mini|Die als „Grabenhäusle“ bezeichneten ehemaligen Soldatenhäuser am Frauengraben in Ulm

Die Grabenhäusle sind eine denkmalgeschützte Häuserzeile von Soldatenhäusern am Seelengraben, Frauengraben und Neuen Graben in Ulm.

Namensherkunft Der Name „Grabenhäusle“ entstammt der Zeit, als die landseitige Gebäudefront der Soldatenhäuser noch von einer Brüstungsmauer umgeben war. Zwischen der Brüstungsmauer und der Gebäudefassade befand sich ein Mauergraben, der den Häusern ihren Namen gab. Mit dem Begriff werden somit Häuser bezeichnet, die an einem Graben erbaut wurden.

Aufgrund der ärmlichen Verhältnisse, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts in dem Viertel der Grabenhäuser herrschten, nannte die wohlhabende Ulmer Bevölkerung die dort lebenden Menschen „Grabaleis“, was auf Hochdeutsch so viel wie „Grabenläuse“ bedeutet und deren Name sich im Volksmund unter den Einwohnern der Stadt verbreitete.

Lage Die Grabenhäusle wurden auf dem Stadtmauerwall der Stadt Ulm errichtet. Sie umfassen die ehemaligen Soldatenhäuser am Seelengraben, Frauengraben und Neuen Graben. An die Grabenhäusle schließt sich östlich der Seelturm mit Zundeltor an.

Geschichte mini|Stadtmauerwall, auf welchem die Grabenhäusle errichtet sind, im Hintergrund der Seelturm Die Grabenhäusle wurden von 1610 bis 1634 als Unterkünfte für die Ulmer Stadtsoldaten auf dem Stadtmauerwall erbaut und als Truppenquartiere genutzt. In einem Haus wohnten entweder je ein Soldat mit seiner Familie oder zwei ledige Soldaten. Die Lage der Grabenhäuser bot den Soldaten den Vorteil, dass sie von dort aus in den Befestigungsgraben blicken und bei Gefahr sofort agieren konnten.

Als die Stadt Ulm um 1802 im Zuge der napoleonische Neuordnung von bayerischen Truppen besetzt wurde, war das Viertel von Armut geprägt. Im Jahr 1810 verkaufte die Stadt Ulm die Häuser an Privatpersonen, wobei es sich bei den Käufern überwiegend um Bewohner der Stadt, Angehörige der Ulmer Garnison oder Soldatenwitwen handelte. Bei den neuen Bewohnern der Soldatenhäuschen handelte es sich um Personen aus der städtischen Unterschicht. Einige von ihnen nahmen einen Ausbau ihres Häuschens vor, ohne sich jedoch dafür eine Genehmigung einzuholen, weshalb die Behörden oftmals eingriffen.

Zur damaligen Zeit verfügten die Häuser noch nicht über ein eigenes Bad, weshalb sich je zwölf Wohneinheiten eine sanitäre Anlage teilen mussten, was je nach Anzahl der Personen im Haushalt bis zu 40 Personen umfasste. Häuser, in denen mehr als eine Familie lebte, besaßen zwei Kammern und eine Küche auf dem Flur.

In einem Stadtporträt aus dem Jahr 1940 werden die Grabenhäusle als Motiv für „malerische, romantische Altstadtbilder“ bezeichnet. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Grabenhäusle zerstört, ein Wiederaufbau fand zum Teil nach Kriegsende statt. Eine Häuserzeile wurde 1977 vollständig neu errichtet. Eine Modernisierung der wiederaufgebauten Häuser fand in den 1980er Jahren durch die Wohnungsgesellschaft UWS statt. Heutzutage sind noch 35 der ehemaligen Soldatenhäuser erhalten.

Beschreibung mini|Grabenhäusle am Frauengraben mit Gartenanlagen Die Reihenhausanlage besteht aus Soldatenhäusern des frühen 17. Jahrhunderts. Die in den Bauphasen von 1610 und 1634 errichteten Kleinhäuser wurden auf die Mauerkrone der mittelalterlichen Stadtmauer gesetzt und folgen deren Verlauf entlang des Seelengrabens, Frauengrabens und Neuen Grabens. Die traufständig aneinandergereihten, ein- bis zweigeschossigen Wohnhäuser, darunter auch Fachwerkbauten, besitzen schmale, langrechteckige Grundrisse und sind durch gemeinsame Brandwände voneinander getrennt. Einige der Gebäude sind dreigeschossig, darunter das Haus mit der Adresse Seelengraben Nr. 17, das zudem ein Mansarddach aufweist. Über massivem, verputztem Mauerwerk erheben sich steile Satteldächer mit spitzen Giebeln. Die schlichten, regelmäßig gegliederten Fassaden mit kleinen Fensteröffnungen spiegeln den ursprünglich rein funktionalen Charakter als Soldatenwohnungen wider. Die mittelalterliche Stadtmauer bildet konstruktiv den Unterbau der Häuser und ist als wesentlicher Bestandteil der Gesamtanlage erhalten. Charakteristisch ist zudem die gegenüberliegende Reihe kleiner Hausgärten mit Sitzecken und Schuppen auf dem Wall, welche durch eine Gasse von den Grabenhäusle getrennt sind. Die Grabenhäusle stellen als Wohnbebauung auf einer mittelalterlichen Befestigungsanlage ein selten erhaltenes Zeugnis frühneuzeitlicher Militär- und Sozialbaugeschichte dar.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Kulturdenkmal in Ulm Kategorie:Bauensemble in Baden-Württemberg Kategorie:Erbaut im 17. Jahrhundert Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Militärgeschichte (17. Jahrhundert) Kategorie:Ehemalige Kaserne in Baden-Württemberg Kategorie:Rekonstruiertes Bauwerk in Baden-Württemberg