Stanford v. Kentucky ist ein Fall, der im Jahr 1989 vom Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten entschieden wurde. Das Gericht urteilte, dass die Verhängung der Todesstrafe für Straftäter die zum Tatzeitpunkt jünger als 18 Jahre alt waren nicht gegen den 8. Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung verstößt, der „grausame und ungewöhnliche Strafen“ verbietet.

Fall Der zum Tatzeitpunkt 17 Jahre und 4 Monate alte, mehrfach vorbestrafte Kevin Stanford war angeklagt, am 7. Januar 1981 zusammen mit einem Komplizen die damals 20-jährige Tankstellenmitarbeiterin Barbel Poore in Jefferson County im U.S. Bundesstaat Kentucky bei der Arbeit überfallen, ausgeraubt, mehrfach vergewaltigt und anschließend durch gezielte Schüsse in Gesicht und Hinterkopf ermordet zu haben.

Stanford wurde schuldig gesprochen, angesichts der Schwere der Straftaten wurde trotz des jugendlichen Alters des Beschuldigten die Todesstrafe verhängt. Das Urteil und die Verhängung der Todesstrafe wurde in weiteren Instanzen bestätigt. Stanford legte gegen diese Entscheidung beim Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten Widerspruch ein, der den Fall zur letztinstanzlichen Entscheidung annahm.

Urteil Mit einer Mehrheit von fünf der neun Richterstimmen urteilte der Oberste Gerichtshof, dass die Verhängung der Todesstrafe für minderjährige Straftäter nicht gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten verstößt. Bei der Beurteilung der Verfassungsmäßigkeit einer Strafe seien Veränderungen in der gesellschaftlichen Haltung zu deren Angemessenheit (evolving standards of decency) in Betracht zu ziehen. Es bestehe jedoch in den Vereinigten Staaten kein gesellschaftlicher Konsens gegen eine Verhängung der Todesstrafe für minderjährige Straftäter, was aus der Rechtslage in den Bundesstaaten, Meinungsumfragen und Studien von Fachorganisationen hervorgehe. Die Entscheidung über eine Verhängung der Todesstrafe für Minderjährige müsse daher den Bundesstaaten überlassen bleiben.

Aufhebung Das als richtungsweisende Entscheidung geltende Urteil im Fall Stanford v. Kentucky wurde im Jahr 2005 durch die Entscheidung im Fall Roper v. Simmons aufgehoben, in der das Oberste Gericht feststellte, dass sich die bereits in Stanford v. Kentucky zitierte gesellschaftlichen Haltung zur Angemessenheit der Todesstrafe für minderjährige Straftäter inzwischen verändert habe (evolving standards of decency). Eine große Mehrheit der Landesparlamente lehne inzwischen die Todesstrafe für minderjährige Straftäter ab. Auch in fast allen anderen Ländern der Welt würden keine Todesurteile gegen Minderjährige vollstreckt. Außer den Vereinigten Staaten hätten seit dem Jahr 1990 nur die Islamische Republik Iran, Pakistan, Saudi-Arabien, der Jemen, Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und die Volksrepublik China minderjährige Straftäter hingerichtet. In Anbetracht dieser Entwicklungen sei die Todesstrafe für Minderjährige so unangemessen, dass sie als grausame und ungewöhnliche Bestrafung angesehen werden müsse und dem Verbot des 8. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten unterliege. Die Mehrheitsmeinung im Fall Roper v. Simmons wurde vom obersten Richter Anthony Kennedy verfasst, der im Fall Stanford v. Kentucky noch die entscheidende Stimme für die Verfassungsmäßigkeit der Todesstrafe für Minderjährige abgegeben hatte.

Weblinks Stanford v. Kentucky, Eintrag bei Oyez.org

Kategorie:Urteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten Kategorie:Gerichtsentscheidung (20. Jahrhundert)