Die Zapotekenzivilisation (zapotekisch , „das Volk, das aus den Wolken kam“) war eine indigene präkolumbische Zivilisation, die im Tal von Oaxaca in Mesoamerika entstand. Archäologische Befunde zeigen, dass die zapotekische Kultur mindestens 2500 Jahre alt ist. Die archäologische Stätte der alten Stadt Monte Albán umfasst monumentale Gebäude, Ballspielplätze, Gräber und Grabbeigaben, darunter fein gearbeiteter Goldschmuck. Monte Albán gehörte zu den ersten bedeutenden Städten Mesoamerikas und war das Zentrum eines zapotekischen Staates, der große Teile des heutigen mexikanischen Bundesstaates Oaxaca beherrschte. Die heutigen Zapoteken gelten als ihre Nachfahren.

Geschichte Die zapotekische Zivilisation entstand gegen Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. in den Y-förmig angeordneten Zentraltälern von Oaxaca. Die drei Täler waren zwischen drei unterschiedlich großen Gesellschaften aufgeteilt, die durch ein etwa 80 km² großes Niemandsland im Zentrum voneinander getrennt waren. In diesem Gebiet entwickelte sich erst wesentlich später die Stadt Oaxaca. Archäologische Befunde wie niedergebrannte Tempel und geopferte Kriegsgefangene deuten darauf hin, dass die drei Gesellschaften miteinander konkurrierten. Am Ende der Rosario-Phase zwischen 700 und 500 v. Chr. verloren die größte Siedlung des Tals, San José Mogote, und eine benachbarte Siedlung im Etla-Tal einen Großteil ihrer Bevölkerung.

Im selben Zeitraum entstand auf einem Berg oberhalb der drei Täler eine neue große Siedlung im bisherigen Niemandsland, die später Monte Albán genannt wurde. Die frühe Keramik Monte Albáns ähnelt derjenigen aus San José Mogote, was darauf hindeutet, dass die neue Stadt von Menschen besiedelt wurde, die San José Mogote verlassen hatten. Obwohl aus der Frühzeit Monte Albáns keine unmittelbaren Belege für eine militärische Bedrohung vorliegen, lassen die Mauern und Befestigungen aus der archäologischen Phase Monte Albán II, etwa 100 v. Chr. bis 200 n. Chr., vermuten, dass die Stadt als Reaktion auf eine solche Bedrohung errichtet wurde. Die US-amerikanischen Archäologen Joyce Marcus und Kent V. Flannery verglichen diesen Vorgang mit dem Synoikismos im antiken Griechenland: Kleinere, verstreute Bevölkerungsgruppen schlossen sich in einer zentralen Stadt zusammen, um einer äußeren Bedrohung begegnen zu können.mini|Blick auf Monte Albán

Der in Monte Albán entstandene zapotekische Staat begann sich während der späten Phase Monte Albán I, etwa zwischen 400 und 100 v. Chr., und während der gesamten Phase Monte Albán II, etwa zwischen 100 v. Chr. und 200 n. Chr., auszudehnen. Von Monte Albán Ic, ungefähr ab 200 v. Chr., bis Monte Albán II brachten zapotekische Herrscher auch Gebiete außerhalb des Tals von Oaxaca unter ihre Kontrolle. Bis zum Jahr 200 erstreckte sich der zapotekische Einfluss von Quiotepec im Norden bis Ocelotepec und Chiltepec im Süden. Monte Albán war zur größten Stadt des heutigen südlichen mexikanischen Hochlands geworden und behielt diese Stellung ungefähr bis 700 n. Chr.

Die Expansion des zapotekischen Reiches erreichte während der Phase Monte Albán II ihren Höhepunkt. Die Zapoteken eroberten oder kolonisierten Siedlungen weit außerhalb des Tals von Oaxaca. Ihr Einfluss zeigt sich insbesondere im plötzlichen Wandel der Keramikstile in den außerhalb des Tals gelegenen Regionen. Die dortigen eigenständigen Stilformen wurden durch Keramik im zapotekischen Stil ersetzt, was als Hinweis auf die Eingliederung dieser Gebiete in den zapotekischen Staat gilt. Es gibt Hinweise, dass die Expansion der Zapoteken sowohl durch militärische Eroberung als auch durch Kolonisierung erfolgte, wobei Siedler aus dem Kernland in die Randgebiete geschickt wurden. Größere politische Einheiten, die ihre Autonomie nicht aufgeben wollen, mussten möglicherweise gewaltsam unterworfen werden.

