mini|Wappen des fürstlichen Hauses Știrbei Știrbei (auch Știrbey und Stirbey) ist der Name eines ehemaligen walachischen Bojarengeschlechts. Die Familie ist im Mannesstamm erloschen.

Name Der Name geht auf den Beinamen știrb zurück, der im Rumänischen so viel wie „zahnlückig, schartig“ bedeutet. Die Familie führte ursprünglich den Namen Izvoranu und übernahm den Știrbei nach um 1600.Prințul Barbu Alexandru Știrbey. merg.in, abgerufen am 6. August 2026. Kennzeichnend für das Geschlecht war die Sitte, den ältesten Sohn stets Barbu zu nennen, was die Zuordnung einzelner Namensträger in der Literatur erschwert.

Geschichte

Ältere Linie Die Familie stammte aus der Kleinen Walachei und besaß dort umfangreichen Grundbesitz. Sie gilt als seit dem 17. Jahrhundert urkundlich bezeugt.Nicolae Iorga: Viața și domnia lui Barbu Dimitrie Știrbei, domn al Țării Românești (1849–1856). Institutul de Arte Grafice „Carol Göbl“, Bukarest 1905, S. 3. Dumitrașco Ştirbei († vor 1689) ist der erste Überlieferte seines Namens und erhielt von 1666 bis 1685 unter vier Fürsten hohe Hofämter. Da er kinderlos war, adoptierte er seine Nichte Maria und deren Ehemann Cernică Izvoranul, der im Dienst des Fürsten Constantin Brâncoveanu (reg. 1688–1714) stand. Cernică gilt als Stifter einer Skite im heutigen Kreis Ilfov, aus dem das Kloster Cernica hervorging.

Erlöschen und Adoption 1811 1811 adoptierte der kinderlose Großkanzler Barbu C. Știrbei (1753–1813) einen Neffen Barbu Dimitrie Știrbei (1799–1869), den Sohn des Woiwoden und Großkanzlers Dimitrie Bibescu, um die Linie zu sichern. Der Adoptierte nahm Namen und Vermögen an und wurde zum Stammvater der jüngeren, fürstlichen Linie Știrbei. Mit dem Tod von Barbu C. Știrbei im Jahr 1813 erlosch schließlich die Familie im Mannesstamm.

Aufstieg im 19. Jahrhundert und Einfluss im Königreich Rumänien Barbu Dimitrie Știrbei studierte ab 1817 in Paris und bekleidete unter der russischen Verwaltung Pawel Kisseljows und den folgenden Regierungen mehrere Ministerämter. Er war zudem Sekretär der Redaktionskommission des Organisches Reglement. Nach der Niederschlagung der Revolution von 1848 wurde er 1849 zum Fürsten der Walachei bestimmt und war zugleich der letzte Fürst der Walachei vor der Vereinigung mit Moldau.

Sein erster Sohn George Barbu Știrbei (1828–1925) war walachischer Kriegsminister und vom 15. Juli 1866 bis zum 21. Februar 1867 rumänischer Außenminister. Sein zweiter Sohn Alexandru B. Știrbei (1837–1895) wurde in Paris ausgebildet und war zeitweise Offizier in französischen Diensten, gehörte zu den Mitbegründern der Konservativen Partei und bekleidete unter König Karl I. und Theodor Rosetti Ministerposten. Als Gutsherr und Unternehmer baute er das Gut Buftea zu einem landwirtschaftlich-industriellen Großbetrieb aus und gründete dort 1870 eine Konservenfabrik.

Elisa Știrbei (1870–1957), älteste Tochter Alexandrus, war in erster Ehe mit dem Konservativen Alexandru Marghiloman, in zweiter mit dem Liberalen Ion I. C. Brătianu verheiratet.

Ihr Bruder Barbu Alexandru Știrbey (1872–1946), wegen seiner zurückhaltenden Erscheinung „der weiße Prinz“ genannt, wurde 1913 Verwalter der Krondomänen und galt während der Regierungszeit Ferdinands I. als engster Vertrauter des Königspaares. Im Juni 1927 war er kurzzeitig Ministerpräsident. Unter Karl II. verlor er an Einfluss und lebte zeitweise in der Schweiz. 1944 gehörte er der rumänischen Delegation an, die in Kairo über einen Waffenstillstand verhandelte.

