mini|Villa Gerstle in Admont um ca. 1900 mit dem Leopoldinenbrunnen Die Dr.-Genger-Villa, ursprünglich Villa Gerstle, ist eine repräsentative Villa aus der Gründerzeit in Admont in der Steiermark. Das Gebäude wurde 1873 als Wohnsitz des Industriellen Max Gerstle errichtet. Seit dem Erwerb durch den Arzt und späteren Bürgermeister Josef Genger sen. im Jahr 1907 ist es unter der Bezeichnung Dr.-Genger-Villa bekannt. Das Gebäude liegt am heutigen Dr.-Genger-Platz und prägt gemeinsam mit dem südlich davor gelegenen Leopoldinenbrunnen das Admonter Ortsbild.

Geschichte Vor dem Brand von 1865 mini|Ansicht Praydlfelder-Haus von Süden aus um 1840 vor dem Brand mini|Großer Stiftsbrand 1865, Ansicht von Norden aus auf die Stiftskirche, im Vordergrund das abgebrannte Praydlfelder-Haus

Die Geschichte des Hauses reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1539 wird an dieser Stelle erstmals das sogenannte „Praydlfelder-Haus“ erwähnt. Seit 1588 befand sich das Anwesen über nahezu drei Jahrhunderte im Besitz verschiedener Sattlermeister und wurde daher als „Sattler-Haus“ bezeichnet. Zu den nachweisbaren Eigentümern zählten unter anderem Sebald Torn, Hans Pastubmer, Philipp Schweizer, die Familie Munzenrieder sowie Simon und Josef Aspalter. Im 19. Jahrhundert wechselte das Gebäude mehrfach den Besitzer und gelangte schließlich in den Besitz von Ignaz und Gertrude Egger.

Im Jahr 1865 wurde das Sattler-Haus, kurz vor dem großen Markt- und Stiftsbrand von Admont, bei einem Brand zerstört. 1869 erwarb der spätere Bürgermeister Mathias Wilfinger die Brandstätte und ließ auf dem Grundstück nach Plänen des italienischen Bauzeichners Giovanni de Colle ein neues Wohnhaus errichten.

Die Gerstle-Zeit (1873–1907) Im Jahr 1873 erwarb der Industrielle Max Gerstle, später Kaiserlicher Rat und Ehrenbürger der Marktgemeinde Admont, das Anwesen von Mathias Wilfinger. Im selben Jahr gründete er in Admont eine Dampfsäge, die wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung des Ortes beitrug. Die Villa diente der Familie Gerstle als repräsentativer Wohnsitz und wurde während seiner 34-jährigen Eigentümerschaft zu einer Gründerzeitvilla ausgebaut; aus dieser Bauphase sind unter anderem der historische Speisesaal und weitere originale Ausstattungsmerkmale erhalten.

Der Industrielle Gerstle war eine prägende Persönlichkeit des österreichischen Schützenwesens. Darüber hinaus engagierte er sich als Kunstsammler und Förderer der bildenden Kunst und wurde 1905 in das Wiener Künstlerhaus aufgenommen. Zu den Gästen der Villa zählten unter anderem die Maler Rudolf von Alt und Carlo Brioschi. Anlässlich seines 20-jährigen Wirkens in Admont stiftete Gerstle 1892 den südlich der Villa gelegenen Leopoldinenbrunnen, wofür ihm die Ehrenbürgerwürde der Marktgemeinde Admont verliehen wurde. Im Jahr 1900 führte er zudem die erste elektrische Beleuchtung in Admont ein. 1907 verkaufte Gerstle die Villa an Dr. Josef Genger.

Die Dr.-Genger-Zeit (1907–2025) Im Jahr 1907 erwarb der Arzt sowie spätere Bürgermeister und Ehrenbürger der Marktgemeinde Admont, Josef Genger, die Villa von Max Gerstle und richtete dort seine Arztpraxis und seinen Wohnsitz ein.

Während seiner Eigentümerschaft wurde das Gebäude 1912 umfassend umgestaltet und den Anforderungen einer repräsentativen Arztvilla angepasst. Dabei entstand unter anderem die bis heute erhaltene Veranda an der Nordfassade. Nach dem Tod von Josef Genger übernahm sein Sohn, Josef Genger jun., die Liegenschaft und führte die ärztliche Praxis bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1986 fort. Die Villa blieb im Besitz der Familie Genger und wurde nach dem Tod von Irmgard Genger im Jahr 2022 als Familiendomizil genutzt. Im Juli 2025 wurde das Gebäude nach 118 Jahren im Besitz der Familie Genger veräußert.

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Einzelnachweise

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