Der Archäologe Alfonso Caso, der in den 1930er Jahren zu den ersten Ausgräbern Monte Albáns gehörte, deutete ein Gebäude am Hauptplatz als weiteren Beleg für die weitreichende Expansion des zapotekischen Staates. Das heute als Gebäude J bezeichnete Bauwerk besitzt im Unterschied zu den übrigen Monumentalbauten die Form einer Pfeilspitze. An ihm befinden sich mehr als 40 bearbeitete Steinplatten mit hieroglyphischen Inschriften. Archäologen interpretierten die Glyphen als Darstellungen der von den Zapoteken kontrollierten Provinzen. Jede Glyphengruppe zeigt zudem einen Kopf mit aufwendigem Kopfschmuck, bei dem es sich vermutlich um den jeweiligen Provinzherrscher handelt. Auf den Kopf gestellte Darstellungen sollen Herrscher zeigen, die getötet und deren Gebiete gewaltsam erobert wurden. Aufrecht dargestellte Köpfe könnten dagegen Herrscher bezeichnen, die sich der Eingliederung nicht widersetzten und deshalb verschont wurden. Gebäude J wird daher in der archäologischen Literatur auch als „Eroberungsplatte“ bezeichnet. Krieg mit den Azteken und Ankunft der Spanier In den 1450er Jahren drangen aztekische Truppen in das Tal von Oaxaca ein, um ihre Vorherrschaft über das Gebiet auszudehnen. Das Gebiet wurde 1458 von den Azteken erobert. Im Jahr 1486 errichteten sie auf dem Hügel Huaxyácac, dem heutigen El Fortín, eine Festung, von der aus sie die Entrichtung von Tributen in Oaxaca durchsetzten.

Die letzte Schlacht zwischen Azteken und Zapoteken fand zwischen 1497 und 1502 unter dem aztekischen Herrscher Ahuízotl bei Guiengola statt, einer befestigten Stadt am Isthmus von Tehuantepec. Als während der spanischen Eroberung des Aztekenreiches die Nachricht von der Niederlage der Azteken eintraf, wies König Cosijoeza sein Volk an, die Spanier nicht anzugreifen, um einem ähnlichen Schicksal zu entgehen. Die Zapoteken entsandten eine Delegation, um ein Bündnis mit den Spaniern anzustreben.

Am 25. November 1521 erreichte Francisco de Orozco das Tal von Oaxaca. Sowohl die Zapoteken als auch die Mixteken der Region unterwarfen sich bald der Herrschaft von Hernán Cortés. Nach Darstellung des Historikers William B. Taylor bewahrte die friedliche Eroberung das Tal von Oaxaca vor den hohen Opferzahlen sowie den schweren sozialen und psychischen Verwerfungen, welche die Azteken im Tal von Mexiko erlitten hätten. In Antequera, dem späteren Oaxaca de Juárez, stieß de Orozco allerdings auf Widerstand, der bis Ende 1521 niedergeschlagen wurde.

Spanische Herrschaft Nach 1526 wurde das zapotekische Gebiet Teil des Marquesado del Valle de Oaxaca im Vizekönigreich Neuspanien und unterstand der Kontrolle von Hernán Cortés.

Seit 1528 ließen sich die Dominikaner dauerhaft in Antequera nieder. Nach der formellen Errichtung des Bistums Oaxaca im Jahr 1535 trafen zunehmend katholische Geistliche in der Region ein. Spanische Siedler brachten Haustiere mit, die in Oaxaca zuvor unbekannt gewesen waren, darunter Pferde, Rinder, Ziegen, Schafe, Hühner, Maultiere und Ochsen. Die indigene Bevölkerung Oaxacas war unter anderem Pocken, Windpocken, Diphtherie, Scharlach, Masern, Typhus, Mumps, Influenza und Cocoliztli, einer hämorrhagischen Krankheit, ausgesetzt. Dieshalb sank die indigene Bevölkerung dadurch von rund 1,5 Millionen Menschen im Jahr 1520 auf etwa 150.000 im Jahr 1650. Langfristig erholte sich die Bevölkerung Oaxacas jedoch wieder.

Während der Kolonialzeit kam es zu einem Prozess der Vermischung zwischen der indigenen Bevölkerung und den spanischen Siedlern, der sich über Jahrhunderte bis nach der Entstehung des mexikanischen Staates fortsetzte. Viele ihrer Nachkommen behielten bis in die Gegenwart die mixtekische Sprache als Ausdruck ihrer Abstammung bei.