Marina Știrbey (1912–2001), Tochter des Prinzen George Știrbey und Enkelin Alexandrus, erwarb 1935 den Pilotenschein und gründete 1940 die ausschließlich von Frauen geflogene Sanitätsstaffel, die als Escadrila Albă („Weiße Staffel“) bekannt wurde und im Krieg im Osten Verwundete ausflog. 1942 heiratete sie Prinz Constantin Basarab Brâncoveanu.

Enteignung und Exil Mit Beginn der kommunistischen Herrschaft endete der Einfluss der Familie Știrbei. Ihr Besitz wurde 1948 verstaatlicht, Angehörige wurden verhaftet oder zur Ausreise gedrängt. Ein Teil der Familie emigrierte nach Frankreich und Großbritannien. Einzelne Nachkommen kehrten 1989 zeitweise nach Rumänien zurück. Um die Rückgabe und Restaurierung der ehemaligen Besitzungen entstanden rechtliche Auseinandersetzungen.

Das Geschlecht ist im Mannesstamm erloschen. Als heutige Erben gelten die deutschen Grafen Wolff-Metternich zur Gracht.

Besitzungen (Auswahl)

Știrbei-Palais an der Calea Victoriei in Bukarest wurde 1833–1835 nach Plänen des französischen Architekten Michel Sanjouand im klassizistischen Stil errichtet und ab 1849 zeitweise als Fürstenresidenz genutzt. Nach der Verstaatlichung 1948 beherbergte es von 1954 bis 1977 das Museum für Volkskunst, danach das Keramik- und Glasmuseum. Seit den 2000er Jahren ist es in Privatbesitz. Schloss Știrbei in Buftea (Kreis Ilfov) wurde ab 1850 zunächst als befestigter Wohnturm (culă) begonnen und nach den Plänen des Architekten Joseph Hartl ausgeführt. Das Schloss wurde 1863/64 von Alexandru Știrbey im Tudorstil vollendet und durch eine neugotische Kapelle und einen Park erweitert. Auf dem Gut wurde 1918 der Vorfriede von Buftea unterzeichnet. Schloss Știrbei in Dărmănești ließ George Știrbey errichten. Es wurde nach 1948 als Sanatorium und Ferienlager genutzt.

Bedeutende Familienmitglieder

Barbu C. Știrbei (1753–1813), Großvornic, letzter Vertreter der älteren Linie Barbu Dimitrie Știrbei (1799–1869), Fürst der Walachei (1849–1853, 1854–1856) Elisabeta Știrbei (1804–1874), Gründerin der ersten rumänischsprachigen Mädchenschule (1843) George Barbu Știrbei (1828–1925), rumänischer Außenminister (1866/67) Alexandru B. Știrbei (1837–1895), rumänischer Innen- und Finanzminister Elisa Știrbei, verh. Marghiloman, verh. Brătianu (1870–1957), Kunstsammlerin und Mäzenin Barbu Alexandru Știrbey (1872–1946), Ministerpräsident Rumäniens (1927) Marina Știrbey (1912–2001), Pilotin, Gründerin der Escadrila Albă

Literatur

Nicolae Iorga: Viața și domnia lui Barbu Dimitrie Știrbei, domn al Țării Românești (1849–1856). Bukarest 1905 (Neuausgabe Vălenii de Munte 1910). Mihai Dim. Sturdza (Hrsg.): Familiile boierești din Moldova și Țara Românească. Enciclopedie istorică, genealogică și biografică. Editura Simetria, Bukarest 2004 ff. Octav-George Lecca: Familiile boierești române. Istoric și genealogie. Bukarest 1899. Ioan C. Filitti: Catagrafia oficială de toți boierii Țării Românești. In: Revista Arhivelor. Bd. 2, Bukarest 1929.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Rumänisches Adelsgeschlecht