen Miriam hat sich Harrys Denken grundlegend verändert.

Rezensionen Ullrich Reuter von der Gedenkstättenpädagogik Bayern lobte das Buch wegen der kindlichen Perspektive als einfühlsamen Text für die Erstbegegnung von Kindern mit dem Thema Judenverfolgung, bei der die Inhumanität im Alltag zu jeder Zeit trotz des Verzichts auf dramatische und beängstigende Situationsschilderungen deutlich wird. Er hebt auch hervor, dass die Sprache für Kinder geeignet und die Erzählung in kurze, überschaubare Kapitel untergliedert sei.

Helmut Donat meint, die Atmosphäre jener Zeit sei gut wiedergegeben und Harry anschaulich beschrieben.

LovelyBooks wirbt für Sigmar Schollaks Geschichte, da die Atmosphäre gut nachvollziehbar sei und Harry überzeugend dargestellt sei. Auf der LovelyBooks-Seite wird zusätzlich der NS-Regime-Überlebende Ralph Giordano zitiert, der das Nachwort zum Buch verfasst hatte, dass Harry keine reine Fiktion sei.

Auszeichnungen

1993: Buch des Monats und Empfehlung zur Verwendung im Schulunterricht durch das österreichische Bundesministerium für Unterricht und Kunst 2005: Empfehlung von der Bundeszentrale für politische Bildung für das Einbeziehen des Films von 2010 in den Unterricht

Aufführungen Im Juni 2004 wurde die Erzählung durch die Theater-AG der Peter-Petersen-Grundschule beim Neuköllner Theatertreffen in Berlin-Neukölln in der Bearbeitung von Norbert Meisenberg aufgeführt.

Im Februar 2010 fand eine Filmaufführung durch Kinder (neun und vierzehn Jahre) statt. Sie hatten den Film vorher erstellt und waren vom Bildungsreferenten und Projektteilnehmern des Bildungswerkes BLITZ e.V. (Stadtroda) unterstützt worden. Im Februar des folgenden Jahres wurde der Film erneut auf dem Festival des Thüringer Landesverbandes der Filmautoren gezeigt.

Unterrichtsmaterial Bildung Bremen stellt ein ausführliches 10-stündiges Unterrichtskonzept mit Informationen zu Hintergründen und der Einordnung, dem Verlaufsplan und Tafelbildern für Kinder der Jahrgangsstufen 5 und 6 kostenfrei zur Verfügung.

Trivia Im Jahr 2024 spendete der Donat Verlag jeder Berliner Grundschule – es gibt 457 Grundschulen in Berlin– einen Klassensatz von 26 Exemplaren des Buches. Die Spende umfasste rund 10.000 Bücher. Sie wurde erweitert und Schulen in Bremen und Bremerhaven mit rund 5.000 Exemplaren zusätzlich beschenkt. Die Förderung erfolgte durch die in Bremen ansässige Beate und Hartmut Schaefers-Stiftung.

Literatur

Das Mädchen aus Harrys Straße. Donat Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-938-27579-5 (aktuelle Ausgabe). Das Mädchen aus Harrys Straße. Bärenklau Exklusiv, Brandenburg o. D., ISBN 978-3-8194-0313-2 (E-Book). Das Mädchen aus Harrys Straße. HörKids, Schwerin o. D., ISBN 978-3-946-29015-5 (Hörbuch, gesprochen von Martin Heckmann, Dauer 1 Stunde 10 Minuten).

Weblinks

Unterrichtskonzept von Bildung Bremen

Einzelnachweise

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Kinderliteratur