Archäologische Erforschung mini|Palast in Mitla Die zapotekischen Ruinenstätten waren der örtlichen Bevölkerung vielfach auch nach der spanischen Eroberung bekannt; Mitla blieb sogar während der Kolonialzeit und bis in die Gegenwart besiedelt. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Stätten setzte gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein. Der US-amerikanische Archäologe Marshall H. Saville führte zwischen 1897 und 1904 Feldforschungen in Mitla, Xoxocotlán und Monte Albán durch.

In Monte Albán nahm Leopoldo Batres 1901 erste größere Ausgrabungen an Gräbern und Bauwerken vor. Die systematische Erforschung begann 1931 unter der Leitung von Alfonso Caso, der bis 1943 insgesamt rund 180 Gräber untersuchte. Besondere Aufmerksamkeit erregte die 1932 entdeckte Grabstätte 7 mit zahlreichen Schmuck- und Grabbeigaben aus mixtekischer Zeit. In Yagul fanden seit den 1950er Jahren umfangreiche Ausgrabungen unter anderem durch John Paddock und Ignacio Bernal statt, während die archäologische Zone von Zaachila 1962 von Roberto Gallegos Ruiz untersucht wurde. Monte Albán wurde 1987 gemeinsam mit dem historischen Zentrum von Oaxaca in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Im Januar 2026 wurde bei einer Untersuchung des mexikanischen Nationalinstituts für Anthropologie und Geschichte in Oaxaca ein gut erhaltenes, etwa 1400 Jahre altes zapotekisches Grab entdeckt. Den Eingang zur Grabkammer schmückt ein großer Fries in Form eines Eulenkopfes. Der Schnabel des Vogels wölbt sich über das bemalte Stuckgesicht eines zapotekischen Würdenträgers und soll die Verbindung des Verstorbenen zur Unterwelt symbolisieren. Im Inneren befinden sich seltene polychrome Wandmalereien, die eine Prozession von Figuren mit Beuteln voller Copal darstellen, sowie aus Stein gearbeitete Wächterfiguren an der Schwelle.

Etymologie Die Bezeichnung Zapoteken ist ein Exonym. Sprecher des Nahuatl bezeichneten das Volk als tzapotēcah, im Singular tzapotēcatl, was „Bewohner des Ortes der Sapote“ bedeutet. Die Zapoteken selbst bezeichneten sich mit verschiedenen Formen des Ausdrucks Be'ena'a, der mit „Wolkenvolk“ oder „Menschen aus den Wolken“ übersetzt wird. Historischen und gegenwärtigen zapotekischen Legenden zufolge gingen ihre Vorfahren aus der Erde oder aus Höhlen hervor oder verwandelten sich aus Bäumen und Jaguaren in Menschen. Die herrschende Elite glaubte, von übernatürlichen Wesen abzustammen, die in den Wolken lebten, und nach dem Tod dorthin zurückzukehren.

Sprache mini|Heutige Verbreitung des Zapotekischen in Oaxaca +Archäologische Phasen der Geschichte Monte AlbánsPhaseZeitraumMonte Albán Ica. 400–100 v. Chr.Monte Albán IIca. 100 v. Chr.–100 n. Chr.Monte Albán IIIca. 200–900Monte Albán IVca. 900–1350Monte Albán Vca. 1350–1521

Die zapotekischen Sprachen gehören zur Familie der Otomangue-Sprachen, einer alten mesoamerikanischen Sprachfamilie. Es wird angenommen, dass sich die heutigen otomangueischen Sprachen um etwa 1500 v. Chr. aus einer gemeinsamen Ursprache entwickelten. Vermutlich spalteten sich zunächst die Mangue-Sprachen und danach der oto-pameische Zweig ab, während sich die mixtekischen und zapotekischen Sprachen erst später voneinander trennten.

Die zapotekische Sprachgruppe umfasst die zapotekischen Sprachen und das eng verwandte Chatino. Zapotekische Sprachen werden in Teilen der nördlichen Sierra, in den Zentraltälern, in Teilen der südlichen Sierra, am Isthmus von Tehuantepec und entlang einiger Abschnitte der Pazifikküste gesprochen.

Zapotekisch ist eine Tonsprache, bei der die Bedeutung eines Wortes häufig von der Tonhöhe abhängt. Die zapotekischen Sprachen weisen bis zu vier unterschiedliche Tonverläufe auf: hoch, tief, steigend und fallend. In Monte Albán haben Archäologen einen längeren Text in einer Hieroglyphenschrift gefunden. Einige Zeichen lassen sich als Kalenderangaben erkennen, doch die Schrift selbst ist nach wie vor nicht entziffert.

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